BlitzHeute ist werbefinanziert, und alle Inhalte auf der Website sind als Werbung zu betrachten.

Besetzung von Das Wunder

Besetzung von Das Wunder

Es gibt Filme, die sich ihre Stille erkämpfen müssen. Das Wunder (The Wonder, 2022) ist so einer. Basierend auf Emma Donoghues gleichnamigem Roman aus dem Jahr 2016, inszeniert vom chilenischen Regisseur Sebastián Lelio und veröffentlicht auf Netflix, spielt der Film im Irland des Jahres 1862 – und erzählt von Anna O’Donnell, einem Mädchen, das angeblich seit Monaten nichts gegessen hat und trotzdem lebt. Eine englische Krankenschwester, Lib Wright, wird entsandt, um das Phänomen zu beobachten und zu beurteilen. Was folgt, ist kein einfaches Wunder-Spektakel, sondern ein psychologisch dichtes historisches Drama über Glauben, Kontrolle, weibliche Körper und die Gewalt des Schweigens.

Die Besetzung von Das Wunder ist dabei ein interessantes Studienobjekt: Sie kombiniert etablierte britische Charakterdarsteller mit einem jungen irischen Entdeckungstalent und einer Hauptdarstellerin, die gerade auf dem Höhepunkt ihrer Popularität steht. Das klingt vielversprechend – und ist es in Teilen auch. Aber es stellen sich Fragen: Wie viel davon ist künstlerisch motiviert, wie viel ist Streaming-Logik?

Die Besetzung von Das Wunder – zwischen Anspruch und Konvention

Wenn man sich die Besetzung von Das Wunder genauer ansieht, fällt zunächst auf, wie bewusst sie zusammengestellt wirkt – im besten wie im kritischeren Sinne. Florence Pugh als Lib Wright ist eine Wahl, die auf den ersten Blick kalkuliert erscheint: eine der meistdiskutierten Schauspielerinnen ihrer Generation, Netflix-kompatibel, pressetauglich, mit einem Gesicht, das Algorithmen und Feuilletons gleichermaßen bedient. Und doch wäre es ungerecht, dabei stehen zu bleiben.

Was den Cast von Das Wunder von reinem Starpower-Kino unterscheidet, ist die Kombination mit Darstellern wie Toby Jones und Niamh Algar, die nicht für Glamour stehen, sondern für Substanz. Kíla Lord Cassidy als Anna O’Donnell ist die eigentliche Überraschung – eine junge Irin, die eine der schwierigsten Rollen des Films trägt, ohne je in Kitsch oder Berechnung zu verfallen. Elaine Cassidy in einer Nebenrolle schließt den Kreis ins irische Schauspielkino.

Das Ensemble ist insgesamt stark, aber nicht makellos. Einige Figuren bleiben funktional, wo sie komplex sein könnten. Und die Frage, ob das historische Drama wirklich von innen heraus mit irischen Stimmen besetzt ist oder ob es die anglozentristische Perspektive der Romanvorlage schlicht reproduziert, ist eine, die sich die Produktion hätte stärker stellen müssen.

Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von Das Wunder von Manhattan.

Tabelle der Besetzung mit Bewertung

Schauspieler Rolle Bewertung Kommentar
Florence Pugh Lib Wright 7/10 Kontrolliert, präzise – manchmal fast zu beherrscht für den emotionalen Kern der Figur
Kíla Lord Cassidy Anna O’Donnell 8/10 Die stärkste Leistung des Films – still, rätselhaft, erschütternd authentisch
Tom Burke Will Byrne 6/10 Solide, aber die Romanzenebene bleibt unterentwickelt
Toby Jones Dr. McBrearty 7/10 Meisterhaft in seiner gedämpften Ambivalenz – ein Charakter zwischen Mitschuld und Verblendung
Niamh Algar Sister Michael 6/10 Gut besetzt, aber die Figur bleibt in ihrer Funktion gefangen
Elaine Cassidy Rosaleen O’Donnell 6/10 Eindringlich in wenigen Szenen, könnte mehr Raum vertragen

Die Hauptdarsteller im Fokus

Florence Pugh als Lib Wright

Florence Pugh spielt Lib Wright, die englische Krankenschwester, die nach Irland reist, um das fastende Mädchen Anna O’Donnell zu beobachten. Sie ist Rationalistin in einer Welt voller Glaubenssätze, Außenseiterin in einem fremden Land, und Frau in einem System, das ihr wenig Macht zugesteht und trotzdem ihre Expertise einfordert.

Pughs Stärke liegt in ihrer körperlichen Präsenz und ihrer Fähigkeit, Zurückhaltung als dramatisches Mittel zu nutzen. Sie übertreibt nie – und das ist sowohl ihre größte Stärke als auch, in einigen entscheidenden Momenten, ihre Grenze. Wenn Lib Wright bricht, wenn die Fassade der rationalen Beobachterin reißt, erwartet man eine Eruption, bekommt aber eher einen kontrollierten Riss. Das ist eine legitime Interpretation – aber es lässt Momente, die brennen könnten, auf kleiner Flamme köcheln.

Was Pugh zweifellos gelingt: die Darstellung einer Frau, die gelernt hat, ihre Emotionen zu instrumentalisieren, um in einer patriarchalen Struktur überhaupt gehört zu werden. Das ist subtil und klug gespielt – und in der feministischen Lesart des Films absolut zentral.

Bewertung: 7/10

Kíla Lord Cassidy als Anna O’Donnell

Wenn man die Besetzung von Das Wunder auf eine einzige Entscheidung reduzieren müsste, die den Film trägt oder scheitern lässt, dann ist es die Wahl von Kíla Lord Cassidy für die Rolle der Anna O’Donnell. Das fastende Mädchen ist keine einfache Figur: Sie ist gleichzeitig Opfer, Gläubige, Kind und Trägerin eines Geheimnisses. Sie darf nicht einfach süß sein. Sie darf nicht einfach leiden. Sie muss beides enthalten – und noch mehr.

Cassidy trägt das mit einer Reife, die man bei einer so jungen Darstellerin nicht selbstverständlich erwarten kann. Ihre Augen erzählen eine Geschichte, die der Text nur andeutet. Es gibt Szenen, in denen sie nichts sagt und trotzdem der dramatische Mittelpunkt des Raumes ist. Das ist keine Technik – das ist Präsenz.

Interessant ist auch, dass Cassidy eine echte irische Stimme in einem Film mitbringt, der ansonsten stark vom anglofonen Starkino geprägt wird. Diese Authentizität ist spürbar.

Bewertung: 8/10

Tom Burke als Will Byrne

Tom Burke spielt Will Byrne, einen Journalisten, der ebenfalls nach Irland gereist ist, um über Anna zu berichten – und der in eine emotionale Verbindung mit Lib Wright gerät. Es ist eine Rolle, die dem Film eine romantische Note gibt, die nicht immer organisch wirkt.

Burke ist ein verlässlicher Charakterdarsteller, bekannt unter anderem aus Strike (BBC). Er bringt Erdigkeit und eine gewisse unaufgeregte Männlichkeit mit – das Gegenteil von Hochglanz. Das passt zum Tonfall des Films. Trotzdem bleibt Will Byrne eine Figur, die mehr als Funktion denn als vollentwickelter Mensch existiert. Seine Beziehung zu Lib Wright fühlt sich an wie ein Zugeständnis an Genrekonventionen – ein emotionaler Anker für das Publikum, der nicht ganz verdient ist.

Bewertung: 6/10

Toby Jones als Dr. McBrearty

Toby Jones gehört zu den verlässlichsten britischen Charakterdarstellern seiner Generation – und in Das Wunder zeigt er, warum. Dr. McBrearty ist eine Figur, die man leicht als bequemen Antagonisten hätte anlegen können: den selbstgefälligen Arzt, der lieber an ein Wunder glaubt als die Wahrheit auszuhalten. Jones spielt ihn komplexer.

McBrearty ist kein Bösewicht. Er ist ein Mann, der wirklich glaubt – oder der sich nicht traut, nicht zu glauben. Diese Ambivalenz ist subtil und präzise gespielt. Jones vermeidet jeden Moment der Karikatur. Das ist handwerklich bemerkenswert.

Bewertung: 7/10

Mehr zum Thema Besetzung finden Sie auch im Artikel über die Besetzung von Das Blaue Licht (2010).

Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik

Niamh Algar als Sister Michael und Elaine Cassidy als Rosaleen O’Donnell, Annas Mutter, sind zwei Rollen, die für den emotionalen und ideologischen Haushalt des Films wesentlich sind – aber beide kämpfen gegen die strukturelle Begrenztheit ihrer Drehbuchpräsenz.

Niamh Algar, bekannt aus Raised by Wolves und Calm with Horses, ist eine Darstellerin mit Biss und Intelligenz. Sister Michael ist die institutionelle Repräsentantin des Glaubens – kühl, loyal, nicht ohne eigene Zweifel. Algar spielt das glaubwürdig, aber die Figur bleibt in ihrer Funktion stecken. Man wünscht sich mehr Szenen, in denen das Drehbuch ihr erlaubt, aus dem Schema herauszutreten.

Elaine Cassidy als Mutter Anna O’Donnells bringt etwas Schmerzhaftes in den Film: die Komplizität des Schweigens. Es gibt Momente, in denen ihr Gesicht mehr erzählt als der Dialog. Dass sie nicht mehr Screentime hat, ist einer der echten dramaturgischen Verluste des Films.

Die Nebenrollen insgesamt funktionieren als Spiegel der sozialen Strukturen, die der Film analysiert – Kirche, Medizin, Familie, Presse. Sie sind gut besetzt, aber das Drehbuch lässt sie selten über ihre symbolische Funktion hinauswachsen.

Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?

Florence Pugh

  • Lady Macbeth (2016)
  • Midsommar (2019)
  • Black Widow
  • Oppenheimer
  • Das Wunder (2022)

Florence Pugh hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Karriere gebaut. Sie ist keine Darstellerin, die sich in einem Fach einrichten lässt. Und doch fällt auf, dass sie häufig Figuren spielt, die Kontrolle als Überlebensstrategie einsetzen – Lib Wright fügt sich in dieses Muster. Das ist keine Kritik an ihrer Kunst, eher eine Beobachtung über die Rollen, die ihr angeboten werden oder die sie wählt. Typecasting ist das falsche Wort – aber eine gewisse thematische Gravitationskraft existiert.

Tom Burke

  • Strike (BBC)
  • Das Wunder (2022)

Tom Burke ist ein Schauspieler, dem man mehr zentrale Rollen wünscht. Er besitzt eine Natürlichkeit, die viele seiner prominenteren Kollegen nicht haben. In Das Wunder wird er nicht vollständig eingesetzt.

Kíla Lord Cassidy

  • Das Wunder (2022)

Kíla Lord Cassidy ist die interessanteste Karriere, die man im Blick behalten sollte. Das Wunder könnte der Film sein, auf den man später zurückblickt und sagt: Da war sie zum ersten Mal wirklich sichtbar.

Toby Jones

  • Das Wunder (2022)

Toby Jones ist das Paradebeispiel des unterschätzten Charakterdarstellers – immer verlässlich, selten im Mittelpunkt. Seine Filmografie ist ein stilles Meisterwerk der Nebenrollen.

Einen ähnlichen Blick auf klassische Ensembles bietet auch der Artikel über die Besetzung von Das Fliegende Klassenzimmer (1954).

Funktioniert die Besetzung als Ensemble?

Das ist die ehrlichste Frage, die man über die Besetzung von Das Wunder stellen kann – und die Antwort ist: teilweise.

Zwischen Florence Pugh und Kíla Lord Cassidy funktioniert das Ensemble am besten. Ihre gemeinsamen Szenen tragen den Film. Die Spannung zwischen der rationalen Beobachterin und dem rätselhaften Kind ist nicht nur dramaturgisch interessant, sondern auch spielerisch echt. Hier stimmt die Chemie.

Die Nebenbeziehungen sind weniger überzeugend. Die Romanze zwischen Lib Wright und Will Byrne – gespielt von Pugh und Tom Burke – fühlt sich nicht organisch entwickelt an, sondern wie ein dramaturgisches Pflaster auf einer Erzählung, die eigentlich kein romantisches Subplot braucht. Das ist nicht unbedingt ein Castingproblem – es ist ein Drehbuchproblem, das sich auf das Ensemble auswirkt.

Die sozialen Dynamiken zwischen den irischen Dorfbewohnern, der Kirche, dem medizinischen Establishment und den englischen Außenseiterinnen sind gut eingefangen – aber manchmal wirkt das Ensemble eher wie ein Tableau historischer Repräsentation als wie eine Gemeinschaft von Menschen mit echter gegenseitiger Geschichte.

Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät

Das Wunder ist ein Netflix-Film mit Festival-Ambitionen und Streaming-Logik. Das ist keine Verurteilung – aber es ist ein Kontext, der sichtbar ist.

Die Entscheidung, Florence Pugh ins Zentrum zu stellen, ist eine, die sich auf mehreren Ebenen lohnt: Sie ist eine ernsthafte Schauspielerin, und sie ist gleichzeitig ein globales Marketinginstrument. Beides ist wahr. Die Frage ist, ob das eine das andere kompromittiert – und in Das Wunder lautet die Antwort: kaum. Pugh ist gut. Aber die Tatsache, dass Kíla Lord Cassidy die stärkste Leistung des Films abliefert und trotzdem nicht als das Gesicht des Films vermarktet wird, sagt etwas aus über Hierarchien in der Repräsentation von Talenten.

Sebastián Lelio als Regisseur hat bewiesen, mit Gloria und Una mujer fantástica, dass er weibliche Figuren mit Komplexität und Würde erzählen kann. Diese Sensibilität ist in Das Wunder spürbar – aber das Streaming-Format und die Produktionslogik scheinen manchmal in Konflikt zu treten mit dem, was der Film sein könnte, wenn er mehr Vertrauen in sein Publikum hätte.

Die Besetzung von Das Wunder ist letztlich ein Abbild dieser Spannung: zwischen echtem künstlerischen Anspruch und den Konventionen einer Industrie, die auch in ambitionierten Projekten nach Sicherheiten sucht.

Häufig gestellte Fragen

Wer spielt die Hauptrolle in Das Wunder?

Florence Pugh spielt die englische Krankenschwester Lib Wright, die in das irische Dorf entsandt wird, um das fastende Mädchen Anna O’Donnell zu beobachten. Pugh trägt die Hauptlast des Films, wird aber von Kíla Lord Cassidy in der Rolle der Anna auf Augenhöhe herausgefordert.

Wer spielt Anna O’Donnell in Das Wunder?

Die Rolle der Anna O’Donnell wird von Kíla Lord Cassidy gespielt – einer jungen irischen Darstellerin, die eine der beeindruckendsten Leistungen des Films abliefert. Ihre Präsenz ist still, aber eindringlich.

Ist die Besetzung von Das Wunder gelungen?

In weiten Teilen ja. Besonders das Zusammenspiel von Florence Pugh und Kíla Lord Cassidy überzeugt. Toby Jones liefert eine nuancierte Nebenrolle. Schwächer ist die Entwicklung der Romanzen- und Nebenhandlungsfiguren, die im Drehbuch weniger Raum bekommen.

Wo kann man Das Wunder schauen?

Das Wunder ist auf Netflix verfügbar, wo er 2022 veröffentlicht wurde. In einigen Märkten war er außerdem kurzzeitig auf Apple TV+ gelistet.

Ist Das Wunder sehenswert?

Ja – besonders für Zuschauer, die an historischen Dramen mit feministischer Perspektive interessiert sind. Die Besetzung ist stark, der Ton konsequent, und die Inszenierung von Sebastián Lelio ist atmosphärisch dicht. Wer ein tempo- und actionreiches Streaming-Erlebnis erwartet, wird enttäuscht sein. Wer bereit ist, sich auf ein langsames, ernsthaftes Kammerspiel einzulassen, wird belohnt.

Basiert Das Wunder auf einem Roman?

Ja, der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Emma Donoghue aus dem Jahr 2016. Donoghue war auch am Drehbuch beteiligt, was dem Film eine erzählerische Kohärenz verleiht – aber auch die Frage aufwirft, ob die Verfilmung konsequent genug von der literarischen Vorlage emanzipiert ist.

Mehr Beiträge

Besetzung von High Potential

Besetzung von High Potential

Es gibt Serien, die man von vornherein einordnen kann. High Potential ist eine davon – und gleichzeitig auch wieder nicht. Die US-amerikanische Krimiserie, die seit

Besetzung von Evil Dead Rise

Besetzung von Evil Dead Rise

Evil Dead Rise (2023) gehört zu jenen Horrorfilmen, die sich ausschließlich durch ihre Figuren definieren – oder zumindest möchte Lee Cronins Neuinterpretation des Evil-Dead-Franchise das

Besetzung von American Horror Stories

Besetzung von American Horror Stories

Was passiert, wenn eine der erfolgreichsten Horror-Anthologie-Serien der letzten Jahre einen Ableger bekommt – und dieser Ableger mit einem Cast aufwartet, der teils vertraut, teils

Besetzung von Gotham

Besetzung von Gotham

Es gibt Serien, die mit dem Gewicht eines Mythos starten – und genau das ist das Problem. Gotham, die Fernsehserie von Bruno Heller, die von

Senden Sie uns eine Nachricht