Was passiert, wenn eine der erfolgreichsten Horror-Anthologie-Serien der letzten Jahre einen Ableger bekommt – und dieser Ableger mit einem Cast aufwartet, der teils vertraut, teils überraschend ist? American Horror Stories, der Spin-off von Ryan Murphys und Brad Falchuks preisgekrönter FX-Serie American Horror Story, versucht genau das: kurzformatige Horror-Episoden zu erzählen, die in sich abgeschlossen sind und gleichzeitig das Universum der Hauptserie erweitern. Die Prämisse ist reizvoll. Die Umsetzung – zumindest was die Besetzung betrifft – verdient einen genaueren Blick.
Denn wo die Originalserie über Staffeln hinweg ein festes Ensemble aufgebaut hat, das sich von Saison zu Saison neu erfand, steht dieser Ableger vor einer anderen Herausforderung: Wie schafft man mit wechselnden Besetzungen in kurzen Episoden Charaktertiefe und emotionale Bindung? Und wem vertraut man diese Aufgabe an – altbewährten Gesichtern aus dem Murphy-Universum oder frischen Kräften, die noch beweisen müssen, was sie können?
Die Antwort ist, wie so oft bei Ryan Murphy-Produktionen: ein bisschen von beidem. Und genau das macht die Besetzung von American Horror Stories sowohl interessant als auch – an manchen Stellen – vorhersehbar.
Die Besetzung von American Horror Stories – zwischen Anspruch und Konvention
Wer sich mit der Besetzung von American Horror Stories beschäftigt, begegnet schnell einem Muster, das für Murphy-Produktionen typisch ist: Es gibt die Stammgäste aus dem American Horror Story-Universum – Gesichter wie Kathy Bates, Emma Roberts und andere, die man aus früheren Staffeln kennt –, und dann gibt es neuere Schauspielerinnen und Schauspieler, die in diesem Format erste oder größere Auftritte bekommen.
Das ist an sich kein Problem. Anthologie-Serien leben von der Vielfalt. Aber die Frage, die sich stellt, ist: Wie viel Raum bekommen die einzelnen Darsteller, um ihre Figuren wirklich zu entwickeln? In einem Format, das auf einzelne Episoden oder kurze Episodenbögen setzt, ist Charaktertiefe strukturell schwieriger zu erreichen. Die Besetzung muss schneller wirken, schneller überzeugen – und das gelingt nicht immer.
Was positiv auffällt: Es gibt echte Bemühungen um eine diversere Besetzung als in früheren Jahren. Das ist kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis eines veränderten gesellschaftlichen Bewusstseins innerhalb der Branche – und sollte als solches anerkannt werden, ohne dabei in unreflektiertes Schulterklopfen zu verfallen.
Was kritischer betrachtet werden darf: Manche Castingentscheidungen wirken weniger wie kreative Überzeugungstat und mehr wie strategische Markenpflege. Wenn bekannte Namen aus dem Murphy-Universum auftauchen, fragt man sich bisweilen, ob sie wegen der Rolle oder wegen des Namens besetzt wurden.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Kathy Bates | Verschiedene Rollen / Gastauftritt | 7/10 | Bates bringt auch in kleinen Momenten Gewicht. Ihre Präsenz stabilisiert schwächere Episoden. |
| Emma Roberts | Verschiedene Rollen | 6/10 | Kompetent, aber selten überraschend – Roberts bleibt oft in vertrauten Mustern. |
| Evan Peters | Gastauftritt | 7/10 | Wenn Peters auftaucht, fühlt man den Unterschied. Er trägt Figuren mit einer nervösen Energie, die wirkt. |
| Madison Bailey | Verschiedene Rollen | 6/10 | Solide Leistung, gelegentlich mit Tiefe. Das Potenzial ist deutlich sichtbar. |
| Billie Lourd | Verschiedene Rollen | 6/10 | Lourd hat Charisma, findet aber nicht immer den Weg zu echter emotionaler Komplexität. |
| Matt Bomer | Verschiedene Rollen | 7/10 | Bomer überrascht positiv – seine Performances sind kontrollierter und subtiler als erwartet. |
| Gabourey Sidibe | Gastauftritt | 6/10 | Sidibe liefert verlässlich, wird aber strukturell oft unterfordert. |
| Virginia Gardner | Verschiedene Rollen | 5/10 | Gardner hat Momente, aber die Figuren lassen selten wirkliche Entwicklung zu. |
| Cody Fern | Verschiedene Rollen | 6/10 | Fern bringt eine interessante Ambiguität mit, die nicht immer ausgeschöpft wird. |
| Kevin McHale | Verschiedene Rollen | 5/10 | Solide, ohne besonderen Eindruck zu hinterlassen – bleibt unter seinen Möglichkeiten. |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Kathy Bates – die stille Autorität
Kathy Bates gehört seit ihrer Rolle in American Horror Story: Coven zu den Ankerpunkten des Murphy-Universums. Auch in American Horror Stories ist ihre Wirkung spürbar – selbst dann, wenn ihre Auftritte eher kurz bemessen sind. Was Bates von vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen unterscheidet: Sie braucht keine langen Monologe, um eine Figur dreidimensional erscheinen zu lassen. Ein Blick, eine Pause, eine Geste – das reicht.
In einer Serie, die strukturell wenig Zeit für Charakterentwicklung lässt, ist das ein erheblicher Vorteil. Bates funktioniert als Verdichtungspunkt: Ihre Szenen haben Gewicht. Man spürt, dass da eine Figur existiert, auch wenn die Episode nur zwanzig Minuten Zeit hatte, sie zu entwickeln.
Kritisch ließe sich anmerken, dass Bates in diesem Format bisweilen wie eine Garantie wirkt – wie eine Versicherung gegen das Risiko, dass Episoden zu flach geraten. Das ist einerseits ein Kompliment an ihre Fähigkeiten, andererseits ein subtiler Hinweis auf die strukturellen Schwächen des Formats.
Bewertung: 7/10
Emma Roberts – Markenpflege als Charakterarbeit?
Emma Roberts ist seit American Horror Story: Coven ein Stammgesicht im Murphy-Universum und auch in American Horror Stories präsent. Ihre Performances sind professionell, nie wirklich schwach – aber auch selten wirklich überraschend. Roberts tendiert dazu, in einem bestimmten Register zu bleiben: scharf, kühl, leicht überlegen. Das passt zu vielen ihrer Figuren. Aber es stellt sich die Frage, ob das Charakterarbeit ist oder Selbstwiederholung.
In einer Anthologie-Serie, die von Episode zu Episode neue Konstellationen schafft, wäre das die Chance, Grenzen auszutesten. Roberts greift diese Chance nicht immer. Das ist keine Schwäche, die man ihr alleine anrechnen sollte – oft liegt es auch an der Schreibtiefe der Figuren selbst. Aber als Schauspielerin mit dem Anspruch, ein Universum mitzugestalten, darf man mehr Risikobereitschaft erwarten.
Bewertung: 6/10
Auch bei anderen Horrorproduktionen lohnt sich ein Blick auf die Besetzung – etwa in unserem Artikel über die Besetzung von Candyman.
Evan Peters – nervöse Energie als Stilmittel
Wer Evan Peters aus früheren Staffeln von American Horror Story kennt, weiß, was er kann: Er spielt Figuren mit einer inneren Zerrissenheit, die fast körperlich spürbar ist. In American Horror Stories taucht er in Gastauftritten auf – und man merkt sofort, wenn er im Raum ist. Peters hat eine seltene Fähigkeit: Er macht Figuren glaubwürdig, die auf dem Papier vielleicht dünn wirken.
Seine Performances sind nie behauptet, sondern erlebt. Das unterscheidet ihn von vielen Schauspielerinnen und Schauspielern, die im Horror-Genre dazu neigen, Bedrohlichkeit zu „spielen”, anstatt sie zu sein. Peters ist beides: verletzlich und gefährlich, und das gleichzeitig.
Bewertung: 7/10
Matt Bomer – die angenehme Überraschung
Matt Bomer ist in der breiteren Popkultur vor allem als gut aussehender Leading Man bekannt – eine Einschätzung, die seiner eigentlichen Arbeit nicht immer gerecht wird. In American Horror Stories zeigt er eine Zurückhaltung und Kontrolle, die angenehm überrascht. Er lässt sich nicht von der Ästhetik der Serie verführen, zu viel zu zeigen. Die besten Horrorperformances entstehen im Subtext – und Bomer versteht das.
Bewertung: 7/10
Billie Lourd – Potenzial mit Grenzen
Billie Lourd hat das Charisma einer echten Ensemble-Spielerin und ist in der Serie spürbar präsent. Allerdings fehlt es ihren Figuren oft an der strukturellen Tiefe, die echte emotionale Resonanz erzeugen würde. Lourd kann Energie erzeugen, aber Energie allein ersetzt keine Charakterentwicklung. In Episoden, die ihr Raum geben, ist sie deutlich besser als in jenen, die sie auf Funktion reduzieren.
Bewertung: 6/10
Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
Eine Anthologie-Serie lebt nicht nur von ihren Hauptdarstellern – die Nebenrollen und Gastauftritte bestimmen oft, ob eine Episode Substanz hat oder leer bleibt. In American Horror Stories ist dieses Bild gemischt.
Es gibt Nebenrollen, die klug besetzt sind und der jeweiligen Episode eine zusätzliche Ebene geben. Gabourey Sidibe zum Beispiel bringt eine natürliche Stärke in ihre Auftritte, die über das reine Ausfüllen von Nebenrollen hinausgeht. Man wünscht ihr mehr Raum – und genau das ist das Problem: Sidebes Talent wird von der Struktur der Serie regelmäßig unterschätzt.
Virginia Gardner und Kevin McHale repräsentieren die andere Seite: kompetente Schauspielerinnen und Schauspieler, die jedoch in Rollen eingesetzt werden, die kaum Entwicklung zulassen. Sie erfüllen eine Funktion innerhalb der Episode – und bleiben genau dabei.
Was die Nebenrollen insgesamt zeigen: Das eigentliche Problem liegt oft weniger beim Cast als beim Drehbuch. Wenn Figuren nur existieren, um Handlung voranzutreiben, kann auch gutes Schauspiel das nicht vollständig kompensieren.
Einen ähnlichen Blick auf Besetzungsentscheidungen im modernen Horrorgenre bietet auch unser Artikel zur Besetzung von Terrifier 2.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
Ein Blick auf die Filmografie der zentralen Darsteller von American Horror Stories offenbart ein Muster, das für das gesamte Murphy-Universum charakteristisch ist: Schauspielerinnen und Schauspieler, die in diesem System arbeiten, entwickeln eine enge Bindung an einen bestimmten Stil – und diese Bindung hat Vor- und Nachteile.
- Evan Peters hat sich über die Jahre als einer der vielseitigsten Darsteller seiner Generation erwiesen. Seine Arbeit in American Horror Story, später in anderen Formaten, zeigt eine klare künstlerische Entwicklung. Er sucht die Herausforderung, nicht die Sicherheit.
- Emma Roberts bewegt sich dagegen in einem stabileren, weniger riskanten Repertoire. Das ist keine Kritik an ihrer Entscheidungsfähigkeit – es spiegelt auch das wider, was ihr angeboten wird. Aber der Unterschied zur künstlerischen Risikobereitschaft anderer Kollegen ist wahrnehmbar.
- Kathy Bates hat eine Karriere, die Jahrzehnte überspannt und sich durch eine bemerkenswerte Bereitschaft auszeichnet, Figuren zu verkörpern, die jenseits gängiger Schönheitsideale oder Sympathieträger-Klischees liegen. Das macht sie zu einer der authentischsten Stimmen in diesem Ensemble.
Die Frage, ob Casting in einer Streaming-Produktion wie dieser zur künstlerischen Entwicklung beiträgt oder eher wiederholt, was sich bewährt hat, lässt sich nicht pauschal beantworten – aber sie sollte gestellt werden.
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Die besondere Herausforderung einer Anthologie-Serie ist es, dass kein stabiles Ensemble über mehrere Staffeln hinweg Chemie entwickeln kann. Jede Episode, jede Staffel, bringt neue Konstellationen mit sich. Das bedeutet: Die Kamera beobachtet nicht das langsame Wachstum von Beziehungen, sondern muss sofort überzeugen.
Manchmal gelingt das. Die Episoden, in denen erfahrene Murphy-Veteranen wie Peters, Bomer oder Bates aufeinandertreffen, profitieren von einem stillschweigenden Verständnis füreinander – einer gemeinsamen Sprache, die aus früheren Zusammenarbeiten gewachsen ist. Diese Kalibrierung ist schwer zu erzwingen und in den besten Momenten tatsächlich spürbar.
In Episoden, die stärker auf neuere oder jüngere Darsteller setzen, fehlt diese organische Verbindung bisweilen. Das ist nicht als Kritik an den einzelnen Leistungen gemeint, sondern als strukturelle Beobachtung: Ensemble-Dynamik entsteht durch Zeit und gemeinsame Arbeit – Luxusgüter, die ein episodisches Anthologie-Format strukturell kaum liefern kann.
Die Konsequenz: American Horror Stories funktioniert weniger als Ensemble-Serie und mehr als eine Abfolge von Soloauftritten und Duetten. Das kann funktionieren – wenn die einzelnen Performances stark genug sind, um für sich allein zu stehen.
Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
American Horror Stories ist kein isoliertes Phänomen. Es ist ein Produkt seiner Zeit – einer Streaming-Ära, in der Hulu und Disney Plus um Aufmerksamkeit konkurrieren, in der Produktionszyklen schneller werden und in der der Begriff „Repräsentation” zunehmend zu einem Marketingversprechen geworden ist.
Das ist eine unbequeme Wahrheit, die man nicht ignorieren sollte: Wenn eine Produktion stolz darauf verweist, diverse Besetzungen zu wählen, stellt sich die Frage, ob diese Diversität in der tatsächlichen Charakterarbeit und im Drehbuch verankert ist – oder ob sie primär visuelle Symbolpolitik bleibt. Bei American Horror Stories ist das Bild uneinheitlich. Es gibt Episoden, die zeigen, dass Diversität im Cast mit echtem erzählerischem Anspruch verbunden werden kann. Und es gibt Episoden, bei denen die Besetzungsliste repräsentativer ist als der Inhalt.
Ryan Murphy ist ein Produzent, dessen Stärke immer die Ästhetik war – und dessen Schwäche bisweilen die erzählerische Substanz. American Horror Stories reproduziert diese Ambivalenz mit großer Konsequenz. Die Besetzung ist manchmal mutig, manchmal komfortabel, manchmal cleverer als sie auf den ersten Blick wirkt – und manchmal genau so kalkuliert, wie man befürchtet hat.
Die ehrlichste Einschätzung ist vielleicht diese: American Horror Stories ist eine Serie, die weiß, wie sie aussehen soll – und manchmal auch, wie sie sich anfühlen soll. Ob beides gleichzeitig gelingt, hängt stark von der jeweiligen Episode, der jeweiligen Rolle und dem jeweiligen Schauspieler ab. Und genau das – diese Ungleichmäßigkeit – ist vielleicht das Interessanteste, was man über diesen Cast sagen kann.
Wer sich auch für das Casting anderer aktueller Horrorproduktionen interessiert, findet in unserem Artikel zur Besetzung von M3GAN weitere analytische Einblicke.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt in American Horror Stories die Hauptrollen?
American Horror Stories hat keine feste Hauptbesetzung im traditionellen Sinne – als Anthologie-Serie wechseln die Darsteller von Episode zu Episode. Zu den wiederkehrenden Gesichtern gehören Schauspielerinnen und Schauspieler wie Kathy Bates, Emma Roberts, Evan Peters, Matt Bomer, Billie Lourd und Madison Bailey, die aus dem American Horror Story-Universum bekannt sind.
Sind Schauspieler aus der Originalserie auch in American Horror Stories zu sehen?
Ja. American Horror Stories ist ein Spin-off von American Horror Story, und mehrere Stammdarsteller der Originalserie tauchen in Gastauftritten oder wiederkehrenden Rollen auf – darunter Evan Peters und Kathy Bates. Die Serie nutzt bewusst das bestehende Ensemble, um Kontinuität zum Mutterformat herzustellen.
Wie überzeugend ist die Besetzung von American Horror Stories insgesamt?
Die Besetzung ist ungleichmäßig – was bei einem Anthologie-Format nicht überrascht. Erfahrene Darsteller wie Kathy Bates und Evan Peters liefern verlässlich starke Leistungen. Jüngere oder neuere Darsteller haben gelegentlich weniger Spielraum, weil die Episodenstruktur wenig Raum für Charakterentwicklung lässt. Insgesamt liegt das Cast-Niveau im soliden bis guten Bereich.
Ist American Horror Stories sehenswert, wenn man die Originalserie kennt?
Wer American Horror Story mag, wird in American Horror Stories vertraute Ästhetik und bekannte Gesichter finden. Als eigenständiges Werk ist der Spin-off inhaltlich weniger konstant – die Qualität variiert stark von Episode zu Episode. Es lohnt sich, die Serie mit angepassten Erwartungen anzugehen: als atmosphärisches Horror-Anthologie-Format, nicht als narrativ tiefgründiges Seriendrama.
Wo kann man American Horror Stories in Deutschland streamen?
American Horror Stories ist in Deutschland über Disney Plus verfügbar, das die Inhalte von Hulu für den deutschen Markt zugänglich macht.
Gibt es stereotype Charakterzeichnungen in der Serie?
Das ist eine berechtigte Frage. Einige Episoden bedienen Horror-Klischees bewusst als Genrekommentar – andere fallen unreflektiert in stereotype Darstellungsmuster zurück, insbesondere was Geschlechterrollen und soziale Dynamiken betrifft. Wer diese Ebene im Blick behalten möchte, findet in American Horror Stories reichlich Diskussionsstoff.



