Es war wohl unvermeidlich. Fast drei Jahrzehnte nach dem kultigen Original von 1993 holte Disney die Sanderson-Schwestern zurück – diesmal für Disney Plus statt für die Kinoleinwand. Hocus Pocus 2, erschienen im Jahr 2022 unter der Regie von Anne Fletcher, folgt erneut den drei Hexen Winifred, Sarah und Mary Sanderson, die in Salem wieder zum Leben erwachen und einmal mehr für magisches Chaos sorgen. Die Handlung dreht sich diesmal um drei Teenager-Mädchen, die versehentlich den Fluch aktivieren – eine strukturelle Spiegelung des Originals, die man als charmante Hommage oder als mangelnde Originalität lesen kann, je nachdem, wie gnädig man gestimmt ist.
Was mich als Filmkritikerin von Anfang an beschäftigt hat, ist nicht die Handlung selbst, sondern die Besetzung von Hocus Pocus 2: Wer wurde ausgewählt, warum, und was verrät diese Auswahl über die Art, wie große Streaming-Produktionen heute funktionieren? Das Ergebnis ist, wie so oft bei nostalgischen Fortsetzungen, eine Mischung aus echten Glücksgriffen und kalkulierten Sicherheitsentscheidungen.
Die Besetzung von Hocus Pocus 2 – zwischen Anspruch und Konvention
Die übergeordnete Frage bei der Hocus Pocus 2 Besetzung lautet: Wann ist Kontinuität eine Stärke, und wann ist sie eine Ausrede? Die Rückkehr von Bette Midler, Sarah Jessica Parker und Kathy Najimy in ihre ikonischen Rollen als Sanderson-Schwestern ist das Fundament, auf dem der gesamte Film aufgebaut ist. Das ist verständlich – und gleichzeitig symptomatisch für eine Produktionslogik, die auf Bekanntheit statt auf Wagnis setzt.
Auf der anderen Seite stehen die neuen Gesichter: Whitney Peak, Lilia Buckingham und Belissa Escobedo als die drei Protagonistinnen der jüngeren Generation. Hier hat Disney tatsächlich interessante Entscheidungen getroffen. Besonders die Wahl von Belissa Escobedo und Whitney Peak bringt eine Diversität in den Cast, die im Original so nicht vorhanden war – und das fühlt sich nicht wie bloße Quoten-Erfüllung an, sondern wie ein ernsthafter Versuch, die Welt von Salem etwas offener zu gestalten.
Weniger überzeugend ist die Frage, was mit diesen jungen Charakteren dann tatsächlich gemacht wird. Casting ist nur der erste Schritt; was folgt, ist das Drehbuch, die Regie und der Raum, den man den Figuren gibt. Und da offenbart der Hocus Pocus 2 Cast seine eigentlichen Grenzen.
Hannah Waddingham in einer mysteriösen Nebenrolle ist eine der angenehmsten Überraschungen – eine Frau mit echtem Charisma und Präsenz, die selbst in einer begrenzten Rolle Spuren hinterlässt. Tony Hale und Sam Richardson fügen komödiantische Energie hinzu, bleiben aber in erster Linie Mittel zum Zweck. Doug Jones kehrt als Billy Butcherson zurück – eine Entscheidung, die die Fans freuen dürfte, die narrativ aber kaum neue Impulse setzt.
Was frisch wirkt: die Besetzung der Teenager-Rollen mit jungen, talentierten Darstellerinnen, die tatsächlich nach echten Menschen aussehen. Was vorhersehbar bleibt: dass das emotionale Schwergewicht fast ausschließlich bei den drei Originaldarstellerinnen liegt, als traue man dem neuen Cast nicht wirklich.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Bette Midler | Winifred Sanderson | 8/10 | Präsent, dominierend, charismatisch – manchmal etwas zu laut, aber unbestreitbar die Seele des Films |
| Sarah Jessica Parker | Sarah Sanderson | 7/10 | Charmant und selbstironisch; die Rolle lässt wenig Tiefe zu, Parker holt das Maximum heraus |
| Kathy Najimy | Mary Sanderson | 7/10 | Solide komödiantische Arbeit, bleibt aber in der Ensembeldynamik oft die Dritte im Bunde |
| Whitney Peak | Becca | 6/10 | Sympathisch und glaubwürdig, kämpft aber gegen ein zu dünn geschriebenes Drehbuch |
| Belissa Escobedo | Izzy | 6/10 | Authentische Energie, hätte mehr Raum verdient |
| Lilia Buckingham | Cassie | 5/10 | Solide, aber die Figur bleibt am schwächsten ausgearbeitet |
| Doug Jones | Billy Butcherson | 6/10 | Körperlich ausdrucksstark, narrative Funktion jedoch begrenzt |
| Tony Hale | Bürgermeister Traske | 6/10 | Komödiantisch kompetent, etwas überzeichnet |
| Sam Richardson | Gilbert | 6/10 | Sympathischer Charakter, hätte mehr Tiefe verdient |
| Hannah Waddingham | Mutter Hexe | 7/10 | Kurzer, aber wirkungsvoller Auftritt – eine der angenehmen Überraschungen |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Bette Midler als Winifred Sanderson
Winifred Sanderson ist die Figur, um die sich alles dreht – und Bette Midler weiß das ganz genau. Ihre Verkörperung der rachsüchtigen, manisch-ehrgeizigen Anführerin der Sanderson-Schwestern ist das, was man im besten Sinne als „verdienten Exzess” bezeichnen könnte. Midler spielt Winifred mit einer Energie, die gleichzeitig theatralisch und präzise ist – jede Geste, jeder Blick sitzt. Was mich interessiert, ist die Frage, ob diese Figur tatsächlich Entwicklung erfährt. Die Antwort ist: kaum. Winifred ist in Hocus Pocus 2 im Wesentlichen dieselbe Figur wie 1993, mit minimaler emotionaler Weiterentwicklung. Das ist ein Drehbuchproblem, kein Darstellerinnen-Problem. Midler tut, was sie kann – und das ist bemerkenswert viel.
Bewertung: 8/10
Sarah Jessica Parker als Sarah Sanderson
Sarah Sanderson ist die komödiantische Entlastungsfigur der drei Hexen: verträumt, naiv, charmant verirrt. Sarah Jessica Parker spielt diese Rolle mit sichtlicher Freude und einer gesunden Portion Selbstironie, was der Figur mehr Sympathie verleiht, als das Drehbuch ihr eigentlich zubilligt. Parker ist klug genug, nicht in die Falle des reinen Slapstick zu tappen, auch wenn die Szenarien das manchmal einladen. Was bleibt, ist eine Rolle, die strukturell wenig zu sagen hat – und eine Darstellerin, die damit souverän umgeht.
Bewertung: 7/10
Kathy Najimy als Mary Sanderson
Mary Sanderson ist, offen gesagt, die am wenigsten entwickelte der drei Schwestern – sowohl im Original als auch in der Fortsetzung. Najimy verleiht ihr körperliche Komik und ein unverwechselbares Timing, aber die Figur bleibt funktional: Sie lacht, sie stolpert, sie folgt Winifred. Das ist schade, denn Najimy hätte mit besserem Material mehr bieten können. Als Teil des Ensembles funktioniert sie gut; als eigenständige Figur bleibt sie blass.
Bewertung: 7/10
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Whitney Peak als Becca
Whitney Peak trägt als Becca die emotionale Last der jüngeren Haupthandlung. Sie ist die Protagonistin, der wir folgen, die Freundin, die kämpft, die Jugendliche, die ihre Identität entdeckt. Peak spielt das mit Wärme und Glaubwürdigkeit – aber das Drehbuch gibt ihr zu wenig Raum, um wirklich zu glänzen. Ihre Figur ist zu sehr damit beschäftigt, Exposition zu liefern und Plot-Punkte zu erfüllen, als dass man wirklich in sie eintauchen kann. Das ist bezeichnend für den Umgang des Films mit seinem jüngeren Cast: sichtbar, aber nicht wirklich gehört.
Bewertung: 6/10
Belissa Escobedo als Izzy
Izzy ist der vitalste Charakter unter den drei Teenager-Protagonistinnen, und Belissa Escobedo spielt sie mit einer natürlichen Energie, die erfrischend wirkt. Sie ist präsent, sie ist echt – und sie ist in einem Film zu sehen, der ihr schlicht nicht genug zutraut. Die Besetzung von Escobedo gehört zu den interessanteren Entscheidungen des Hocus Pocus 2 Casts; die Verwertung dieser Entscheidung durch das Drehbuch weniger.
Bewertung: 6/10
Hannah Waddingham als Mutter Hexe
Waddingham ist in einer Rückblende zu sehen, die den Ursprung der Sanderson-Schwestern beleuchtet – eine erzählerische Idee, die tatsächlich Tiefe verspricht und die Figuren in einen größeren Kontext stellt. Ihre Rolle ist begrenzt, aber sie nutzt jede Minute. Waddingham hat eine Qualität, die man kaum kaufen kann: Präsenz. Sie füllt den Raum, ohne zu dominieren.
Bewertung: 7/10
Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
Tony Hale als Bürgermeister Traske und Sam Richardson als Gilbert liefern komödiantisches Begleitmaterial, das den Film auflockert, ohne die Handlung wesentlich voranzutreiben. Beide Schauspieler sind kompetent in dem, was sie tun – das Problem liegt nicht in ihrer Leistung, sondern in der Funktion ihrer Figuren. Traske ist ein Running Gag. Gilbert ist ein Werkzeug. Weder der eine noch der andere entwickelt sich so, dass man am Ende das Gefühl hätte, einen Menschen kennengelernt zu haben.
Doug Jones als Billy Butcherson ist eine andere Geschichte. Jones ist ein Körperschauspieler von echtem Talent – seine Arbeit in Filmen wie The Shape of Water belegt das eindeutig. Billy Butcherson ist eine dankbare Rolle für jemanden mit Jones’ Fähigkeiten, aber auch sie bleibt narrativ unterbeschäftigt. Die Freude an seiner Rückkehr ist eine emotionale, keine dramaturgische.
Was bei den Nebenrollen insgesamt auffällt: Der Film versteht sie primär als komödiantische Puffer, nicht als eigenständige erzählerische Stimmen. Das ist eine valide Entscheidung für eine leichte Fantasy-Comedy – sie zeigt aber auch, dass Hocus Pocus 2 keine Ambitionen jenseits der Unterhaltung hegt.
Einen ähnlichen Blick auf Nebenrollen und Ensembledynamik bietet der Artikel über die Besetzung von Eine zauberhafte Nanny 2.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
Bette Midler
- The Rose (1979)
- Beaches (1988)
- For the Boys (1991)
- Hocus Pocus 2 (2022)
Bette Midler hat eine der faszinierendsten Karrieren Hollywoods: von The Rose über Beaches bis hin zu For the Boys – eine Darstellerin, die Tiefe, Komödie und Pathos gleichermaßen beherrscht. Dass sie heute in einem Disney-Plus-Sequel landet, ist weder eine Niederlage noch ein Triumph; es ist eine Entscheidung, die zeigt, wie sehr sich die Filmindustrie verändert hat. Dass man ihr in Hocus Pocus 2 kaum mehr abverlangt als im Original, ist symptomatisch.
Sarah Jessica Parker
- Sex and the City (Fernsehserie, prägend für ihre öffentliche Wahrnehmung)
- Hocus Pocus 2 (2022)
Sarah Jessica Parker ist untrennbar mit Sex and the City verbunden – einer Rolle, die ihren öffentlichen Ruf in einer Weise prägte, die sie wohl noch lange begleiten wird. Ihre Arbeit in Hocus Pocus 2 erinnert daran, dass Parker in der Lage ist, Selbstironie und Leichtigkeit zu verbinden – eine Qualität, die in ihrer Filmografie nicht immer ausreichend gewürdigt wird.
Whitney Peak
- Gossip Girl (2021)
- Hocus Pocus 2 (2022)
Whitney Peak ist eine junge Darstellerin, die man im Auge behalten sollte. Bekannt durch Gossip Girl (2021), zeigt sie in Hocus Pocus 2, dass sie mehr kann, als ihr Material verlangt. Die Frage ist, ob Hollywood ihr die richtigen Rollen anbieten wird – oder ob auch sie bald in das Typecasting-Karussell gerät.
Hannah Waddingham
- Ted Lasso (international beachtet)
- Hocus Pocus 2 (2022)
Hannah Waddingham hat spätestens durch Ted Lasso international Aufmerksamkeit erlangt und ist zu Recht als eine der vielseitigsten britischen Darstellerinnen ihrer Generation anerkannt. Ihr kurzer Auftritt in Hocus Pocus 2 fühlt sich fast wie ein Cameo an – schade um das verschenkte Potenzial.
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Die Antwort ist: bedingt. Das Ensemble von Hocus Pocus 2 funktioniert am besten in den Momenten, in denen die Sanderson-Schwestern unter sich sind. Die Chemie zwischen Midler, Parker und Najimy ist echt – das spürt man. Es gibt eine Vertrautheit zwischen den drei Darstellerinnen, die sich nicht erzwingen lässt und die dem Film seinen emotionalen Kern gibt.
Weniger überzeugend ist die Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Cast. Die Dynamik zwischen den Sanderson-Schwestern und den drei Teenager-Protagonistinnen wirkt merkwürdig asymmetrisch: Die einen dominieren, die anderen reagieren. Das ist sowohl ein Drehbuch- als auch ein Inszenierungsproblem, das aber auch die Besetzung betrifft – denn wenn man einen Cast halb so aufbaut, dass er vor allem im Dienst der Nostalgie steht, gibt man dem Rest des Ensembles kaum eine Chance.
Die Beziehung zwischen Becca, Izzy und Cassie hat Potenzial – drei Freundinnen, die füreinander einstehen, eine Freundschaft, die auf dem Spiel steht. Aber diese Dynamik wird nie wirklich auserzählt. Die Chemie zwischen Peak, Escobedo und Buckingham ist da; sie wird nur nicht ausreichend genutzt.
Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
Hocus Pocus 2 ist ein Lehrstück darüber, wie Streaming-Kultur und Produktionslogik Casting-Entscheidungen formen. Disney Plus braucht Content, der funktioniert – und „funktionieren” bedeutet in diesem Kontext: bekannte Gesichter, vertraute Geschichten, nostalgische Signale. Die Rückholung von Midler, Parker und Najimy ist in diesem Sinne keine künstlerische Entscheidung, sondern eine strategische.
Das ist nicht grundsätzlich falsch. Aber es stellt Fragen. Wie authentisch ist eine Besetzung, die primär nach Markenwert zusammengestellt wurde? Wie viel Raum bleibt für echte Charakterentwicklung, wenn der Film de facto schon vor Drehbeginn festgelegt ist?
Die Einbeziehung eines diverseren jüngeren Casts ist ein positiver Schritt – aber er bleibt symbolisch, wenn die narrativen Strukturen des Films ihn nicht wirklich einlösen. Repräsentation ist kein Selbstzweck; sie muss mit echtem Inhalt gefüllt werden. Belissa Escobedo und Whitney Peak verdienen Rollen, die ihnen erlauben, mehr zu sein als Stichwortgeber für das Original-Trio.
Anne Fletcher als Regisseurin hat sichtlich Freude an der Nostalgie – und das merkt man dem Film an. Was weniger sichtbar ist: ein klarer Wille, das Universum von Salem wirklich weiterzuentwickeln, die Figuren wachsen zu lassen, den Cast als Gesamtheit ernst zu nehmen. Hocus Pocus 2 ist ein angenehm unterhaltsamer Film – aber er ist auch ein Film, der deutlich weniger ist, als er sein könnte.
Einen verwandten Blick auf Casting-Entscheidungen in übernatürlichen Horrorkomödien bietet der Artikel über die Besetzung von M3gan.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt in Hocus Pocus 2 die Sanderson-Schwestern?
Die Sanderson-Schwestern werden wie im Original von Bette Midler (Winifred), Sarah Jessica Parker (Sarah) und Kathy Najimy (Mary) gespielt. Alle drei kehren für die Fortsetzung zurück.
Wer sind die neuen Hauptdarsteller in Hocus Pocus 2?
Die drei Teenager-Protagonistinnen werden von Whitney Peak (Becca), Belissa Escobedo (Izzy) und Lilia Buckingham (Cassie) gespielt. Sie bilden das Gegenstück zum Original-Trio.
Ist Hannah Waddingham in Hocus Pocus 2 dabei?
Ja, Hannah Waddingham hat einen Auftritt als Mutter Hexe in einer Rückblende. Die Rolle ist kurz, aber wirkungsvoll.
Kehrt Doug Jones als Billy Butcherson zurück?
Ja, Doug Jones spielt erneut den Zombie Billy Butcherson, der bereits aus dem Original von 1993 bekannt ist.
Lohnt sich Hocus Pocus 2 für Fans des Originals?
Das hängt von den Erwartungen ab. Wer hauptsächlich die Sanderson-Schwestern zurück auf der Leinwand sehen möchte, wird zufrieden sein. Wer tiefere Charakterentwicklung und neue Ideen erwartet, könnte enttäuscht werden.
Wie ist die Besetzung von Hocus Pocus 2 im Vergleich zum Original zu bewerten?
Der Cast ist solide – das Trio Midler, Parker, Najimy funktioniert nach wie vor. Die Neubesetzungen sind interessant gewählt, werden aber vom Drehbuch nicht vollständig ausgeschöpft. Eine verpasste Chance mit durchaus positivem Grundton.



