Es gibt Filme, die man mit einem Seufzer betritt – nicht weil man ihnen gegenüber feindlich eingestellt ist, sondern weil man das Muster kennt. Aquaman: Lost Kingdom, der 2023 in die Kinos kam und damit das DC Extended Universe in seiner bisherigen Form offiziell verabschiedete, ist so ein Film. Regisseur James Wan inszeniert das Sequel als glitzerndes Abenteuer-Spektakel irgendwo zwischen atlantischer Fantasy, Action-Blockbuster und Familiendrama – mit einer Laufzeit, die sich gelegentlich selbst im Weg steht. Was aber wirklich interessiert, ist die Frage: Was leistet die Besetzung von Aquaman: Lost Kingdom? Wer trägt diesen Film, wer bleibt hinter seinem Potenzial zurück – und was verrät das Cast über den Zustand des gegenwärtigen Superheldenkinos?
Das Ensemble rund um Jason Momoa, Patrick Wilson, Yahya Abdul-Mateen II und Nicole Kidman verspricht auf dem Papier durchaus etwas. Und doch – beim näheren Hinschauen offenbaren sich sowohl interessante Entscheidungen als auch die gewohnten Reflexe einer Produktion, die dem Publikum nicht zu viel zumuten möchte.
Die Besetzung von Aquaman: Lost Kingdom – zwischen Anspruch und Konvention
Wenn man die Besetzung von Aquaman: Lost Kingdom als Ganzes betrachtet, schwankt man zwischen ehrlicher Anerkennung und einem leichten Stirnrunzeln. Das Cast wurde – wie für ein Warner-Bros.-Produkt dieser Größenordnung üblich – mit einer Mischung aus bewährten Zugpferden und kalkulierten Ergänzungen zusammengestellt. Jason Momoa als Arthur Curry ist längst zur Marke geworden: charismatisch, laut, körperbetont. Die Frage ist nur, ob das noch ausreicht.
Was positiv auffällt: Die Entscheidung, Patrick Wilson als Orm deutlich mehr Raum zu geben als im ersten Film, zahlt sich erzählerisch aus. Wilson bringt eine trockene Würde mit, die den Film an einigen Stellen tatsächlich erdet. Weniger überzeugend ist, wie die weiblichen Figuren – insbesondere Mera, gespielt von Amber Heard – auch im zweiten Teil eher als Funktionscharaktere behandelt werden denn als eigenständige Persönlichkeiten.
Die Castingentscheidungen wirken an manchen Stellen strategisch – repräsentativ nach außen, aber nicht immer von echtem inhaltlichem Interesse getragen. Yahya Abdul-Mateen II als Black Manta ist eine der wenigen Rollen, bei der man das Gefühl hat, dass hier ein Schauspieler wirklich in einen Charakter investiert hat. Dolph Lundgren taucht in seiner Nebenrolle erneut auf, fast wie eine freundliche Reminiszenz an eine andere Ära des Actionkinos.
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Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Jason Momoa | Arthur Curry / Aquaman | 6/10 | Charismatisch, aber zunehmend selbstreferentiell – die Rolle verlangt mehr, als er zu bieten scheint |
| Patrick Wilson | Orm | 7/10 | Die eigentliche Überraschung des Films – nuancierter als erwartet |
| Amber Heard | Mera | 4/10 | Wenig Raum für Entwicklung; die Figur bleibt funktional statt fesselnd |
| Yahya Abdul-Mateen II | Black Manta | 7/10 | Überzeugend in seiner Intensität, auch wenn die Rolle erzählerisch begrenzt bleibt |
| Nicole Kidman | Atlanna | 5/10 | Untergenutzt – ihre Präsenz wirkt dekorativ |
| Dolph Lundgren | König Nereus | 5/10 | Solide Nebenrolle, keine Überraschungen |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Jason Momoa als Arthur Curry / Aquaman
Jason Momoa hat Arthur Curry in gewisser Weise zu seiner Lebensrolle gemacht – nicht unbedingt im künstlerischen Sinne, sondern im Sinne einer Verschmelzung von Persönlichkeit und Figur. Der Aquaman, den er spielt, ist im Kern Jason Momoa mit Dreizack: laut, witzig, physisch präsent, gelegentlich verletzlich. Das funktionierte im ersten Film noch als Frischluft gegenüber dem düsteren DCEU-Ton. Im Sequel wirkt es an Stellen wie eine Selbstparodie – als würde Momoa die Erwartungen seines Publikums bedienen, anstatt die Figur wirklich weiterzuentwickeln.
Arthur Curry als Atlantis-König, Vater und Hüter des Ozeans hätte eine komplexere Darstellung verdient. Momoa liefert Energie, aber selten Stille – und Tiefe entsteht oft genau in diesen ruhigen Momenten, die hier rar sind.
Bewertung: 6/10
Patrick Wilson als Orm
Orm ist die interessanteste Wendung des Films – und Patrick Wilson der Schauspieler, dem man dabei am liebsten zusieht. Wilson verleiht dem ehemaligen Antagonisten eine spröde Würde, die zwischen Verletzung, Trotz und widerwilliger Loyalität pendelt. Die Bromance-Dynamik zwischen Orm und Arthur ist das dramatische Herzstück von Lost Kingdom, und Wilson trägt diese Last mit einer Ernsthaftigkeit, die dem Film gut tut.
Dass ein ehemaliger Bösewicht zur eigentlichen emotionalen Mitte eines Superhelden-Sequels wird, ist eine strukturell mutige Entscheidung. Wilson macht das Beste daraus.
Bewertung: 7/10
Amber Heard als Mera
Über Amber Heard und ihre Rolle in Aquaman: Lost Kingdom lässt sich kaum schreiben, ohne den außerfilmischen Kontext zu erwähnen – der öffentliche Rechtsstreit hat das Bild dieser Darstellerin nachhaltig verändert, und ihre Rolle wurde für das Sequel nach Medienberichten deutlich reduziert. Das Ergebnis ist eine Mera, die kaum Raum erhält, um als eigenständige Figur zu existieren.
Das ist schade – nicht primär wegen Heard selbst, sondern weil Mera als Charakter das Potenzial hätte, weit mehr zu sein als Aquamans Partnerin. Stattdessen bleibt sie im Orbit der männlichen Figuren, was symptomatisch für die Repräsentationsprobleme ist, die das DCEU trotz aller gegenteiligen Bekenntnisse nie wirklich überwunden hat.
Bewertung: 4/10
Yahya Abdul-Mateen II als Black Manta
Black Manta ist konzeptionell einer der interessantesten DC-Antagonisten – ein Mensch ohne Superkräfte, angetrieben von persönlichem Schmerz und Rachewunsch. Yahya Abdul-Mateen II, der zuletzt in Candyman und Matrix Resurrections überzeugt hat, bringt eine fokussierte Intensität mit, die der Figur gut steht. Er wirkt wie jemand, der die Rolle ernst nimmt – auch dann, wenn das Drehbuch es ihm nicht immer leicht macht.
Das Casting ist einer der wenigen Momente, in denen das Film-Ensemble nach echter Überlegung aussieht, nicht nur nach Kalkulation.
Bewertung: 7/10
Nicole Kidman als Atlanna
Nicole Kidman ist Nicole Kidman – das bedeutet, ihre bloße Anwesenheit trägt eine bestimmte Qualität in jeden Raum. Leider nutzt Lost Kingdom diese Qualität kaum. Atlanna hat im Sequel noch weniger zu tun als im ersten Teil, und Kidman scheint selbst zu spüren, dass hier Potential verschenkt wird. Ihre Szenen sind elegant, aber leer – dekorativer Glanz ohne substanziellen Inhalt.
Es ist eine Rolle, die von einer Schauspielerin dieser Klasse mehr verlangt hätte. Oder besser: die ihr mehr hätte geben müssen.
Bewertung: 5/10
Einen ähnlichen Blick auf ein groß besetztes Franchise-Sequel lohnt auch der Artikel über die Besetzung von Avatar 3 – wo sich vergleichbare Fragen nach Charaktertiefe und Ensembledynamik stellen.
Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
Dolph Lundgren als König Nereus fügt sich in den Film ein wie ein bekanntes Möbelstück – man ist froh, es noch zu sehen, erwartet aber keine neuen Überraschungen. Lundgren spielt seine Rolle mit der Würde eines Mannes, der weiß, was er ist und was er nicht ist, und das ist auf eine seltsame Art respektabel.
Insgesamt sind die Nebenrollen in Aquaman: Lost Kingdom eher funktional als bemerkenswert. Sie füllen Räume, treiben Handlung voran und sorgen für koloristische Abwechslung – aber echte Tiefe entsteht kaum. Das ist ein strukturelles Problem: Wenn ein Film so sehr auf seine Hauptfiguren fixiert ist, verlieren die Randfiguren an Kontur. Die atlantische Welt mit ihrer Fülle an möglichen Charakteren bleibt in dieser Hinsicht unterentwickelt.
Eine interessante Ausnahme könnten die Synchronsprecher in der deutschen Synchronisation sein, die dem Ensemble eine weitere Interpretationsebene verleihen – die Originalbesetzung und die deutschen Synchronsprecher transportieren dabei teils unterschiedliche Nuancen, was bei einem so klangvollen Cast besonders auffällt.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
Jason Momoa
Jason Momoa hat sich seit seinen frühen Auftritten in Game of Thrones als Khal Drogo immer wieder in ähnlichem Terrain bewegt: körperbetonte Rollen, charismatische Krieger, Außenseiter mit Herz. Aquaman war eine Ausweitung dieses Musters, aber keine wirkliche Abkehr davon. Die Frage, ob Momoa als Schauspieler eine Entwicklung durchläuft oder dasselbe Terrain immer feiner ausarbeitet, stellt sich nach Lost Kingdom mit neuer Dringlichkeit.
- Game of Thrones – Khal Drogo
- Aquaman (2018)
- Aquaman: Lost Kingdom (2023)
Patrick Wilson
Patrick Wilson zeigt seit Jahren eine bemerkenswerte Bereitschaft, zwischen Genres zu wechseln – von Insidious bis Midnight Special bis hin zu seiner Arbeit im DCEU. Diese Beweglichkeit macht ihn zu einem der interessanteren Charakterdarsteller des zeitgenössischen Mainstream-Kinos.
- Insidious
- Midnight Special
- Aquaman (2018) – Orm
- Aquaman: Lost Kingdom (2023) – Orm
Yahya Abdul-Mateen II
Yahya Abdul-Mateen II hat sich in kurzer Zeit ein beeindruckendes Portfolio erarbeitet, das Kommerz und Arthouse geschickt verbindet. Black Manta ist nicht sein bester Moment – aber es ist ein Moment, der seine Bandbreite unterstreicht.
- Candyman
- Matrix Resurrections
- Aquaman: Lost Kingdom (2023) – Black Manta
Nicole Kidman
Nicole Kidman braucht keinen neuen Beweis ihrer Fähigkeiten. Ihre Filmografie ist ein Monument. Umso enttäuschender, dass Lost Kingdom so wenig aus ihr macht.
Einen weiteren Blick auf Superhelden-Ensembles lohnt auch der Artikel über die Besetzung von Venom – einem Franchise, das ebenfalls mit der Frage ringt, wie viel Tiefgang ein Blockbuster-Cast tragen kann.
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Das ist wohl die ehrlichste Frage – und die Antwort ist: teilweise. Die Chemie zwischen Momoa und Wilson trägt den Film über weite Strecken, und diese Dynamik macht einen Großteil des Schauwertes aus. Man glaubt ihrer Rivalität, ihrer erzwungenen Allianz, ihrer widerstrebenden Zuneigung.
Die Verbindung zwischen Arthur und Mera dagegen wirkt in diesem zweiten Teil merkwürdig distanziert – sei es durch dramaturgische Entscheidungen oder durch außerfilmische Umstände. Es fehlt die organische Wärme, die eine solche Beziehung bräuchte, um zu tragen.
Nicole Kidmans Atlanna schwebt etwas losgelöst über dem Rest des Ensembles – ein Fixstern ohne echte Gravitation zu den anderen Figuren. Das ist kein Versagen der Schauspielerin, sondern ein strukturelles Problem des Drehbuchs.
Als Ensemble hat die Besetzung von Aquaman: Lost Kingdom also durchaus Stärken – aber sie ist kein harmonisch zusammengewachsenes Gebilde, sondern eher eine Ansammlung von Einzelleistungen, die mal mehr, mal weniger miteinander in Verbindung treten.
Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
Aquaman: Lost Kingdom ist in gewissem Sinne ein Zeitdokument. Es ist ein Film, der im langen Schatten des Streaming-Kriegs und des DCEU-Reboots entstand – ein Abschlussfilm für ein Universum, das bereits wusste, dass es ersetzt werden würde. Das merkt man der Besetzung an.
Das Cast liest sich auf dem Papier repräsentativ und ambitioniert: ein Schwarzer Schauspieler als zentraler Antagonist, eine Frau in einer Kampfrolle, eine Oscar-Preisträgerin in der Mutterrolle. Aber Repräsentation, die nicht von echtem inhaltlichem Interesse getragen wird, bleibt eine Geste. Mera existiert, aber sie hat kaum Agency. Nicole Kidman ist dabei, aber sie wird kaum genutzt. Yahya Abdul-Mateen II wird ernst genommen – das ist positiv, aber auch symptomatisch: Es fällt auf, gerade weil es die Ausnahme ist.
Produktionen dieser Größenordnung stehen unter enormem Druck – kommerziell, kulturell, logistisch. Das Ergebnis ist oft ein Casting, das viele Erwartungen bedienen soll und dabei das Wesentliche aus dem Blick verliert: die erzählerische Kohärenz, die emotionale Glaubwürdigkeit, die Bereitschaft, Figuren wirklich atmen zu lassen. Aquaman: Lost Kingdom ist kein schlechter Film. Aber er ist ein Film, der sein eigenes Potential nicht ganz ausschöpft – und das beginnt bereits in der Art, wie seine Figuren konzipiert und besetzt wurden.
Das DCEU verabschiedet sich mit diesem Sequel von sich selbst. Es wäre schön gewesen, wenn dieser Abschied etwas mehr Tiefgang gehabt hätte.
Häufig gestellte Fragen
Wer sind die Hauptdarsteller der Besetzung von Aquaman: Lost Kingdom?
Die zentralen Schauspieler sind Jason Momoa als Arthur Curry / Aquaman, Patrick Wilson als Orm, Amber Heard als Mera, Yahya Abdul-Mateen II als Black Manta und Nicole Kidman als Atlanna. Dolph Lundgren ist in einer Nebenrolle als König Nereus zu sehen.
Wie überzeugt Jason Momoa in Aquaman: Lost Kingdom?
Momoa ist unbestreitbar charismatisch, aber die Rolle wiederholt Muster aus früheren Auftritten. Eine tiefere Entwicklung der Figur Arthur Curry bleibt aus. Für Fans seiner Darstellungsweise ist das ausreichend – wer mehr Nuancen sucht, findet diese eher bei Patrick Wilson.
Lohnt es sich, Aquaman: Lost Kingdom wegen der Besetzung zu schauen?
Die Dynamik zwischen Momoa und Wilson als unfreiwilliges Bruderpaar ist tatsächlich unterhaltsam und trägt den Film. Wer darüber hinaus Tiefgang erwartet, könnte enttäuscht werden – das Ensemble bietet Licht und Schatten.
Wie ist Amber Heards Rolle als Mera im Sequel?
Meras Rolle wurde gegenüber dem ersten Film deutlich reduziert. Als eigenständige Figur mit eigener Handlungskraft kommt sie kaum zum Zug, was aus repräsentativer Perspektive eine vertane Chance ist.
Gibt es eine deutsche Synchronfassung mit bekannten Sprechern?
Ja, Aquaman: Lost Kingdom verfügt über eine deutsche Synchronisation. Angaben zu den konkreten deutschen Synchronsprechern finden sich unter anderem bei der Synchronkartei.
Ist Aquaman: Lost Kingdom der letzte Film des DCEU mit dieser Besetzung?
Ja, Aquaman: Lost Kingdom gilt als einer der letzten Filme des ursprünglichen DC Extended Universe, bevor das Franchise unter James Gunn neu ausgerichtet wurde. Es ist insofern ein Abschluss für viele dieser Schauspieler in ihren jeweiligen Rollen.



