Es gibt Filme, die sich trauen, das Unbehagliche ins Zentrum zu stellen. Untreu (Originaltitel: Unfaithful), das US-amerikanische Ehedrama von Regisseur Adrian Lyne aus dem Jahr 2002, ist einer davon. Die Geschichte um die verheiratete Connie Sumner, die eine leidenschaftliche Affäre mit dem jungen Pariser Paul Martel beginnt, während ihr Ehemann Edward im Unklaren bleibt, hat damals durchaus für Aufsehen gesorgt – nicht zuletzt wegen seiner Besetzung. Der Film, produziert von Fox mit einer Laufzeit von rund 124 Minuten und einer FSK-Freigabe ab 12 Jahren, basiert auf einem Drehbuch von Alvin Sargent und William Broyles Jr. und wurde in Originalsprache Englisch gedreht.
Doch wie so oft bei Hollywoodproduktionen lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Was bedeuten die Castingentscheidungen für die erzählte Geschichte? Wer trägt die Handlung wirklich? Und wo bleibt die Besetzung von Untreu hinter ihrem Anspruch zurück?
Die Besetzung von Untreu – zwischen Anspruch und Konvention
Wenn man die Besetzung von Untreu betrachtet, fällt zunächst auf, wie kalkuliert die Zusammenstellung wirkt. Zwei etablierte Hollywoodstars – Diane Lane und Richard Gere – als Ehepaar, ergänzt durch den damals noch relativ unbekannten französischen Schauspieler Olivier Martinez als Verführer. Das klingt nach einem Konzept, das im Entwicklungsraum einer Studioproduktion entstanden ist: Ein Thriller braucht Glamour, ein Drama braucht Bekanntheit, und eine Affäre braucht Exotik.
Das Ergebnis ist nicht ohne Qualität – aber auch nicht frei von Vorhersehbarkeit. Die Castingentscheidungen folgen einer Logik, die mehr dem Marketingbedürfnis als dem erzählerischen Mut verpflichtet ist. Diane Lane bringt trotzdem etwas Unerwartetes mit: eine Verletzlichkeit, die nicht gespielt wirkt, sondern echt. Richard Gere hingegen bleibt in einer Rolle gefangen, die ihm auf den Leib geschrieben scheint – zu sehr. Und Martinez? Er funktioniert. Aber er hätte auch ein Drehbuchklischee sein können.
Was frisch wirkt, ist die Entscheidung, die moralische Komplexität nicht aufzulösen. Was vorhersehbar bleibt, ist das Casting selbst.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Diane Lane | Connie Sumner | 8/10 | Nuanciert und mutig – trägt den Film |
| Richard Gere | Edward Sumner | 5/10 | Solide, aber zu vertraut in seiner Haltung |
| Olivier Martinez | Paul Martel | 6/10 | Charismatisch, doch bleibt oberflächlich |
| Erik Per Sullivan | Chad Sumner | 5/10 | Funktional, wenig Raum für Entwicklung |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Diane Lane als Connie Sumner
Diane Lane spielt Connie Sumner, die Ehefrau und Mutter, die sich in eine leidenschaftliche und selbstzerstörerische Affäre einlässt. Was Lane hier leistet, ist bemerkenswert und verdient tatsächlich Anerkennung, die nicht reflexartig vergeben werden sollte: Sie zeigt eine Frau, die keine Opferrolle beansprucht und keine Heldin sein will. Connies Schuldgefühle, ihre körperliche Aufgewühltheit, ihre erschreckende Freude – Lane spielt all das mit einer Körperlichkeit und Präsenz, die selten so konsequent umgesetzt wird.
Besonders die Szene im Zug, kurz nach einer Begegnung mit Paul Martel, in der Connie zwischen Erinnerung, Scham und Begehren oszilliert, ist eine der stärksten schauspielerischen Leistungen des Films. Lane erhielt dafür zu Recht den Filmpreis – eine der wenigen Situationen, in denen Hollywoodanerkennung und tatsächliche Qualität übereinstimmen.
Dennoch: Auch Connies Charakter bleibt an manchen Stellen in Schablonen verhaftet. Die liebende Mutter, die verzweifelte Geliebte, die schuldbewusste Ehefrau – Lane versucht, diese Kategorien aufzubrechen, und gelingt das oft. Manchmal aber lässt das Drehbuch sie nicht weit genug gehen.
Bewertung: 8/10
Richard Gere als Edward Sumner
Richard Gere spielt Edward Sumner, den betrogenen Ehemann, der am Ende zu einer drastischen Tat greift. Es ist eine schwierige Rolle, weil Edward lange Zeit nur Reaktionsfläche ist – ein Ehemann, der funktioniert, liebt, nicht sieht. Gere ist ein routinierter Schauspieler mit unbestreitbarer Leinwandpräsenz, aber genau diese Routine ist hier das Problem.
Edward Sumner hätte ein Charakter sein können, der wirklich unter die Haut geht: ein Mann, dessen Kontrolle und Besonnenheit zerbrechen. Gere zeigt diesen Bruch – aber er zeigt ihn behutsam, fast elegant. Das ist vielleicht ehrlich für die Figur, aber es erzeugt eine seltsame Distanz. Man beobachtet Edward, anstatt ihn zu fühlen.
Für ein Ehedrama, das auf psychologischer Tiefe bestehen will, ist das eine merkliche Schwäche. Typecasting ist nicht immer eine Schwäche – manchmal ist es Effizienz. Hier aber wirkt es wie eine verpasste Chance.
Bewertung: 5/10
Olivier Martinez als Paul Martel
Olivier Martinez bringt als Paul Martel das mit, was das Drehbuch von ihm verlangt: Attraktivität, eine gewisse Lässigkeit, einen Hauch von Geheimnis. Der in Paris geborene Schauspieler besitzt eine physische Präsenz, die für die Rolle funktioniert. Paul Martel ist der Fremde, der das Begehren weckt – eine Figur, die in ihrer Funktion für die Handlung völlig klar ist.
Das ist vielleicht das eigentliche Problem: Paul bleibt eine Funktion. Er ist der Katalysator, der das Eheleben der Sumners erschüttert, aber eine eigene Innenwelt entwickelt er kaum. Warum interessiert er sich für Connie? Was treibt ihn an? Das Drehbuch gibt wenig Antworten, und Martinez füllt die Leerstellen nicht von sich aus auf.
Als Darsteller ist er kompetent. Als Charakter ist Paul Martel letztlich das Klischee des verführerischen Anderen – und die Besetzung mit Martinez verstärkt dieses Klischee eher, als dass sie es hinterfragt.
Bewertung: 6/10
Erik Per Sullivan als Chad Sumner
Erik Per Sullivan spielt Chad Sumner, den Sohn des Ehepaars. Die Rolle ist begrenzt – Chad ist weniger Charakter als Symbol für das, was auf dem Spiel steht. Sullivan, der damals vor allem durch seine Rolle in Malcolm in the Middle bekannt war, liefert eine anständige Leistung im Rahmen des Möglichen. Aber die Figur selbst ist so dünn geschrieben, dass es kaum möglich ist, sich ein Bild von ihm zu machen, das über „das Kind” hinausgeht.
In einem Film, der vorgibt, familiäre Bindungen ernst zu nehmen, ist das eine symptomatische Schwäche. Chad existiert, um die Konsequenzen zu illustrieren – er darf sie aber nicht miterleben, mitfühlen oder mitgestalten.
Bewertung: 5/10
Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
Untreu konzentriert sich stark auf das Dreieck Connie–Edward–Paul. Die Nebenrollen – darunter Connies Freundinnen und Bekannte sowie Pauls Umfeld – bleiben deutlich im Hintergrund und erfüllen vor allem atmosphärische Funktionen.
Das ist eine dramaturgische Entscheidung, die Konsequenzen hat: Ohne ein lebendiges Umfeld wirkt das zentrale Dreieck noch stärker wie ein Vakuum. Man fragt sich unwillkürlich, ob Connie Freundinnen hat, die sie wirklich kennen. Ob Edward Kollegen hat, die ihn stützen. Antworten gibt der Film darauf kaum.
Es ist diese Reduktion auf das Wesentliche, die Untreu sowohl stark als auch eingeschränkt macht: stark in seiner emotionalen Konzentration, eingeschränkt in seinem Weltbild.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
Diane Lane
Diane Lane hat sich in ihrer Karriere konsequent um Rollen bemüht, die Komplexität tragen können. Das ist erkennbar und es zahlt sich hier aus. Typecasting ist bei ihr weniger das Problem; eher das fehlende Angebot in einer Branche, die Frauen in ihrer Karrieremitte kaum interessante Rollen zutraut.
- Rumble Fish (1983)
- A Walk on the Moon (1999)
- Untreu (2002)
Richard Gere
Richard Gere bewegt sich in seiner Filmografie seit den 1990ern in einem komfortablen Korridor: der attraktive, charismatische, leicht geheimnisvolle Mann mittleren Alters. Untreu bietet ihm die Möglichkeit, dieses Muster zu brechen. Ob er sie nutzt, bleibt diskutabel.
- Pretty Woman
- Primal Fear
- Chicago
- Untreu (2002)
Olivier Martinez
Olivier Martinez ist in seiner Filmografie oft in ähnlichen Rollen zu finden – der attraktive Europäer, der in amerikanischen Produktionen als exotisches Element funktioniert. Das ist ein unangenehmes Muster, das mehr über Hollywood als über ihn aussagt.
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Die Chemie zwischen Diane Lane und Olivier Martinez funktioniert – und das ist entscheidend. Ohne überzeugend vermittelte Anziehungskraft wäre die gesamte Handlung ein Konstrukt, das sich selbst auflöst. Dass man Connies Entscheidungen nachvollziehen kann, auch wenn man sie nicht teilt, liegt zu einem großen Teil an dieser Chemie.
Die Beziehung zwischen Lane und Gere ist dagegen interessant auf eine andere Art: Sie wirkt wie eine Ehe, die schon lange läuft. Vertraut, aber auch leicht müde. Das ist realistisch – möglicherweise zu realistisch für eine dramatisch aufgeladene Erzählung. Die Spannung zwischen den beiden entsteht fast ausschließlich durch externe Ereignisse, nicht durch ihre eigene Dynamik.
Als Ensemble funktioniert die Besetzung von Untreu bedingt. Es gibt Momente, die überzeugen. Aber es gibt auch zu viele Momente, in denen man die Risse zwischen den Darstellern mehr spürt als die Verbindung.
Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
Untreu ist ein Film aus dem Jahr 2002 – und er trägt die Handschrift seiner Entstehungszeit. Die Besetzung folgt einer Logik, die man als „bankable cast” bezeichnen könnte: Stars, die Publikum anziehen, in Rollen, die keine allzu großen Risiken eingehen. Das ist kein Angriff – es ist eine Feststellung.
Heute, in einer Streaming-Kultur, in der Produktionspres und Markenbekanntheit die Castingentscheidungen mehr denn je beeinflussen, hat sich dieses Muster eher verschärft als aufgeweicht. Repräsentation wird diskutiert, aber oft bleibt sie kosmetisch. Authentizität wird gefordert, aber nur so weit, wie es der Markt verträgt.
Untreu hätte ein Film sein können, der die Innenwelt einer Frau jenseits von Stereotypen erkundet. Diane Lane versucht das – und gelingt es oft. Aber das Casting um sie herum, die Struktur der Geschichte, die Rollen, die andere spielen dürfen oder nicht, zeigen, dass Anspruch und Realität im Kino noch immer weiter auseinanderliegen, als wir uns eingestehen möchten.
Häufig gestellte Fragen zur Besetzung von Untreu
Wer spielt in Untreu die Hauptrolle?
Die Hauptrolle der Connie Sumner wird von Diane Lane gespielt. Ihre Leistung gilt als das schauspielerische Herzstück des Films und brachte ihr mehrere Auszeichnungen ein.
Wer ist der Darsteller von Paul Martel in Untreu?
Den verführerischen Paul Martel spielt der französische Schauspieler Olivier Martinez. Er bringt physische Präsenz in die Rolle, ohne dem Charakter jedoch große psychologische Tiefe zu verleihen.
Wie wird Richard Geres Leistung in Untreu bewertet?
Gere ist solide, bleibt aber in einem ihm vertrauten Schauspielkorridor. Die Rolle des Edward Sumner hätte mehr Risikobereitschaft vertragen, die ihm das Drehbuch nicht wirklich abfordert.
Lohnt sich Untreu seines Casts wegen?
Primär ja – wegen Diane Lane. Ihre Performance allein macht den Film sehenswert. Das restliche Cast ergänzt sie kompetent, ohne sie wirklich herauszufordern.
Gibt es eine deutsche Synchronisation von Untreu?
Ja. Untreu erschien auf Deutsch mit einer deutschen Synchronisation, die in der Synchronkartei dokumentiert ist. Die Originalsprache des Films ist Englisch.
Wo kann man Untreu heute streamen oder schauen?
Der Film ist auf verschiedenen Plattformen verfügbar, unter anderem über Apple TV. Aktuelle Streaming-Verfügbarkeit kann sich je nach Anbieter und Region ändern.



