Es gibt Filme, die mit ihrem Sujet allein schon einen gewissen Anspruch formulieren. Crisis aus dem Jahr 2021, inszeniert vom Regisseur und Drehbuchautor Nicholas Jarecki, ist so ein Film. Ein Thriller-Drama über die Opioid-Krise in den USA und Kanada, über Sucht, Schmerzmittel, Pharmakonzerne und die menschlichen Kosten eines Systems, das Profit über Menschen stellt – das klingt nach ernsthafter Kinokost, nach gesellschaftlich relevantem Stoff. Die Besetzung von Crisis verspricht auf den ersten Blick viel: Gary Oldman, Armie Hammer, Evangeline Lilly, Michelle Rodriguez, Greg Kinnear, Luke Evans – Namen, die Gewicht haben. Ob dieses Gewicht tatsächlich eingelöst wird, ist eine andere Frage. Denn zwischen einem guten Cast und einem wirklich überzeugenden Ensemble liegen manchmal Welten.
Die Besetzung von Crisis – zwischen Anspruch und Konvention
Die Besetzung von Crisis ist, bei aller Offenheit gesagt, eine interessante Mischung aus kalkulierten Entscheidungen und vereinzelten überraschenden Momenten. Nicholas Jarecki hat sich für ein Parallelmontage-Konzept entschieden: Drei Handlungsstränge, drei Welten, drei Ensembles, die nur lose miteinander verbunden sind. Das hat dramaturgisch seinen Reiz – und seinen Preis.
Der Cast liest sich wie eine Ansammlung von Hollywoodgrößen, die man in einem bestimmten Jahrzehnt als bankable stars bezeichnen würde. Gary Oldman ist natürlich immer eine Entscheidung mit Substanz. Armie Hammer war zum Zeitpunkt der Produktion noch ein anderer Name als heute, aber sein Einsatz als DEA-Agent wirkt bemüht bieder. Evangeline Lilly hingegen bekommt die emotional komplexeste Rolle des Films – und tut damit mehr als erwartet.
Was frisch wirkt: Lily-Rose Depp in einer kleineren Rolle, Kid Cudi als Darsteller jenseits seiner Musikkarriere, und die Präsenz von Indio Falconer Downey. Was vorhersehbar ist: die Besetzung der klassischen Autoritätsfiguren mit älteren weißen Männern, während Frauen und People of Color in unterstützenden oder emotionalen Funktionen verbleiben. Kein explizites Versagen – aber ein Muster, das man 2021 eigentlich schon hinterfragen durfte.
Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von Bodies.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Gary Oldman | Prof. Eli Guttman | 7/10 | Überzeugend in ruhigen Momenten, gelegentlich zu theatralisch |
| Armie Hammer | Jake Kelly (DEA-Agent) | 5/10 | Solide, aber wenig Tiefe – eine Funktion mehr als ein Charakter |
| Evangeline Lilly | Claire Reimann | 7/10 | Emotional glaubwürdigste Darstellung im Film |
| Michelle Rodriguez | Rosa Amari | 6/10 | Kompetent, aber in vertrautem Terrain ohne echte Überraschungen |
| Greg Kinnear | Agent Garrett | 5/10 | Gut besetzt, aber strukturell unterentwickelt |
| Luke Evans | Brachen | 6/10 | Präsent und kontrolliert, könnte mehr aus der Rolle machen |
| Lily-Rose Depp | Emmie Guttman | 6/10 | Berührender Ansatz, der leider nicht genug Raum bekommt |
| Kid Cudi | Mikey | 5/10 | Sympathisch, ohne wirklichen Ausreißer in die eine oder andere Richtung |
| Indio Falconer Downey | Nebenrolle | 5/10 | Zu wenig Screentime für eine faire Einschätzung |
| Mia Kirshner | Nebenrolle | 6/10 | Routiniert und professionell, aber nicht in Erinnerung bleibend |
| Veronica Ferres | Nebenrolle | 5/10 | Solide Präsenz, international ungewöhnlich eingesetzt |
| Sam Worthington | Nebenrolle | 5/10 | Bekanntes Gesicht, kaum Eigenkontur |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Gary Oldman als Prof. Eli Guttman
Gary Oldman spielt in Crisis einen Universitätsprofessor, der in einen Skandal um ein Pharmaunternehmen und dessen Schmerzmittel verwickelt wird – ein Mann, der zwischen akademischer Integrität und institutionellem Druck zerrieben wird. Das ist auf dem Papier eine exzellente Rolle für Oldman, der in seiner Karriere immer wieder gezeigt hat, dass er moralisch ambivalente Figuren mit außergewöhnlicher Präzision gestalten kann.
In Crisis ist er gut – aber nicht außergewöhnlich. Seine stärksten Szenen sind jene, in denen er wenig sagt und viel trägt: ein Blick, eine Geste, die Anspannung eines Körpers, der zu viel weiß. In anderen Momenten verfällt er in einen leicht performativen Modus, der die Figur etwas aus der Realität hebt. Eli Guttman bleibt als Charakter etwas schematisch – der integre Wissenschaftler im System. Das ist kein Fehler Oldmans, sondern ein Drehbuchproblem. Jarecki schreibt Typen, keine Menschen.
Bewertung: 7/10
Armie Hammer als DEA-Agent Jake Kelly
Jake Kelly ist DEA-Agent, verdeckt ermittelnd in Drogenkreisen entlang der US-kanadischen Grenze. Eine Rolle, die dramaturgischen Zündstoff enthält: doppeltes Leben, moralische Graubereiche, persönliche Verluste. Armie Hammer spielt das mit einer gewissen kühlen Verlässlichkeit – aber ohne erkennbares emotionales Risiko.
Man merkt, dass diese Figur vor allem eine Funktion im Plot erfüllt: Sie verbindet Stränge, trägt Informationen von A nach B, steht am Ende für staatliche Handlungsfähigkeit. Als Mensch bleibt Jake Kelly seltsam leer. Hammer ist nicht schwach in der Rolle – er ist einfach nicht mutig genug, oder wurde nicht dazu ermutigt, über das Schematische hinaus zu gehen. Ein DEA-Agent als Protagonist in einem Film über die Opioid-Krise hätte das Potenzial zu einer komplexen moralischen Figur gehabt. Hier bleibt er Held kraft Berufsbezeichnung.
Bewertung: 5/10
Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von The Outsider.
Evangeline Lilly als Claire Reimann
Claire Reimann ist die interessanteste Figur in Crisis – und Evangeline Lilly ist der Grund dafür. Claire ist eine Mutter, die den Tod ihres Sohnes durch Drogenkonsum aufzuklären versucht, auf eigene Faust, mit einer Mischung aus Schmerz, Entschlossenheit und einer beinahe selbstzerstörerischen Energie. Das ist kein Action-Part. Das ist emotionale Schwerstarbeit.
Lilly, bekannt vor allem aus Lost und dem MCU, zeigt hier eine Seite, die in Hollywood oft zu wenig gefragt ist: stille Wucht. Ihre Szenen haben eine Authentizität, die den anderen Handlungssträngen fehlt. Man glaubt ihr den Verlust, man glaubt ihr die Verzweiflung, man glaubt ihr auch die fragwürdigen Entscheidungen, die daraus folgen. Wenn Crisis einen Grund hat, gesehen zu werden, dann ist es Evangeline Lilly.
Bewertung: 7/10
Michelle Rodriguez als Rosa Amari
Michelle Rodriguez ist in Hollywood zu einem Phänomen eigener Art geworden: eine Latina, die stets die toughe, physisch kompetente Frau spielt. In Crisis ist sie als Rosa Amari zu sehen – und ja, das Muster setzt sich fort. Sie ist gut. Sie ist glaubwürdig. Aber sie wiederholt sich. Man wüsste gerne, was Rodriguez in einer Rolle täte, die ihr weniger vertraute Koordinaten anbietet. Dass sie das Potenzial dazu hätte, ist kaum zu bezweifeln.
Bewertung: 6/10
Greg Kinnear und Luke Evans in weiteren Hauptrollen
Greg Kinnear als Agent Garrett und Luke Evans als Brachen sind solide, professionell, unauffällig – im besten wie im weniger erfreulichen Sinne. Kinnear bringt seinen üblichen Charme-mit-Schatten mit, Evans seine physische Präsenz. Beide bleiben in den Grenzen ihrer Figuren, die das Drehbuch leider nicht weit genug zieht.
Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
Lily-Rose Depp spielt Emmie Guttman, die Tochter von Oldmans Figur – und damit jemanden, der den menschlichen Preis der Handlungen ihres Vaters verkörpert. Ihre Szenen sind kurz, aber von einer unprätentiösen Ehrlichkeit. Wäre die Rolle größer, würde sie womöglich mehr tragen.
Kid Cudi als Mikey bringt eine Textur mit, die der Film an anderen Stellen vermisst: etwas Erdiges, Unglamouröses. Dass er kein ausgebildeter Schauspieler ist, merkt man manchmal – aber das macht seine Präsenz paradoxerweise glaubwürdiger.
Indio Falconer Downey, Sohn von Robert Downey Jr., hat zu wenig Screentime für eine tiefergehende Einschätzung. Mia Kirshner und Veronica Ferres sind professionell und unauffällig – sie füllen Raum, ohne ihn zu gestalten. Sam Worthington hat ebenfalls eine Nebenrolle, die kaum Eigenkontur entwickelt.
Was insgesamt auffällt: Die Nebenrollen in Crisis sind gut besetzt, aber oft unterentwickelt. Sie existieren, um den Hauptfiguren zu dienen, nicht um eigene Perspektiven einzubringen. Das ist eine verpasste Chance in einem Film, der thematisch so viel mehr hätte wagen können.
Einen ähnlichen Blick auf Ensembledynamik und Rollenverteilung bietet der Artikel über die Besetzung von Citadel.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
- Gary Oldman hat seit Darkest Hour (2017) und seinem Oscar eine neue Phase seiner Karriere eingeschlagen – mehr Autorität, mehr stille Präsenz, weniger Exzess. Crisis passt in dieses Bild, ohne es zu erweitern. Es ist keine Rolle, die in seiner Filmografie herausstechen wird.
- Evangeline Lilly hat mit Crisis etwas Wichtiges getan: Sie hat bewiesen, dass sie jenseits von Genre-Erwartungen bestehen kann. Ihre Rollen in Lost, im MCU als Wasp – das sind Figuren mit Funktionswert. Claire Reimann ist das erste Mal, dass sie wirklich ausbrechen darf. Das verdient Beachtung.
- Michelle Rodriguez wiederholt ein Muster, das so alt ist wie ihre Karriere: die harte Frau, latino-codiert, körperlich präsent. Man kann hoffen, dass Crisis nicht das letzte Wort in ihrer Filmografie ist – aber eine Zäsur ist es nicht.
- Armie Hammer zeigt in Crisis, unabhängig von allem, was außerhalb der Leinwand über ihn bekannt wurde, wenig von dem, was einen wirklich guten Schauspieler ausmacht: die Bereitschaft, verletzlich zu sein.
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Kurzantwort: teilweise. Das liegt strukturell am Film selbst: Drei parallele Handlungsstränge bedeuten, dass sich kein wirkliches Ensemble entwickeln kann. Die Schauspieler spielen nicht wirklich miteinander – sie spielen nebeneinander, in separaten Welten, die erst im Finale eine lose Verbindung finden.
Die Kemi innerhalb der einzelnen Stränge funktioniert unterschiedlich. Evangeline Lilly und ihre Szenenpartner haben echte Spannung. Oldman trägt seinen Strang durch schiere Präsenz. Der Hammer-Strang fühlt sich am ehesten wie ein konventioneller Thriller an – professionell, aber ohne emotionale Resonanz.
Als Ensemble im klassischen Sinne existiert Crisis kaum. Das ist eine Entscheidung – aber nicht unbedingt die stärkste.
Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
Crisis ist ein Symptom einer bestimmten Art von Filmproduktion: Man nimmt ein wichtiges gesellschaftliches Thema – hier die Opioid-Krise, Sucht, den Pharmakonzern als Antagonist –, besetzt es mit erkennbaren Namen, gibt ihm eine ernste Ästhetik und hofft, dass die Summe der Teile für Tiefe sorgt.
Das Problem ist, dass Tiefe nicht durch Casting allein entsteht. Repräsentation – etwa die Einbindung von Michelle Rodriguez als Latina, von Kid Cudi als Musiker-turned-Actor – wirkt in Crisis nicht wie eine inhaltliche Entscheidung, sondern wie eine formale. Man hat Diversität als Element verstanden, nicht als Perspektive.
In einer Zeit, in der Streaming-Kultur den Druck auf schnelle Produktionszyklen erhöht und der Begriff des „prestige drama” inflationär geworden ist, steht Crisis exemplarisch für eine bestimmte Ambivalenz: Es ist ein Film, der mehr sein will, als er ist – und der deswegen manchmal weniger ist, als er sein könnte. Das ist keine Schande. Aber es ist eine Beobachtung.
Häufig gestellte Fragen zur Besetzung von Crisis
Wer spielt in Crisis (2021) die Hauptrolle?
Die Besetzung von Crisis umfasst Gary Oldman, Armie Hammer und Evangeline Lilly als Hauptdarsteller. Gary Oldman spielt den Universitätsprofessor Eli Guttman, Armie Hammer den DEA-Agenten Jake Kelly und Evangeline Lilly die Mutter Claire Reimann, die den Tod ihres Sohnes aufklären will.
Wie überzeugend ist Gary Oldman in Crisis?
Oldman ist solide und in vielen Momenten sehr präsent – aber die Rolle gibt ihm nicht genug Raum, um wirklich zu glänzen. Das Drehbuch zeichnet eher Typen als dreidimensionale Menschen. Eine gute, keine außergewöhnliche Leistung.
Ist Evangeline Lilly in Crisis sehenswert?
Ja, absolut. Evangeline Lilly ist das emotionale Zentrum des Films und liefert die stärkste Leistung der gesamten Besetzung. Wer ihre schauspielerische Bandbreite bisher unterschätzt hat, sollte Crisis genau deshalb sehen.
Lohnt sich Crisis insgesamt als Film?
Crisis ist ein ambitionierter Thriller mit gesellschaftlichem Anspruch und einem starken Cast. Er ist solide gemacht, streckenweise wirklich berührend – leidet aber an einem zu schematischen Drehbuch und einer Parallelmontage, die Tiefe verhindert. Für Fans des Genres und der Besetzung einen Blick wert, ohne ein Meisterwerk zu sein.
Hat Lily-Rose Depp eine größere Rolle in Crisis?
Nein, ihre Rolle als Emmie Guttman ist vergleichsweise klein. Sie macht das Beste daraus, bekommt aber zu wenig Screentime für eine wirklich profilierte Leistung.
Was verrät die Besetzung von Crisis über den Film?
Die Besetzung von Crisis zeigt einen Film mit hohem Anspruch und klaren kommerziellen Instinkten. Die Kombination aus Oldman, Hammer und Lilly ist kein Zufall – sie positioniert den Film als ernstes Drama für ein erwachsenes Publikum. Ob der Cast vollständig ausgeschöpft wird, ist eine andere Frage.



