Es gibt Serien, die behaupten, das Leben von Frauen authentisch zu zeigen – und dann gibt es Workin’ Moms. Die kanadische Comedy-Drama-Serie, erschaffen von Catherine Reitman, dreht sich um eine Gruppe von Müttern, die nach der Elternzeit ins Berufsleben zurückkehren und dabei versuchen, irgendwie nicht vollständig am Wahnsinn des modernen Alltags zu zerbrechen. Das Konzept klingt nach genau dem, was das Fernsehen seit Jahren verspricht und selten einlöst: ehrliche Darstellungen von Frauen jenseits des Mutter-Heiligen-Klischees.
Ob die Besetzung von Workin’ Moms diesem Anspruch gerecht wird – das ist eine Frage, die sich beim näheren Hinsehen als durchaus komplex erweist. Das Cast rühmt sich einiger wirklich interessanter Entscheidungen, bleibt aber an anderen Stellen erstaunlich konventionell. Ein Blick auf die Workin’ Moms Schauspieler lohnt sich – nicht nur als Fan, sondern als jemand, der sich fragt, was diese Serie eigentlich über unsere Erwartungen an Mutterschaft, Weiblichkeit und Repräsentation erzählt.
Die Besetzung von Workin’ Moms – zwischen Anspruch und Konvention
Die Workin’ Moms Besetzung ist in vielerlei Hinsicht das Herzstück der Serie. Was auf den ersten Blick wie ein solides Ensemble aus hauptsächlich weißen, urbanen, gut situierten Müttern wirkt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ein Konstrukt, das bewusst Reibungspunkte eingebaut hat – aber nicht immer die Konsequenz aufbringt, diese wirklich auszureizen.
Catherine Reitman hat sich nicht nur als Schöpferin der Serie einen Namen gemacht, sondern spielt auch die Hauptrolle – ein Doppelmandat, das Vor- und Nachteile mit sich bringt. Das Casting wirkt stellenweise wie ein Projekt unter Freunden: vertraut, kompetent, aber gelegentlich auch zu bequem. Die stärksten Momente entstehen dort, wo das Ensemble sich wirklich aufeinander einlässt, wo die Chemie zwischen den Figuren organisch wirkt und nicht wie eine dramaturgische Konstruktion.
Was frisch wirkt: Die Serie traut sich, Figuren zu zeigen, die keine einfachen Antworten haben – Mütter, die ihre Kinder lieben und gleichzeitig ihre Karriere, die Sex wollen und gleichzeitig schlafen möchten. Das ist mehr als viele vergleichbare Produktionen leisten. Was vorhersehbar bleibt: Die Besetzung folgt einem relativ engen soziodemografischen Muster. Die Welt von Workin’ Moms ist eine der oberen Mittelschicht, und das Cast spiegelt das wider – mit allen Implikationen.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Catherine Reitman | Kate Foster | 8/10 | Energetisch und vielschichtig – aber manchmal zu sehr auf Sympathie ausgelegt |
| Dani Kind | Anne Carlson | 8/10 | Die eigentliche Entdeckung des Casts – trocken, präzise, überraschend berührend |
| Juno Rinaldi | Frankie Coyne | 7/10 | Authentische emotionale Tiefe, gelegentlich in Klischees gefangen |
| Jessalyn Wanlim | Jenny Matthews | 6/10 | Interessante Figur mit Entwicklungspotenzial, das nicht immer ausgeschöpft wird |
| Philip Spensley | Nathan Foster | 6/10 | Solide, aber die Figur bleibt oft im Schatten der Protagonistinnen |
| Ryan Belleville | Ian Matthews | 5/10 | Funktioniert als komödiantisches Element, bleibt aber flach |
| Dennis Andres | Lionel Carlson | 6/10 | Charmant besetzt, aber unterentwickelt als Figur |
| Ennis Esmer | Richard Coyne | 7/10 | Einer der wenigen männlichen Charaktere mit echtem Gewicht |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Catherine Reitman als Kate Foster
Kate Foster ist das Zentrum der Serie – PR-Frau, Mutter, Ehefrau, und chronisch überfordert auf eine Art, die das Drehbuch als sympathisch inszeniert. Reitman spielt ihre eigene Figur mit einer Energie, die bisweilen mitreißend ist, aber auch den Verdacht nährt, dass hier Autorin und Schauspielerin zu sehr verschmelzen. Kate ist selten wirklich unangenehm, selten wirklich falsch – und das ist das Problem. Eine Figur, die so im Mittelpunkt steht, bräuchte mehr harte Kanten.
Was Reitman gelingt: Sie macht die innere Zerrissenheit ihrer Figur spürbar, ohne dabei ins Melodramatische zu kippen. Die Szenen, in denen Kate zwischen beruflichem Ehrgeiz und mütterlicher Schuldgefühlsspirale pendelt, sind die stärksten der Serie. Es ist ein Spiel, das die Schöpferin der Serie aus einer privilegierten Position heraus betreibt – und das ist sowohl Stärke als auch blinder Fleck.
Bewertung: 8/10
Dani Kind als Anne Carlson
Wenn man ehrlich ist: Dani Kind ist der heimliche Star der Workin’ Moms Besetzung. Anne Carlson, Psychiaterin und Mutter von vier Kindern, ist die Figur, die am konsequentesten gegen das Klischee der perfekten Mutter arbeitet. Kind spielt sie mit einer trocken-zynischen Qualität, die gleichzeitig komisch und zutiefst menschlich ist.
Was an dieser Leistung besonders auffällt: Kind verwaltet die Widersprüche ihrer Figur, ohne sie aufzulösen. Anne ist fachlich brillant und privat ein kleines Chaos – und das wirkt nie aufgesetzt. Hier entsteht tatsächlich das, was man von einer feministisch ambitionierten Serie erhofft: eine Frau, die komplex ist, ohne dafür bestraft zu werden.
Bewertung: 8/10
Einen ähnlich analytischen Blick auf ein anderes Ensemble lohnt sich beim Lesen des Artikels über die Besetzung von Frasier.
Juno Rinaldi als Frankie Coyne
Frankie ist die emotionalste Figur der Gruppe – und damit auch die anfälligste für Klischees. Juno Rinaldi navigiert ihre Darstellung mit spürbarer Sensibilität und schafft es, Frankie als verletzlich und gleichzeitig widerstandsfähig zu zeigen. Die Handlungsstränge rund um psychische Gesundheit, die die Figur durchzieht, werden dabei mit einer Ernsthaftigkeit behandelt, die man nicht immer in Comedyformaten findet.
Dennoch bleibt die Figur gelegentlich in einem Muster gefangen: Frankie ist die, die leidet, die sucht, die zweifelt. Das hat Tiefe – aber auch eine Tendenz zur Eindimensionalität, wenn andere Aspekte der Figur zugunsten des Dramas zurücktreten.
Bewertung: 7/10
Jessalyn Wanlim als Jenny Matthews
Jenny ist in mehrfacher Hinsicht die interessanteste Besetzungsentscheidung der Serie. Als eine der wenigen Figuren of Color in der Hauptgruppe trägt sie die – manchmal unbewusste – Erwartung des Ensembles, Repräsentation zu leisten. Wanlim spielt sie mit Präzision und Humor, aber die Figur bleibt über weite Strecken eine Reaktion auf die anderen Charaktere, kein eigenständiger Mittelpunkt.
Das ist kein Versagen der Schauspielerin – es ist eine strukturelle Entscheidung, die man kritisch befragen sollte. Jenny verdient mehr Raum, und wenn die Serie ihn ihr gibt, weiß Wanlim damit umzugehen.
Bewertung: 6/10
Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
Die Workin’ Moms Rollen in den Nebenplots folgen einem Muster, das in Ensembleserien häufig vorkommt: Sie dienen in erster Linie dazu, die Hauptfiguren zu spiegeln oder voranzutreiben. Das ist keine Kritik an den Schauspielern, sondern eine Beobachtung über die Schreibweise.
Ennis Esmer als Richard Coyne sticht dabei positiv heraus. Er bringt eine Wärme und Komik in die Serie, die nicht auf Kosten der Ernsthaftigkeit der Figur geht. Richard ist einer der wenigen männlichen Charaktere, der tatsächlich als vollständiger Mensch konzipiert wirkt – was in einer Serie über Mütter leider keine Selbstverständlichkeit ist.
Philip Spensley als Nathan Foster und Ryan Belleville als Ian Matthews hingegen bleiben deutlich blasser. Beide Figuren funktionieren als Requisiten des häuslichen Lebens ihrer Partnerinnen, aber selten als autonome Charaktere. Das ist dramaturgisch legitim – stellt aber auch eine verpasste Chance dar.
Die Figur des Lionel Carlson (Dennis Andres) zeigt, was möglich wäre: charmant besetzt, mit gelegentlichen Momenten echter Präsenz, aber strukturell zu wenig ausgebaut.
Wer sich für Casting-Entscheidungen in familienorientierten Produktionen interessiert, findet weitere Perspektiven im Artikel über die Besetzung von Eine zauberhafte Nanny 2.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
Die Frage nach dem Typecasting ist bei der Workin’ Moms Besetzung durchaus relevant. Catherine Reitman hat vor ihrer Arbeit an der Serie in erster Linie Gastrollen in nordamerikanischen Produktionen übernommen – Workin’ Moms ist ihr konsequentester und persönlichster Schritt als Performerin. Das merkt man der Rolle an.
- Catherine Reitman: Verschiedene Gastrollen in nordamerikanischen Produktionen vor Workin’ Moms; die Serie ist ihr bislang konsequentester Auftritt als Darstellerin.
- Dani Kind: Verschiedene kanadische Produktionen vor Workin’ Moms; die Serie stellt für sie einen deutlichen Durchbruch in der Sichtbarkeit dar.
- Juno Rinaldi: Tätig in kanadischen und amerikanischen TV-Produktionen; Workin’ Moms entfaltet eine emotionale Bandbreite, die frühere Arbeiten nur andeuteten.
Was beunruhigt: Keine der Figuren scheint wirklich aus ihrer Komfortzone getrieben zu werden. Die Rollen sind maßgeschneidert – was organisch wirkt, aber auch das Risiko echten Scheiterns eliminiert.
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Kurze Antwort: Ja – und das ist das überzeugendste Argument für die Serie. Der Workin’ Moms Cast entwickelt über mehrere Staffeln hinweg eine Vertrautheit, die sich auf die Zuschauenden überträgt. Die vier Hauptdarstellerinnen wirken wie Menschen, die sich wirklich kennen – oder zumindest wie Schauspielerinnen, die verstanden haben, wie man Vertrautheit glaubwürdig simuliert.
Die Chemie zwischen Reitman und Kind ist dabei besonders stark: ein Wechselspiel aus gegenseitiger Irritation und echter Zuneigung, das die Freundschaft der Figuren trägt. Frankie und Jenny funktionieren als Ergänzungen zu diesem Kern, nicht immer als gleichberechtigte Elemente – was die Ensemble-Balance gelegentlich aus dem Gleichgewicht bringt.
Die männlichen Charaktere integrieren sich nur bedingt ins Ensemble. Das mag intentional sein – die Serie ist explizit über Frauen und für Frauen gemacht –, aber es hinterlässt den Eindruck, dass die Beziehungen zwischen Müttern und ihren Partnern mehr Tiefe vertragen könnten.
Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
Workin’ Moms ist ein Produkt seiner Zeit – und das ist sowohl Kompliment als auch Einschränkung. Die Serie entstand in einer Ära, in der Streaming-Dienste und Netzwerke massiv in „weibliche Perspektiven” investierten: GLOW, Fleabag, The Marvelous Mrs. Maisel – das Interesse an komplexen Frauenfiguren war kommerziell opportun geworden.
Die Besetzung von Workin’ Moms spiegelt diesen Kontext. Sie ist diverser als das kanadische Fernsehen der Nullerjahre, aber weniger divers als die Serie gelegentlich glauben machen möchte. Die Repräsentation queerer Lebensrealitäten – durch Frankies Figur – ist ernsthafter als in vergleichbaren Formaten, bleibt aber innerhalb eines recht gesicherten Rahmens.
Was die Serie besser macht als viele ihrer Konkurrentinnen: Sie fragt nicht danach, ob Mutterschaft erfüllend oder einschränkend ist – sie behauptet, dass sie beides gleichzeitig sein kann. Und sie findet in ihrer Besetzung Menschen, die diese Ambivalenz verkörpern können. Das ist nicht nichts. Es ist vielleicht sogar mehr als genug.
Ob die Besetzungsentscheidungen dabei immer von künstlerischer Überzeugung geleitet wurden oder von dem strategischen Wunsch, eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen, lässt sich von außen schwer beurteilen. Wahrscheinlich beides. Wie fast immer.
Einen verwandten gesellschaftlichen Blickwinkel bietet der Artikel darüber, warum Frauen zwischen 35 und 45 ihr Leben gerade neu erfinden – ein Thema, das die Welt von Workin’ Moms auf vielen Ebenen berührt.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt in Workin’ Moms die Hauptrolle?
Die Hauptrolle der Kate Foster wird von Catherine Reitman gespielt, die auch die Schöpferin und Showrunnerin der Serie ist. Sie ist damit die zentrale Figur sowohl vor als auch hinter der Kamera.
Wer ist die stärkste Schauspielerin in der Workin’ Moms Besetzung?
Aus analytischer Sicht sticht Dani Kind als Anne Carlson hervor. Sie verleiht ihrer Figur eine unaufgeregte Komplexität, die die Serie in ihren besten Momenten definiert.
Wie gut ist der Workin’ Moms Cast insgesamt?
Der Cast funktioniert als Ensemble solide und entwickelt über die Staffeln hinweg eine spürbare Vertrautheit. Einzelne Nebenrollen bleiben unterentwickelt, die vier Hauptdarstellerinnen überzeugen aber durchgehend.
Lohnt sich Workin’ Moms als Serie für Fans feministischer Unterhaltung?
Mit Einschränkungen: Ja. Die Serie ist ehrlicher als viele vergleichbare Formate, bleibt aber innerhalb eines relativ bürgerlichen, westlichen Blicks auf Mutterschaft. Wer nach radikal neuen Perspektiven sucht, wird partiell enttäuscht – wer nach gut gespielter, nachdenklicher Unterhaltung sucht, wird fündig.
Gibt es stereotype Charaktere in Workin’ Moms?
Ja, gelegentlich. Besonders die männlichen Nebenfiguren tendieren dazu, als Funktionsträger im Leben der Hauptfiguren zu agieren, ohne eigenständige Tiefe zu entwickeln. Auch Frankie Coynes Figur gerät manchmal in das Muster der „leidenden Suchenden”.
Wie viele Staffeln hat Workin’ Moms und entwickelt sich die Besetzung weiter?
Die Serie umfasst sieben Staffeln. Die Besetzung entwickelt sich im Verlauf der Serie erkennbar weiter – die Figuren werden reicher und die Schauspielerinnen sichtlich sicherer in ihren Rollen. Das ist eine der echten Stärken einer langen Laufzeit.



