Departed – unter Feinden ist so ein Film, den man kennt, bevor man ihn gesehen hat. Martin Scorseses Oscar-gekröntes Crime-Drama aus dem Jahr 2006 gehört zu jenen Produktionen, bei denen schon das Casting eine Aussage ist – eine Aussage über Hollywood, über Männlichkeit, über das, was wir von einem Gangsterdrama erwarten. Das Remake des Hongkonger Thrillers Infernal Affairs verlegt die Geschichte ins Boston der Gegenwart: Ein Polizist arbeitet undercover in der irisch-amerikanischen Mafia, während ein Gangster gleichzeitig die Polizei unterwandert. Zwei Männer, zwei Lügen, eine Stadt, die beide zu verschlucken droht.
Das Drehbuch von William Monahan ist komplex, die Regie von Scorsese ist meisterhaft – und das Ensemble ist… nun ja. Eindrucksvoll auf dem Papier, stellenweise wirklich stark auf der Leinwand, aber auch nicht ohne Brüche. Wer genauer hinschaut, erkennt hinter der Starpower auch die Muster, die dieses Genre so verlässlich reproduziert: Die Männer kämpfen, zweifeln, sterben. Die Frau existiert. Dazu später mehr.
Die Besetzung von Departed – unter Feinden – zwischen Anspruch und Konvention
Die Besetzung von Departed – unter Feinden liest sich wie ein Who’s Who des amerikanischen Kinos Mitte der 2000er Jahre. Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Alec Baldwin, Vera Farmiga, Ray Winstone – Warner Bros. hat hier offensichtlich nicht gespart. Das Ergebnis ist ein Ensemble, das auf vielen Ebenen funktioniert, das aber auch einige strukturelle Fragen aufwirft.
Was frisch wirkt: DiCaprios Entscheidung, gegen sein Image zu spielen, und Wahlbergs rohe Kantigkeit. Was vorhersehbar ist: Nicholson als karikaturhafter Bösewicht, Damon als aalglatter Karrierist. Was fehlt: Tiefe jenseits der männlichen Protagonisten, Repräsentation jenseits der Tokenrolle, eine weibliche Figur, die mehr ist als Spiegelung.
Das soll nicht heißen, dass diese Besetzung schlecht ist – sie ist teilweise brillant. Aber sie ist auch ein Dokument ihrer Zeit und ihrer Produktionslogik. Ein Film, der mit seinem Anspruch auf Komplexität wirbt, hätte im Casting noch einen Schritt weiter gehen können.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Leonardo DiCaprio | Billy Costigan | 8/10 | Körperlich und emotional präsent – eine der stärksten Leistungen seiner Karriere zu diesem Zeitpunkt |
| Matt Damon | Colin Sullivan | 7/10 | Kühl, kontrolliert, glaubwürdig oberflächlich – das ist mehr Kunst als es aussieht |
| Jack Nicholson | Frank Costello | 5/10 | Charismatisch, aber oft zu groß gespielt – Theatralik statt Bedrohung |
| Mark Wahlberg | Dignam | 7/10 | Roh, präzise, überraschend nuanciert – der heimliche Gewinner des Ensembles |
| Martin Sheen | Queenan | 6/10 | Würdevoll und glaubwürdig, aber strukturell wenig Raum für Entwicklung |
| Vera Farmiga | Madolyn | 5/10 | Kompetent gespielt, aber die Rolle selbst ist das eigentliche Problem |
| Alec Baldwin | Ellerby | 6/10 | Komödiantisch-autoritär – funktioniert als Kontrapunkt, bleibt aber Randfigur |
| Ray Winstone | Mr. French | 5/10 | Solide als Schläger und Vertrauter Costellos, aber kaum mehr als Funktion |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Leonardo DiCaprio als Billy Costigan
Billy Costigan ist der emotionale Kern des Films. Ein Polizist, der so tief undercover geht, dass er sich selbst zu verlieren droht – und DiCaprio spielt das mit einer Intensität, die man ihm damals noch nicht in diesem Maße zugetraut hatte. Er ist nervös, angreifbar, manchmal nahe am Zusammenbruch. Das ist keine Heldengeschichte, sondern eine Zerreibungsgeschichte, und DiCaprio versteht das.
Was besonders auffällt: Er verlässt sich nicht auf seine Schönheit oder seinen Star-Status. Die Figur ist zerrissen, körperlich gezeichnet, emotional instabil – und das wirkt organisch, nicht konstruiert. DiCaprio war zu diesem Zeitpunkt gerade dabei, sich von seinem Image als romantischer Jüngling zu lösen, und Departed ist ein wichtiger Schritt in dieser Transformation. Dass er für diese Leistung keinen Oscar bekam (der Film gewann in der Kategorie Bester Film, aber nicht für Hauptdarsteller), sagt vielleicht mehr über die Academy als über seine Arbeit.
Bewertung: 8/10
Matt Damon als Colin Sullivan
Colin Sullivan ist der Gegenentwurf zu Costigan: glatt, ehrgeizig, perfekt angepasst. Matt Damon spielt diese Figur mit einer kühlen Kontrolle, die man leicht unterschätzen kann. Sullivan ist kein laut böser Mensch – er ist jemand, der sich selbst davon überzeugt hat, dass er nur das Spiel spielt, das alle spielen. Diese Art von moralischer Selbstanästhesie ist schwieriger zu spielen als offene Skrupellosigkeit.
Damon macht das gut. Vielleicht zu gut – denn Sullivan wirkt manchmal so kompetent und undurchdringlich, dass er als Figur weniger interessant ist als Costigan. Aber das ist wohl auch die Absicht. Als Ensemble-Pendant zu DiCaprios Zerrissenheit funktioniert Damons Kälte sehr gut.
Bewertung: 7/10
Mehr über ähnlich besetzte Produktionen findet sich im Artikel über die Besetzung von Bad Boys for Life.
Jack Nicholson als Frank Costello
Hier wird es kompliziert. Jack Nicholson als irisch-amerikanischer Mafia-Boss Frank Costello ist auf eine bestimmte Art unvermeidlich – und das ist zugleich sein größtes Problem. Nicholson spielt Costello groß, laut, exzentrisch. Manche Szenen sind elektrisierend. Andere sind so sehr Jack Nicholson spielt einen Bösewicht, dass die Figur selbst dahinter verschwindet.
Was fehlt, ist die leisere Bedrohlichkeit, die einen wirklichen Gangster-Chef überzeugend machen würde. Costello ist eher eine Performance als ein Mensch. Das ist unterhaltsam, aber nicht unbedingt das, was ein Drama dieser Ambition bräuchte. Scorsese lässt Nicholson viel Raum – vielleicht zu viel.
Bewertung: 5/10
Mark Wahlberg als Dignam
Und dann ist da Dignam. Mark Wahlberg spielt den zynischen, rauen Sergeant mit einer Energie, die den Film immer wieder aus dem Gleichgewicht bringt – im besten Sinne. Dignam ist wütend, direkt, unberechenbar, und Wahlberg gibt ihm eine Körperlichkeit und einen Rhythmus, der sich von allen anderen Figuren unterscheidet.
Was überrascht: Wahlberg wurde für diese Nebenrolle für den Oscar nominiert, und man versteht warum. Es ist eine scheinbar kleine Rolle, die aber den Ton des gesamten Films mitprägt. Wahlberg, selbst aus Boston, bringt eine Authentizität mit, die man spürt – und die die Frage aufwirft, warum die Hauptrollen nicht stärker mit regionaler Verankerung besetzt wurden.
Bewertung: 7/10
Vera Farmiga als Madolyn
Hier ist der Punkt, an dem die analytische Brille unvermeidlich etwas trüber wird. Vera Farmiga ist eine exzellente Schauspielerin – das zeigt sie in jeder Szene. Aber Madolyn ist als Figur strukturell unterentwickelt. Sie ist Psychiaterin, sie ist Freundin von Sullivan und gleichzeitig involviert mit Costigan – und damit vor allem: Schnittstelle zwischen zwei Männern. Ihre Innenperspektive, ihre eigene Entscheidungslogik, ihr emotionales Erleben dieser Situation bleiben weitgehend im Dunkeln.
Farmiga macht das Beste aus einer Rolle, die das Drehbuch von William Monahan offensichtlich als Verbindungselement konzipiert hat, nicht als eigenständige Figur. Das ist ein Versäumnis des Films, nicht der Schauspielerin. Und es ist ein Versäumnis, das man 2006 vielleicht noch weniger thematisiert hat als heute.
Bewertung: 5/10 – für die Schauspielerin; die Rollenkonstruktion verdiente weniger.
Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
Martin Sheen als Captain Queenan ist die moralische Gravitationskraft des Films – eine Vaterfigur für Costigan, ruhig, prinzipientreu, tragisch. Sheen bringt Würde in eine Rolle, die ohne ihn leicht zur Chiffre werden könnte. Er ist nicht die lauteste Figur, aber er gibt dem Film eine emotionale Verankerung.
Alec Baldwin als Captain Ellerby ist eine andere Art von Funktion: Er bringt Komödie in ein Drama, das sie braucht, ohne sie einzufordern. Baldwin versteht, wie man eine Szene kippt – er ist laut, selbstgefällig, absurd autoritär, und er tut das mit einer Leichtigkeit, die zeigt, warum er komödiantisch unterschätzt wird.
Ray Winstone als Mr. French, Costellos Schläger und Vertrauter, ist solide und präzise – aber er ist auch eine Figur, die kaum über ihre Funktion hinausgeht. Er ist Bedrohung, er ist Loyalität, er ist Körper. Mehr nicht. Das sagt weniger über Winstone als über die Tiefe, die das Drehbuch für diese Ebene reserviert hat.
Wer sich für weitere Ensembles mit ähnlicher Schichtung interessiert, findet im Artikel über die Besetzung der Rocky-Filmreihe eine vergleichbare Analyse von Haupt- und Nebenrollen.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
Ein Blick auf die Filmografien der Hauptdarsteller ist aufschlussreich. Leonardo DiCaprio war 2006 mitten in einer bewussten Neuerfindung: Nach Gangs of New York und The Aviator (beides Scorsese-Kollaborationen) ist Departed der Film, der zeigt, dass diese Partnerschaft künstlerisch fruchtbar ist. DiCaprio wiederholt keine Muster, er entwickelt sie.
- Gangs of New York (2002) – erste Zusammenarbeit mit Scorsese
- The Aviator (2004) – zweite Scorsese-Kollaboration, erste große Oscar-Debatte
- Departed – unter Feinden (2006) – Konsolidierung als dramatischer Hauptdarsteller
Matt Damon bewegt sich zu diesem Zeitpunkt zwischen Action (Bourne-Franchise) und Drama – Departed ist für ihn eine Gelegenheit, gegen sein Actionhelden-Image zu spielen. Das gelingt.
Jack Nicholson ist das komplexeste Beispiel. Man kann argumentieren, dass er seit As Good as It Gets (1997) im Wesentlichen Variationen desselben Typus spielt: den exzentrischen, charmanten, leicht bedrohlichen Mann. Costello ist eine weitere Variation. Das ist Typecasting im edlen Gewand.
Mark Wahlberg, selbst aus der Bostonter Arbeiterklasse stammend, macht hier etwas Interessantes: Er kehrt zu seinem Ursprung zurück, ohne nostalgisch zu werden. Das gibt Dignam eine Erdung, die anderen Figuren fehlt.
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Ja – aber ungleichmäßig. Die Dynamik zwischen DiCaprio und Damon funktioniert gut, auch wenn sie kaum direkte Szenen miteinander haben: Ihre parallelen Narrative erzeugen eine Spannung, die die Struktur des Films trägt. Die Szenen zwischen DiCaprio und Sheen haben emotionale Wärme. Nicholson und Winstone als Paar der Bedrohung sind effektiv, wenn auch stilistisch gelegentlich überladen.
Was weniger funktioniert: die Verbindung über Farmiga. Dass Costigan und Sullivan dieselbe Frau kennen, ist als dramaturgisches Mittel nachvollziehbar – aber es fühlt sich an wie ein Zufallsgenerator für Komplikationen, nicht wie eine organische Beziehungskonstellation. Die Chemie zwischen Farmiga und DiCaprio ist vorhanden; die zwischen Farmiga und Damon bleibt merkwürdig steril.
Das Ensemble als Ganzes ist stark genug, um den Film zu tragen – aber es ist kein Ensemble im klassischen Sinne, bei dem alle Teile gleichwertig sind. Es ist eine Pyramide mit DiCaprio an der Spitze und verschiedenen Schichten darunter.
Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
Departed – unter Feinden wurde 2006 produziert, einem Moment, in dem Hollywood gerade anfing, sich selbst ernster zu nehmen – oder zumindest so zu tun. Der Film gewann vier Oscars, darunter Bester Film und Beste Regie. Er gilt als Comeback von Scorsese im Mainstream-Bewusstsein.
Aber wenn man heute auf die Besetzung schaut, sieht man auch: ein Film mit acht männlichen Hauptrollen und einer Frau. Ein Film, der Komplexität durch Struktur und Stil behauptet, aber in der Repräsentation konventionell bleibt. Ein Film, in dem Boston als Stadt sichtbar ist, aber vor allem als weißer, irisch-amerikanischer Männerraum.
In der aktuellen Streaming-Kultur, in der Produktionspressung und Diversity-Checkboxen oft gleichzeitig wirken, würde dieser Film wahrscheinlich eine Frau mehr bekommen – aber nicht unbedingt eine besser geschriebene. Das ist das eigentliche Problem: Repräsentation und realer Inhalt sind nicht dasselbe. Departed ist ehrlich in seiner Eindimensionalität. Was es nicht ist, ist vollständig in seiner Menschlichkeit.
Das Casting von Warner Bros. war strategisch – und es hat funktioniert. Fünf A-List-Stars, ein Kultregisseur, ein bewährtes Remake-Konzept aus Infernal Affairs. Das Ergebnis ist ein großartiger Film. Aber er hätte auch ein vollständigerer sein können.
Einen weiteren Blick auf das Kino der 2000er und aktuelle Produktionen bietet der Artikel über die besten Filme 2026.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt in Departed – unter Feinden die Hauptrollen?
Die Hauptrollen in der Besetzung von Departed – unter Feinden übernehmen Leonardo DiCaprio als undercover ermittelnder Polizist Billy Costigan, Matt Damon als eingeschleuster Gangster Colin Sullivan und Jack Nicholson als Mafia-Boss Frank Costello. Ebenfalls zentral: Mark Wahlberg, Martin Sheen, Vera Farmiga, Alec Baldwin und Ray Winstone.
Wer hat Regie bei Departed – unter Feinden geführt?
Regie führte Martin Scorsese. Das Drehbuch schrieb William Monahan – basierend auf dem Hongkonger Original Infernal Affairs. Der Film erschien 2006 bei Warner Bros.
Ist Leonardo DiCaprios Leistung in Departed wirklich so gut, wie behauptet wird?
Ja, weitgehend. DiCaprios Darstellung des zerrissenen Undercoveragenten ist eine der körperlich und emotional präzisesten seiner Karriere zu diesem Zeitpunkt. Er gewann dafür keinen Oscar – was für viele Kritiker bis heute ein Versäumnis der Academy darstellt.
Warum wurde Mark Wahlberg für den Oscar nominiert?
Wahlbergs Rolle als Sergeant Dignam ist zwar eine Nebenrolle, aber eine mit ungewöhnlicher Energie und Authentizität. Wahlberg selbst stammt aus Boston und gibt der Figur eine regionale Glaubwürdigkeit, die sich von den anderen Darstellern abhebt.
Ist Vera Farmiga in Departed – unter Feinden gut besetzt?
Farmiga spielt die Rolle der Madolyn kompetent und überzeugend – das Problem liegt weniger bei ihr als bei der Figur selbst, die strukturell unterentwickelt ist und vor allem als Verbindungselement zwischen den männlichen Protagonisten fungiert.
Lohnt es sich, Departed – unter Feinden heute noch zu schauen?
Ja – als Thriller, als Ensemblefilm und als Zeitdokument des amerikanischen Kinos der 2000er Jahre ist der Film nach wie vor sehenswert. Wer ihn mit einem kritischen Blick auf Repräsentation und Rollenkonstruktion schaut, wird allerdings auch die blinden Flecken des Films erkennen – was das Sehvergnügen nicht mindert, aber ergänzt.



