Es gibt Serien, die man einschaltet und sofort das Gefühl hat: Hier will jemand etwas sagen. Die Telefonistinnen – im Original Las Chicas del Cable – ist zweifellos eine solche Produktion. Die spanische Netflix-Dramaserie versetzt uns ins Madrid der 1920er Jahre, in die frühen Tage der Telefónica, wo junge Frauen als Telefonistinnen arbeiten, lieben, leiden und – was für ein Glück – auch kämpfen. Vier Frauen, vier Schicksale, eine Schaltzentrale als Bühne für gesellschaftliche Konflikte, die heute noch erstaunlich aktuell klingen.
Die Besetzung von Die Telefonistinnen ist dabei kein unbedeutender Faktor – im Gegenteil. Wer diese Serie trägt oder zum Scheitern bringt, sind die Schauspielerinnen und Schauspieler, die sie mit Leben füllen. Und hier beginnt die eigentlich interessante Frage: Wie ehrlich ist dieses Casting? Wie tief gehen die Rollen wirklich? Rühmt sich die Serie einer Frauendarstellung, die über das Klischee hinausgeht – oder steckt unter dem nostalgischen Kostüm vor allem eine gut verpackte Streaming-Formel?
Die Antwort ist, wie so oft, komplizierter als die Werbung es vermuten lässt.
Die Besetzung von Die Telefonistinnen – zwischen Anspruch und Konvention
Wer sich mit der Besetzung von Die Telefonistinnen beschäftigt, stößt auf ein Cast-Ensemble, das auf den ersten Blick kohärent und vielversprechend wirkt. Blanca Suárez, Maggie Civantos, Nadia de Santiago und Ana Fernández – vier spanische Schauspielerinnen, die nicht nur im Ensemble funktionieren sollen, sondern jede für sich einen eigenen emotionalen und dramaturgischen Schwerpunkt setzen.
Was dabei zunächst auffällt: Netflix hat hier klar auf bewährte Gesichter gesetzt. Blanca Suárez war bereits vor Die Telefonistinnen ein etablierter Name im spanischen Film und Fernsehen. Das ist keine Kritik per se – aber es wirft die Frage auf, ob das Casting auf künstlerischer Überzeugung basiert oder auf der kalkulierten Logik des Streamingmarketings. Ein bekanntes Gesicht verkauft eine Serie. Das ist keine neue Erkenntnis, aber es ist eine, die man nicht unerwähnt lassen sollte.
Erfrischend hingegen ist, dass die Serie trotz ihres historischen Settings – 1920er Jahre, Spanien, Monarchie, patriarchale Gesellschaft – nicht auf eindimensionale Opferfiguren setzt. Die vier Hauptcharaktere haben Widersprüche, Fehler und Sehnsüchte. Das ist eine Entscheidung, die man dem Drehbuch und dem Cast zuguteschreiben muss.
Weniger überzeugend: Die Männerrollen bleiben in weiten Teilen konventionell. Als Katalysatoren für weibliche Entwicklung oder als Antagonisten funktionieren sie – als eigenständige, dreidimensionale Figuren hingegen selten.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Blanca Suárez | Lidia Aguilar / Alba Romero | 8/10 | Nuanciert, kontrolliert – trägt die Serie mit Würde und emotionaler Präzision |
| Maggie Civantos | Marga | 7/10 | Sympathisch und organisch – die Naivität wirkt echt, nicht gespielt |
| Nadia de Santiago | Carlota | 7/10 | Die mutigste Figur der Serie; de Santiago gibt ihr Überzeugungskraft |
| Ana Fernández | Ángeles | 6/10 | Solide Leistung, aber die Figur bleibt lange in reaktiven Mustern gefangen |
| José Sospedra | Carlos | 5/10 | Funktioniert als romantischer Gegenpart, bleibt aber flach |
| Yon González | Francisco | 6/10 | Charismatisch, doch zu sehr auf eine Funktion reduziert |
| Denise Welch | Sara Millán | 6/10 | Interessante Besetzung, aber zu wenig Raum für echte Entfaltung |
| Martiño Rivas | Miguel | 5/10 | Gut aussehend, dramaturgisch ersetzbar |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Blanca Suárez als Lidia Aguilar
Lidia ist die zentrale Figur der Serie – und Blanca Suárez spielt sie mit einer bemerkenswerten Mischung aus Zurückhaltung und innerer Intensität. Lidia ist keine einfache Heldin. Sie hat Geheimnisse, sie macht Fehler, und sie ist zerrissen zwischen persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Erwartung. Das klingt nach einem Klischee, aber Suárez schafft es, diese Zerrissenheit glaubwürdig zu verkörpern – ohne ins Melodramatische zu kippen.
Was als Zuschauerin beeindruckt: Suárez arbeitet viel mit kleinen Gesten. Ein Blick, eine kurze Pause, ein leises Zögern – das sind die Momente, in denen Lidia wirklich lebt. Das ist handwerklich stark und beweist, dass hier keine bloße Starbesetzung stattgefunden hat, sondern eine bewusste Entscheidung für eine Schauspielerin mit echter Tiefe.
Ob die Figur selbst immer glaubwürdig ist, steht auf einem anderen Blatt. Mancher Handlungsbogen wirkt zu konstruiert, zu serientypisch aufgelöst. Aber das ist eher ein Drehbuchproblem als ein Darstellungsproblem.
Bewertung: 8/10
Maggie Civantos als Marga
Marga ist auf dem Papier die „Naive” – die Frau vom Land, die in die große Stadt kommt und alles staunend aufnimmt. Eine Rolle, die leicht ins Infantile abrutschen kann. Dass sie das bei Maggie Civantos nicht tut, ist eine echte Leistung.
Civantos spielt Marga mit einer natürlichen Wärme, die nicht aufgesetzt wirkt. Die Figur entwickelt sich über die Staffeln hinweg – langsam, aber merklich. Ihre Naivität ist keine Schwäche, sondern eine Form von Reinheit, die die Serie als Gegenpol zur gesellschaftlichen Heuchelei nutzt. Das funktioniert, weil Civantos die Figur nie zur Witzfigur macht.
Kritisch zu hinterfragen bleibt: Marga ist lange die Figur, die anderen Raum gibt. Ihre eigene Geschichte kommt manchmal zu kurz.
Bewertung: 7/10
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Nadia de Santiago als Carlota
Carlota ist, ohne Übertreibung, die interessanteste Figur der Serie. Eine junge Frau, die ihre Homosexualität in einer Zeit auslebt, in der das gesellschaftlich unmöglich erscheint. Nadia de Santiago spielt diese Figur mit einer Überzeugungskraft, die man nicht vortäuschen kann.
Was die Darstellung auszeichnet: de Santiago vermeidet es, Carlota als Opfer zu inszenieren. Sie ist mutig, manchmal rücksichtslos, oft verletzt – aber niemals passive Leidtragende. Das ist repräsentationspolitisch wichtig und ästhetisch konsequent.
Ob die Serie mit dieser Figur immer so sorgsam umgeht, wie sie es verdient hätte, ist eine andere Frage. Manchmal fühlt Carlota wie ein progressives Statement an, das die Produktion nach vorne stellt, ohne die Figur vollständig auszuarbeiten.
Bewertung: 7/10
Ana Fernández als Ángeles
Ángeles ist die vierte Telefonistin – und die, die am längsten braucht, um aus ihrer reaktiven Rolle herauszutreten. Ana Fernández spielt sie solide, mit echtem Gefühl für die emotionale Last der Figur. Ángeles ist verheiratet, unglücklich und sucht nach einem Ausweg.
Das Problem: Zu lange ist Ángeles die Frau, der Dinge passieren, statt die Frau, die Dinge tut. Fernández gibt der Figur menschliche Wärme, kann aber nicht verhindern, dass das Drehbuch sie phasenweise in stereotype Abläufe zwingt.
Bewertung: 6/10
Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
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Die Nebenrollen in Die Telefonistinnen sind ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite gibt es Figuren, die das Ensemble bereichern und der Serie eine gesellschaftliche Tiefe verleihen. Auf der anderen Seite dominieren gerade unter den männlichen Nebenrollen Figuren, die zu sehr Funktion und zu wenig Mensch sind.
José Sospedra als Carlos und Yon González als Francisco sind gut besetzt im Sinne von: Sie sehen aus, wie die Figuren aussehen sollen. Aber schauspielerisch bleibt beiden wenig Raum für wirkliche Nuancen. Carlos ist der romantische Kontext für Lidia, Francisco der für Marga – und beide verbleiben zu lange in dieser dienenden Funktion.
Interessanter sind die Figuren, die das soziale Umfeld der vier Frauen strukturieren – Vorgesetzte, Rivalinnen, Verbündete. Hier entstehen manchmal die ehrlichsten Momente der Serie, weil diese Nebenrollen nicht im Zentrum des romantischen Dramas stehen und daher glaubwürdiger wirken.
Eine bemerkenswerte Leistung zeigt die Serie in der Darstellung gesellschaftlicher Machtstrukturen durch eben diese kleinen Rollen: Männer in Anzügen, die Entscheidungen treffen, ohne Frauen zu fragen. Das klingt nach Klischee – ist aber in der Ausführung oft überraschend präzise.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
Blanca Suárez war schon vor Die Telefonistinnen kein unbeschriebenes Blatt. Mit Serien wie El Barco und Filmen wie Las brujas de Zugarramurdi hat sie sich als vielseitige Schauspielerin etabliert.
- Blanca Suárez: El Barco, Las brujas de Zugarramurdi, Die Telefonistinnen – Lidia ist vielleicht ihre emotionalste und komplexeste Rolle. Keine Wiederholung, sondern echte Entwicklung.
- Maggie Civantos: Vis a vis (Locked Up), Die Telefonistinnen – ein ähnliches Muster: naiv beginnende Figur, die an ihren Erfahrungen wächst. Man könnte von Typecasting sprechen – aber Civantos ist gut genug, um diesem Muster jedes Mal neue Facetten abzugewinnen.
- Nadia de Santiago: Die Telefonistinnen – Carlota sticht in ihrer Filmografie heraus als eine ihrer mutigsten und politisch bedeutsamsten Darstellungen.
- Ana Fernández: El Internado, Die Telefonistinnen – die Möglichkeit zur emotionalen Tiefe ist vorhanden, wird aber vom Drehbuch zu selten vollständig genutzt.
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Die ehrliche Antwort: Ja – aber nicht immer und nicht überall gleich stark.
Die Chemie zwischen den vier Hauptdarstellerinnen ist das eigentliche Herzstück der Serie. Wenn Blanca Suárez, Maggie Civantos, Nadia de Santiago und Ana Fernández gemeinsam in einer Szene sind, entsteht eine Energie, die sich nicht einfach herstellen lässt. Man glaubt diesen Frauen ihre Freundschaft, ihre Konflikte, ihre Loyalitäten.
Das ist kein Selbstläufer. Ensemble-Chemie entsteht durch Probenarbeit, durch gegenseitiges Zuhören, durch kleine Gesten, die man entweder hat oder nicht. Hier hat man sie.
Schwächer funktioniert das Ensemble in den Momenten, in denen die Männer ins Spiel kommen. Die romantischen Handlungsbögen – so zentral die Serie sie behandelt – fühlen sich oft weniger organisch an als die Frauenfreundschaften. Die Beziehungen zwischen den vier Frauen tragen die Serie; die Liebesgeschichten sind eher Pflichtprogramm.
Das sagt vielleicht mehr über das Genre als über das Casting aus – aber es bleibt eine Beobachtung, die man nicht ignorieren sollte.
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Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
Es wäre naiv zu glauben, dass Casting-Entscheidungen bei Netflix-Produktionen ausschließlich von künstlerischen Überlegungen geleitet werden. Die Telefonistinnen ist eine Streaming-Produktion mit klaren Marktzielen – ein spanischsprachiges Drama, das ein internationales Publikum ansprechen soll. Das beeinflusst, wen man besetzt, wie man besetzt und welche Charaktere Tiefe bekommen.
Die Besetzung von Die Telefonistinnen ist in diesem Sinne ein interessantes Dokument der Streaming-Ära. Einerseits echte Bemühung um Repräsentation: Carlota als queere Figur in einem historischen Drama ist 2017 – dem Jahr des Serienstarts – keine Selbstverständlichkeit, sondern eine bewusste Entscheidung. Andererseits: Die Figur bleibt manchmal Dekoration für ein progressives Image, das die Produktion gerne nach außen trägt.
Das ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung. Die Frage, ob Repräsentation im Casting tatsächlich mit inhaltlicher Substanz einhergeht, ist die entscheidende. Bei Die Telefonistinnen lautet die Antwort: meistens schon – aber nicht immer konsequent genug.
Was diese Serie dennoch von vielen vergleichbaren Produktionen unterscheidet: Die vier Hauptdarstellerinnen wirken wie Menschen, nicht wie Konzepte. Das ist mehr, als man von vielen aktuellen Fernsehserien sagen kann. Und das beginnt – und das sei abschließend betont – mit dem Casting.
Häufig gestellte Fragen zur Besetzung von Die Telefonistinnen
Wer spielt die Hauptrollen in Die Telefonistinnen?
Die vier Hauptdarstellerinnen sind Blanca Suárez (Lidia), Maggie Civantos (Marga), Nadia de Santiago (Carlota) und Ana Fernández (Ángeles). Sie bilden das Ensemble einer spanischen Dramaserie, die im Madrid der 1920er Jahre bei der Telefónica spielt.
Wie gut ist die Besetzung von Die Telefonistinnen insgesamt?
Insgesamt handelt es sich um ein solides, an vielen Stellen starkes Ensemble. Besonders Blanca Suárez und Nadia de Santiago heben sich durch nuancierte Leistungen hervor. Die Männerrollen bleiben demgegenüber häufig unterentwickelt.
Ist Die Telefonistinnen auf Deutsch synchronisiert?
Ja. Die Serie ist auf Netflix Deutschland verfügbar und verfügt über eine deutsche Synchronisation. Die Originalsprache ist Spanisch.
Lohnt sich Die Telefonistinnen für Menschen, die spanische Serien mögen?
Definitiv. Die Serie bietet ein interessantes historisches Setting, starke Frauenfiguren und solides Schauspiel. Wer allerdings tiefe Charakterstudie über romantisches Drama stellt, sollte die eigenen Erwartungen ein wenig kalibrieren.
Welche Schauspielerinnen aus Die Telefonistinnen sind auch in anderen bekannten Serien zu sehen?
Maggie Civantos ist auch aus Vis a vis bekannt, Blanca Suárez aus El Barco. Beide haben sich in spanischen Fernsehproduktionen etabliert, bevor Die Telefonistinnen internationale Aufmerksamkeit brachte.
Wie viele Staffeln hat Die Telefonistinnen?
Die Serie umfasst fünf Staffeln, die zwischen 2017 und 2020 auf Netflix veröffentlicht wurden.



