Es gibt Filme, die einem das Gefühl geben, man hätte sie schon gesehen, bevor man sie gesehen hat. The Adam Project, der 2022 auf Netflix erschienene Science-Fiction-Actionfilm unter der Regie von Shawn Levy, ist so ein Film. Die Handlung dreht sich um den Zeitreisenden Adam Reed, der in die Vergangenheit zurückkehrt und dabei auf sein jüngeres Ich trifft – ein Konzept, das ebenso viel emotionales Potential wie Klischeerisiko birgt. Was den Film jedoch von ähnlichen Produktionen abhebt – oder zumindest abheben könnte – ist seine Besetzung. Die Besetzung von The Adam Project ist, um es vorsichtig zu sagen, ein sorgfältig zusammengesetztes Ensemble aus großen Namen, soliden Talenten und einigen verpassten Chancen. Ob das eine Stärke oder eine Schwäche ist, darüber lässt sich trefflich streiten.
Die Besetzung von The Adam Project – zwischen Anspruch und Konvention
Wenn man sich die Besetzungsliste von The Adam Project anschaut, fällt zunächst auf, wie bewusst das Studio auf bewährte Namen gesetzt hat. Ryan Reynolds als charismatischer Held, Mark Ruffalo als nachdenklicher Vater, Jennifer Garner als liebevolle Mutter, Zoe Saldana als starke Frau an der Seite des Protagonisten – das klingt nach einem hochwertig produzierten Netflix-Mainstream-Film, und das ist es auch. Shawn Levy, der bereits mit Reynolds in Free Guy zusammengearbeitet hat, vertraut seiner bekannten Formel: Wit trifft auf Herz, Spektakel trifft auf emotionale Familiendynamik.
Was überrascht, ist die Entscheidung, den jungen Adam mit dem bis dahin weitgehend unbekannten Walker Scobell zu besetzen. Das ist vielleicht der mutigste Casting-Entscheid des gesamten Films. Und er zahlt sich aus. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob das Drehbuch den ambitionierteren Darsteller:innen – insbesondere Catherine Keener als Antagonistin – wirklich den Raum lässt, den sie verdienen. Die Antwort ist leider eher nein.
Insgesamt wirkt die Besetzung von The Adam Project wie ein gut durchdachter Marketingplan: beruhigend vertraut, gelegentlich überraschend, selten wirklich risikobereit. Das ist nicht zwingend schlecht – aber es ist ein Statement über den Zustand des Streaming-Kinos anno 2022.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Ryan Reynolds | Adam Reed (erwachsen) | 6/10 | Charmant und routiniert, aber kaum über seinen eigenen Markenkern hinausgehend |
| Walker Scobell | Adam Reed (jung, 12 Jahre) | 8/10 | Frische, überzeugend natürliche Leistung – die eigentliche Entdeckung des Films |
| Mark Ruffalo | Louis Reed | 7/10 | Warmherzig und nuanciert, trägt die emotionalsten Szenen mit Würde |
| Jennifer Garner | Ellie Reed | 6/10 | Solide, aber die Rolle bleibt strukturell unterentwickelt |
| Zoe Saldana | Laura Shane | 6/10 | Präsenz und Überzeugungskraft vorhanden, jedoch zu wenig Screentime für echte Tiefe |
| Catherine Keener | Maya Sorian | 5/10 | Talentiert, aber von einem flachen Drehbuch eingeschränkt |
| Alex Mallari Jr. | Christos | 4/10 | Erfüllt seine Funktion, bleibt jedoch blasse Kulissenfigur |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Ryan Reynolds als Adam Reed (erwachsen)
Ryan Reynolds spielt in The Adam Project genau das, was man von Ryan Reynolds erwartet: einen sarkastischen, selbstironischen Helden mit Herz unter der coolen Fassade. Das ist sein Markenkern, seine Filmographie – von Deadpool bis Free Guy – beweist es eindrucksvoll. Und es funktioniert. Innerhalb der Genregrenzen des Abenteuerfilms liefert er eine solide, unterhaltsame Leistung ab.
Das Problem ist nur: Man wartet vergeblich auf den Moment, in dem Reynolds eine Schicht unter dieser Oberfläche preisgibt. Die emotionalen Szenen – insbesondere mit Mark Ruffalo – funktionieren, weil Ruffalo sie trägt. Reynolds darf dort teilnehmen, aber die schwere Arbeit übernimmt er selten. Als Darsteller ist er zweifellos professionell und kommerziell wirksam. Als Figur bleibt Adam Reed erwachsen eine etwas zu bekannte Konstruktion.
Bewertung: 6/10
Walker Scobell als Adam Reed (jung)
Hier passiert tatsächlich etwas Bemerkenswertes. Walker Scobell, der in The Adam Project sein Leinwanddebüt gibt, spielt den zwölfjährigen Adam mit einer Mischung aus echtem Humor, Verletzlichkeit und einem bemerkenswert natürlichen Timing. Er ahmt Reynolds’ Manierismen nach – das gehört zur Rolle – ohne dabei je aufgesetzt zu wirken. Im Gegenteil: Seine Version von Adam wirkt oft lebendiger und authentischer als die des erwachsenen Originals.
Das ist der Kern der Besetzung von The Adam Project, und er hält. Scobell ist kein Wunderkind im kitschigen Sinne – er ist ein Jugendlicher, der eine komplexe emotionale Reise durchmacht, und man glaubt ihm jede Minute davon. Kein Wunder, dass er unmittelbar nach dem Filmstart für weitere Produktionen gecastet wurde.
Bewertung: 8/10
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Mark Ruffalo als Louis Reed
Mark Ruffalo ist in The Adam Project das emotionale Herzstück. Er spielt Louis Reed, den verstorbenen Vater von Adam – und er tut das mit einer Stille und Wärme, die dem Film seinen tiefsten Moment schenkt. Ruffalo hat die seltene Fähigkeit, Verlust und Freude gleichzeitig zu verkörpern, ohne dass es je melodramatisch wirkt.
Gerade in den Szenen mit beiden Adam-Darstellern – Reynolds und Scobell – entfaltet sich eine Dynamik, die das Beste aus allen drei Schauspieler:innen herausholt. Es ist kein Zufall, dass die bewegendsten Szenen des Films jene sind, in denen Ruffalo im Mittelpunkt steht. Seine Rolle mag strukturell begrenzt sein, aber er füllt jeden Moment mit Substanz.
Bewertung: 7/10
Jennifer Garner als Ellie Reed
Jennifer Garner ist eine Schauspielerin, die in einer Nebenrolle wie dieser leicht übersehen wird – was symptomatisch ist für ein grundsätzlicheres Problem der Produktion. Ihre Figur Ellie, die trauernde und kämpfende Mutter, ist menschlich glaubwürdig und Garner bringt ihr eine echte Wärme entgegen. Aber das Drehbuch schenkt ihr kaum eigenständige Entwicklung.
Ellie Reed existiert vorwiegend in Relation zu den männlichen Figuren – als Mutter, als Erinnerung, als emotionaler Anker. Das ist eine in Mainstream-Produktionen erschreckend häufige Konstruktion, und man muss fragen, ob das im Jahr 2022 wirklich notwendig war. Garner macht das Beste daraus. Mehr war ihr schlicht nicht gegeben.
Bewertung: 6/10
Zoe Saldana als Laura Shane
Zoe Saldana hat eine natürliche screen presence, die selbst schwachen Rollen Gewicht verleiht. In The Adam Project spielt sie Laura Shane, Adams Partnerin aus der Zukunft – eine Figur mit interessantem Potential, die leider chronisch unterentwickelt bleibt. Saldana kämpft mit einem Drehbuch, das ihre Figur mehr als Symbol denn als Person behandelt.
Es ist frustrierend, eine Darstellerin dieser Klasse in einer Rolle zu sehen, die vor allem dazu dient, emotionale Reaktionen beim Protagonisten auszulösen. Saldana trägt die Szenen mit Energie und Überzeugung – aber die Geschichte schreibt Laura Shane nicht das Kapitel, das sie verdienen würde.
Bewertung: 6/10
Einen ähnlichen Blick auf Ensembles großer Action- und Science-Fiction-Produktionen bietet auch der Artikel über die Besetzung von The Gray Man.
Catherine Keener als Maya Sorian
Catherine Keener ist eine der interessantesten Charakterdarstellerinnen ihrer Generation. Dass sie hier eine digitale Verjüngungstechnik über sich ergehen lassen muss, sagt vielleicht mehr über Produktionsprioritäten aus als über ihre Eignung für die Rolle. Als Antagonistin Maya Sorian verfügt sie über alle Voraussetzungen, eine wirklich bedrohliche, vielschichtige Gegenspielerin zu sein.
Stattdessen bleibt sie in den engen Grenzen eines Science-Fiction-Bösewichts gefangen, der mehr Funktion als Figur ist. Keener tut, was sie kann – und man spürt, dass da mehr wäre, wenn das Drehbuch es zuließe. Eine verschenkte Chance, die symptomatisch für die Grenzen des Films insgesamt ist.
Bewertung: 5/10
Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
Alex Mallari Jr. als Christos, Sorians Vollstrecker, bleibt eine typische Henchman-Figur: funktional, wenig charakterisiert, rasch vergessen. Seine Rolle in der Besetzung von The Adam Project illustriert ein grundsätzliches Problem des Films: Figuren außerhalb des Familienkerns werden als Mechanismen eingesetzt, nicht als Menschen.
Das ist schade, denn gerade ein Film, der thematisch von Zeitreise, Verlust und familiären Bindungen handelt, hätte von einer reicheren Nebenfigurenlandschaft profitiert. Wenn die Antagonisten keine überzeugenden Motivationen haben, reduziert sich der Konflikt auf eine Abfolge von Actionsequenzen – unterhaltsam, aber letztlich oberflächlich.
Die eigentliche Stärke der Nebenrollen liegt in den kleinen Momenten: eine Geste von Jennifer Garner, ein Blick von Mark Ruffalo. Es sind die Zwischenräume, die The Adam Project gelegentlich über sich selbst hinauswachsen lassen.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
Die Filmographien der beteiligten Darsteller:innen erzählen unterschiedliche Geschichten – nicht nur über ihre Karrieren, sondern auch über den Spielraum, den ihnen The Adam Project lässt oder verweigert.
Ryan Reynolds
- Van Wilder – frühe Hauptrolle, Fundament des komödiantischen Markenkerns
- Deadpool – globales Phänomen, Charme als Schutzschild, Witz als Waffe
- Free Guy – Zusammenarbeit mit Shawn Levy, Fortführung der etablierten Formel
- The Adam Project – Fortsetzung derselben Linie, keine künstlerische Umorientierung
Mark Ruffalo
- Spotlight – Tiefe und Ernsthaftigkeit, Bereitschaft zur Entwicklung
- I Know This Much Is True – komplexe Charakterstudie, bewusstes Qualitätsstreben
- The Adam Project – begrenzter Auftritt, aber jeder Moment mit Substanz gefüllt
Zoe Saldana
- Avatar – Franchise-Ikone, aber auch Schablone
- Guardians of the Galaxy – weitere Festigung im Action-Science-Fiction-Bereich
- The Adam Project – keine Befreiung aus den bekannten Mustern
Walker Scobell
- The Adam Project – Leinwanddebüt, sofortige Aufmerksamkeit, Ausgangspunkt einer Karriere, die man beobachten wird
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Bedingt – mit einem deutlichen Vorbehalt.
Die Chemie zwischen Walker Scobell und Ryan Reynolds ist das Herzstück des Films und funktioniert überraschend gut. Die Ähnlichkeit der beiden – sowohl physisch als auch in der komödiantischen Energie – ist überzeugend, und die Dynamik zwischen dem zynischen Erwachsenen und dem verletzlichen Kind trägt den Film durch seine schwächeren Momente.
Die Beziehung zwischen Reynolds und Ruffalo gewinnt ebenfalls an Glaubwürdigkeit – vor allem, weil Ruffalo die Last des emotionalen Gewichts trägt und Reynolds zulässt, davon berührt zu werden. Weniger überzeugend ist die Liebesgeschichte zwischen Reynolds und Saldana, die trotz guter Einzelleistungen nie die Tiefe erreicht, die sie bräuchte, um wirklich zu bewegen.
Als Ensemble funktioniert die Besetzung von The Adam Project in den familiären Kernmomenten. In den weiteren Schichten verliert das Gefüge an Kohärenz.
Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
The Adam Project ist ein Produkt seiner Zeit – und das ist sowohl Kompliment als auch Kritik. Netflix hat hier massiv in einen Film investiert, der das Streaming-Publikum emotional abholen soll: vertraute Gesichter, warme Familienthemen, spektakuläre Actionsequenzen. Der Cast ist kein Zufall, er ist Strategie.
Das ist nicht per se falsch. Aber es wirft die Frage auf, was wir von Mainstream-Produktionen erwarten dürfen und was wir erwarten sollten. Die Besetzung von The Adam Project enthält talentierte Menschen – Keener, Ruffalo, Saldana – die unter anderen Produktionsbedingungen tiefere, eigenständigere Figuren hätten formen können. Stattdessen dienen sie einem Gesamtbild, das primär auf emotionale Wirksamkeit und globale Marktfähigkeit ausgerichtet ist.
Repräsentation – Frauen in Hauptrollen, diverse Besetzungen – wird als Qualitätsmerkmal gehandelt, aber Repräsentation allein schafft keine Charaktertiefe. Laura Shane und Ellie Reed sind diverse und sympathische Figuren, aber sie sind keine vollständig gedachten Personen. Das ist die eigentliche Grenze dieser Produktion: Sie ist gut genug, um zu unterhalten, aber nicht mutig genug, um wirklich zu bewegen.
Shawn Levy ist ein Handwerker im besten Sinne – präzise, verlässlich, effizient. Aber Handwerk allein ist noch kein Kunstwerk.
Einen vergleichbaren Blick auf kalkuliertes Casting im modernen Actionkino lohnt auch der Artikel über die Besetzung von Venom.
Häufig gestellte Fragen zur Besetzung von The Adam Project
Wer spielt in The Adam Project die Hauptrolle?
Ryan Reynolds spielt den erwachsenen Adam Reed, den Zeitreisenden, der im Mittelpunkt der Handlung steht. Den jungen Adam Reed im Alter von zwölf Jahren verkörpert Walker Scobell.
Wer spielt den Vater in The Adam Project?
Mark Ruffalo spielt Louis Reed, den verstorbenen Vater von Adam. Seine Figur ist das emotionale Zentrum des Films und liefert einige der stärksten Szenen der Produktion.
Ist die Besetzung von The Adam Project sehenswert?
Für Fans des Genres und der beteiligten Schauspieler:innen – ja. Wer tiefgründige Charakterstudien oder unerwartete Casting-Entscheidungen sucht, wird eher enttäuscht werden. Walker Scobell ist die eigentliche Entdeckung.
Warum wirkt die Besetzung von The Adam Project so vertraut?
Weil sie es ist. Shawn Levy und Ryan Reynolds haben bereits in Free Guy zusammengearbeitet, und Netflix setzt bewusst auf erprobte Namen und Gesichter. Das minimiert das Risiko – aber auch die Überraschung.
Wie gut ist Catherine Keener als Antagonistin?
Keener ist eine exzellente Darstellerin, die hier von einem zu wenig ausgearbeiteten Drehbuch eingeschränkt wird. Ihre Figur hat Potential, aber der Film nutzt es nicht vollständig aus.
Lohnt sich The Adam Project trotz der Schwächen in der Besetzung?
Als kurzweiliger Science-Fiction-Abenteuerfilm mit emotionalen Momenten – ja. Als filmkünstlerisches Erlebnis mit komplexen Figuren und überraschenden Darstellerleistungen – nur bedingt.



