Es gibt Horrorfilme, die sich ihrer eigenen Beschränkungen bewusst sind – und solche, die es nicht sind. Terrifier 2 von Regisseur und Drehbuchautor Damien Leone fällt irgendwo zwischen diesen Polen. Der 2022 erschienene Splatter-Slasher aus den USA ist eine Fortsetzung des gleichnamigen Kulthorrorfilms und verfolgt die Geschichte der Geschwister Sienna Shaw und Jonathan, die in der fiktiven Kleinstadt Miles County während Halloween vom maskierten Killer Art the Clown gejagt werden. Die Laufzeit ist außergewöhnlich lang für das Genre, die Gewaltdarstellungen gelten als extrem – und das Kino-Publikum war gespalten.
Was mich als Zuschauerin aber fast mehr interessiert als die Splattersequenzen: die Besetzung von Terrifier 2. Denn ein Cast kann über Anspruch oder Leere eines Films mehr verraten als jede Bewertung. Hier trifft ein handwerklich solides Independent-Ensemble auf ein Drehbuch, das Charaktertiefe zumindest stellenweise einfordert – mit wechselhaftem Ergebnis.
Die Besetzung von Terrifier 2 – zwischen Anspruch und Konvention
Die Besetzung von Terrifier 2 ist in erster Linie eine Ensemblearbeit im Low-Budget-Bereich – und das merkt man, im Guten wie im Schlechten. Damien Leone setzt weitgehend auf Schauspieler:innen, die keine großen Hollywoodkarrieren hinter sich haben. Das kann erfrischend wirken, weil es künstliche Glanzpolitur vermeidet. Es kann aber auch bedeuten, dass Charakterentwicklung auf der Strecke bleibt, weil schlicht nicht genug Erfahrung da ist, um mit dünnem Drehbuchmaterial umzugehen.
Das Interessanteste an diesem Cast ist die Entscheidung, mit Lauren LaVera eine weibliche Hauptfigur in den Mittelpunkt zu stellen, die nicht einfach Opfer ist. Sienna Shaw kämpft, handelt, entwickelt sich – zumindest ansatzweise. Das ist im Slasher-Genre keine Selbstverständlichkeit, auch wenn das Konzept der „Final Girl”-Figur natürlich nicht neu ist.
Weniger überraschend: Der Rest der Schauspieler bleibt oft funktional. Man füllt Rollen aus. Man schreit. Man stirbt. Ob das Kalkül oder Konzept ist, lässt sich von außen schwer sagen – aber als Zuschauerin fragt man sich gelegentlich, ob hier mehr möglich gewesen wäre.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| David Howard Thornton | Art the Clown | 8/10 | Physisch präzise, ohne ein Wort zu sprechen – eine unheimliche Leistung |
| Lauren LaVera | Sienna Shaw | 7/10 | Glaubwürdig und kämpferisch – die überzeugendste menschliche Figur |
| Elliott Fullam | Jonathan Shaw | 6/10 | Solide, aber der Charakter bleibt entwicklungstechnisch auf halbem Weg |
| Samantha Scaffidi | Victoria Heyes | 5/10 | Interessante Figur, in der Ausführung aber ungleichmäßig |
| Georgia MacPhail | Brooke | 5/10 | Bleibt funktional – wenig Raum für Tiefe |
| Kailey Hyman | Allie | 5/10 | Besetzt eine Opferrolle mit Energie, aber ohne Charakterentwicklung |
| Chris Jericho | Burke | 5/10 | Überraschende Besetzung, aber eher Cameo-Qualität |
| Amelie McLain | The Pale Girl | 6/10 | Atmosphärisch und eigenartig – eine der interessanteren Nebenfiguren |
Die Hauptdarsteller im Fokus
David Howard Thornton als Art the Clown
Wer über die Besetzung von Terrifier 2 spricht, kommt an David Howard Thornton nicht vorbei. Der Schauspieler verkörpert Art the Clown rein körpersprachlich – es gibt keine Dialoge, keine Monologe, keine emotionalen Ausbrüche im klassischen Sinne. Stattdessen: präzise Mimik, ein Körpergefühl, das irgendwo zwischen Pantomime, Stummfilm und Alptraum angesiedelt ist.
Was Thornton leistet, ist handwerklich bemerkenswert. Er spielt eine Figur, die eigentlich keine Psychologie haben soll – und erzeugt dennoch eine Präsenz, die sich festsetzt. Das ist nicht trivial. Wo viele Horrorclowns auf Jump-Scares und Lautstärke setzen, arbeitet Thornton mit Stille und Timing.
Problematisch bleibt allerdings die Frage, was Art the Clown eigentlich bedeutet. Das Drehbuch lässt die Figur weitgehend als Entleerung stehen – als Werkzeug der Gewalt ohne narrative Reibung. Das ist eine Regieentscheidung, keine schauspielerische Schwäche – aber es begrenzt das Analysepotenzial.
Bewertung: 8/10
Lauren LaVera als Sienna Shaw
Lauren LaVera trägt als Sienna Shaw den emotionalen Kern des Films. Ihre Figur ist kein passives Opfer – sie kämpft aktiv, hat eine Backstory, eine Beziehung zu ihrem Bruder und eine mythologisch aufgeladene Rolle, die das Drehbuch allerdings nur halbherzig ausführt.
LaVera bringt Energie und Glaubwürdigkeit mit. Man nimmt ihr die Erschöpfung ab, die Entschlossenheit, die Verzweiflung. Sie ist physisch präsent und emotional erreichbar – zwei Qualitäten, die in diesem Genre häufiger auseinanderfallen, als man denkt.
Was mich als Zuschauerin etwas irritiert: Die Figur Sienna Shaw wird mit symbolischer Aufladung versehen – Engelsflügel, Schwert, Traumsequenzen – die selten zu konkreter Charakterentwicklung führt. Es bleibt bei der Andeutung von Tiefe. Das ist schade, denn LaVera hätte das Material tragen können.
Bewertung: 7/10
Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von Candyman.
Elliott Fullam als Jonathan Shaw
Elliott Fullam spielt Siennas jüngeren Bruder Jonathan – eine Figur, die zwischen Opfer und aktiver Mitgestaltung des Horrors changiert. Fullam ist solide, gelegentlich überzeugend, aber die Rolle ist so geschrieben, dass sie selten Raum für nuanciertes Spiel lässt.
Jonathan wirkt wie ein Charakter, der für eine größere emotionale Dynamik angelegt wurde, aber im Schnitt oder im Drehbuch zu kurz kommt. Fullam liefert das Nötige – nicht mehr, nicht weniger.
Bewertung: 6/10
Samantha Scaffidi als Victoria Heyes
Samantha Scaffidi kehrt aus dem ersten Terrifier zurück und spielt Victoria Heyes – eine Figur, die durch die Ereignisse des Vorgängers gezeichnet ist. Das Potenzial dieser Figur ist erheblich: eine Traumaüberlebende mit komplexer Psychologie. Was davon tatsächlich ausgearbeitet wird, bleibt leider begrenzt.
Scaffidis Spiel ist ungleichmäßig – in manchen Szenen präzise und verstörend, in anderen etwas übersteuert. Die Verbindung zwischen Victoria und Art the Clown, die das Drehbuch andeutet, bleibt narrativ unterkomplex.
Bewertung: 5/10
Einen ähnlichen Blick auf das Ensemble eines Horrorfilms bietet auch der Artikel zur Besetzung von M3GAN.
Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
Die Nebenrollen in Terrifier 2 erfüllen überwiegend eine Funktion, die im Slasher-Genre traditionell ist: Sie existieren, um zu sterben. Das ist keine Kritik an den Schauspieler:innen, sondern an einem Drehbuch, das wenig Interesse daran zeigt, diese Figuren zu individualisieren.
Amelie McLain als The Pale Girl sticht heraus – nicht weil die Rolle besonders komplex wäre, sondern weil McLain eine eigenartige Präsenz mitbringt, die atmosphärisch wirksam ist. Die Figur bleibt rätselhaft, und das funktioniert hier ausnahmsweise als Qualität.
Kailey Hyman als Allie hat eine der körperlich anspruchsvollsten Szenen des Films – und das bei einer Figur, die kaum entwickelt wird. Das wirft für mich eine Frage auf, die den gesamten Film begleitet: Wie viel Leiden zeigt man einer Figur an, in die man narrativ kaum investiert hat?
Chris Jericho – bekannt aus dem Wrestling-Bereich – taucht in einer Nebenrolle auf. Das ist der Typ Casting, das man entweder als charmante Subversion liest oder als kalkulierten Aufmerksamkeitsfang. Die Tendenz geht hier eher zum Letzteren.
Georgia MacPhail als Brooke bewegt sich im Rahmen des Erwartbaren – sie ist sympathisch, glaubwürdig und letztlich austauschbar.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
David Howard Thornton
- Terrifier (2016) – Art the Clown
- Kurzfilme mit der Figur Art the Clown
- Terrifier 2 (2022) – Art the Clown
- Theaterproduktionen (breitere schauspielerische Bandbreite)
Man kann von Typecasting sprechen – und doch wäre das eine vereinfachende Einschätzung. Thornton hat eine klar erkennbare künstlerische Handschrift für diese Figur entwickelt, auch wenn die Gefahr besteht, dass er langfristig auf diese eine Rolle reduziert wird.
Samantha Scaffidi
- Terrifier (erster Teil) – Victoria Heyes
- Terrifier 2 (2022) – Victoria Heyes
Scaffidis Rückkehr ist narrative Kontinuität – aber auch die Frage: Wächst die Figur, oder bleibt sie im Trauma fixiert? Der Film lässt die Frage offen.
Lauren LaVera
- Terrifier 2 (2022) – Sienna Shaw
LaVera tritt mit diesem Film stärker ins Bewusstsein eines breiteren Publikums. Es bleibt abzuwarten, ob sie daraus eine Karriere entwickeln kann, die über das Horrorgenre hinausgeht – oder ob das Casting hier strukturell in eine Schublade weist.
Wer sich für das Casting in weiteren Horrorfilmen interessiert, findet in unserem Artikel zur Besetzung von Look Away einen verwandten Blick auf das Genre.
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Das ist die ehrlichste Frage, und die Antwort ist: teilweise. Die Chemie zwischen Lauren LaVera und Elliott Fullam als Geschwisterpaar funktioniert auf einer funktionalen Ebene – man glaubt die Beziehung, auch wenn sie selten wirklich Tiefe entfaltet. Die Dynamik zwischen Sienna und Jonathan ist der emotionale Anker des Films, und er hält – nicht perfekt, aber ausreichend.
Schwieriger wird es, wenn man das gesamte Ensemble betrachtet. Terrifier 2 ist kein Film, der auf Ensemble-Kino setzt. Die Figuren existieren weitgehend getrennt voneinander, ihre Interaktionen bleiben episodisch. Das ist ein strukturelles Merkmal des Slasher-Genres – aber es bedeutet auch, dass von einem echten Ensemble kaum gesprochen werden kann.
Die Verbindung zwischen Thorntons Art the Clown und dem Rest des Casts ist per Definition keine menschliche Beziehung – und genau das macht sie in Teilen interessanter als alle anderen Dynamiken im Film.
Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
Terrifier 2 ist ein Independent-Horrorfilm, der über Crowdfunding mitfinanziert wurde, im Kino überraschend erfolgreich lief und viral ging – ein Phänomen, das viel über die aktuelle Streaming- und Kinokultur verrät. Wenn ein Film vor allem deshalb Aufmerksamkeit erhält, weil Zuschauer:innen beim Ansehen das Kino verlassen oder in Ohnmacht fallen, dann ist das ein Marketingversprechen, kein künstlerisches.
Die Besetzung von Terrifier 2 ist in diesem Kontext bezeichnend: Man hat bewusst auf etablierte Namen verzichtet, auf Authentizität im Low-Budget-Sinn gesetzt – und dabei eine merkwürdige Mischung aus aufrichtigem Independent-Geist und kalkuliertem Genrekino erzeugt. Das Ergebnis ist kein schlechter Film. Aber es ist auch kein Film, der seinem weiblichen Hauptcharakter oder seinem Ensemble wirklich gerecht wird.
Was bleibt, ist die Frage nach Repräsentation: Eine kämpfende Frau im Mittelpunkt eines Slashers ist progressiver als vieles, was das Genre historisch hervorgebracht hat. Aber kämpfen reicht nicht. Charaktertiefe, emotionale Komplexität, gesellschaftliche Einbettung – das sind die Dimensionen, die ein Horrorfilm braucht, um wirklich zu verstören. Nicht nur visuell.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt in Terrifier 2 die Hauptrolle?
Die Hauptrolle spielt Lauren LaVera als Sienna Shaw. Sie ist die zentrale menschliche Figur des Films und kämpft gemeinsam mit ihrem Bruder Jonathan (Elliott Fullam) gegen Art the Clown.
Wer spielt Art the Clown in Terrifier 2?
Art the Clown wird von David Howard Thornton gespielt – wie bereits im ersten Teil. Thornton spielt die Figur stumm und ausschließlich über Körpersprache und Mimik. Das ist eine der stärksten schauspielerischen Leistungen des Films.
Ist die Besetzung von Terrifier 2 für ein Horrorpublikum sehenswert?
Für Genre-Fans definitiv. Die Terrifier 2 Schauspieler liefern solide bis gute Leistungen, wobei Thornton und LaVera klar herausstechen. Wer tiefgründige Charakterentwicklung sucht, wird gelegentlich enttäuscht sein – das Drehbuch lässt nicht immer Raum dafür.
Gibt es Synchronsprecher für die deutsche Fassung?
Ja, für die deutsche Synchronisation existieren Synchronsprecher, die in der deutschen Synchronkartei verzeichnet sind. Die genaue Besetzung der deutschen Synchron-Stimmen findet sich unter synchronkartei.de.
Lohnt sich Terrifier 2 trotz der Gewaltdarstellungen?
Das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und der Toleranz gegenüber extremem Splatter. Als Filmkritikerin würde ich sagen: Der Film ist handwerklich kompetenter als sein Ruf vermuten lässt, und Lauren LaVeras Performance gibt ihm einen Boden. Wer Slasher und Splatter mag und bereit ist, über die Oberfläche hinauszuschauen, findet hier mehr als nur Schockwert.
Wo kann man Terrifier 2 schauen?
Der Film ist u. a. über Prime Video (als Uncut-Version) sowie über Apple TV verfügbar, war außerdem im Kino gelaufen. Trailer und Bewertungen finden sich auf Plattformen wie Filmstarts, MoviePilot und IMDB.



