Es gibt Serien, die mit dem Gewicht eines Mythos starten – und genau das ist das Problem. Gotham, die Fernsehserie von Bruno Heller, die von 2014 bis 2019 auf Fox lief und von Warner Bros. produziert wurde, erzählt die Geschichte von Gotham City vor Batman. Ein junger Bruce Wayne, ein idealistischer Detective namens James Gordon, und eine Galerie von Schurken, die noch nicht zu den ikonischen Figuren der DC Comics-Welt geworden sind. Das klingt nach einer cleveren Prämisse – und teilweise ist es das auch.
Was den Cast betrifft: Die Besetzung von Gotham ist ein faszinierendes Dokument ambivalenter Entscheidungen. Da sind echte Überraschungen, Schauspieler, die ihren Rollen mehr abverlangen als das Drehbuch ihnen gibt. Und dann sind da Momente, in denen man das Kalkulierte spürt – das Einsetzen vertrauter Gesichter in vertraute Muster. Eine Reflexion über das, was diese Produktion hätte sein können, und was sie letztlich wurde.
Die Besetzung von Gotham – zwischen Anspruch und Konvention
Wenn man sich die Gotham Besetzung als Ganzes anschaut, fällt zunächst auf, wie bewusst das Ensemble zusammengestellt wirkt. Es gibt eine klare Hierarchie: Hauptdarsteller, die das narrative Gerüst tragen, Nebendarsteller, die atmosphärische Dichte erzeugen sollen, und Gastauftritte, die den Mythos bedienen.
Ben McKenzie als junger James Gordon ist eine Entscheidung, die auf den ersten Blick logisch erscheint – er bringt eine gewisse eckige Integrität mit, die zur Figur des zukünftigen Commissioner passt. Doch die spannendere Casting-Entscheidung ist die für Robin Lord Taylor als Penguin: ein Schauspieler, dem man diese Rolle nicht unbedingt auf den ersten Blick zugetraut hätte, der sie aber mit einer beunruhigenden Präzision füllt.
Was weniger frisch wirkt, ist die Tendenz der Serie, weibliche Charaktere entweder in die Rolle der Femme Fatale oder der moralischen Instanz zu drängen. Die Frauen in Gotham – ob Jada Pinkett Smith als Fish Mooney oder Morena Baccarin als Leslie Thompkins – haben durchaus Persönlichkeit, aber man fragt sich manchmal, ob die Drehbuchstruktur ihnen wirklich den Raum lässt, den das Spiel verdient.
Das Casting wirkt insgesamt solide, manchmal inspiriert, gelegentlich kalkuliert. Es ist ein Ensemble, das funktioniert – aber selten überrascht.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Ben McKenzie | James Gordon | 6/10 | Solide, aber selten überraschend. Trägt die Serie zuverlässig, ohne sie zu elektrisieren. |
| Donal Logue | Harvey Bullock | 7/10 | Einer der organischsten Darsteller im Cast – rau, witzig, menschlich. |
| David Mazouz | Bruce Wayne | 7/10 | Bemerkenswert für sein Alter. Entwickelt sich über die Staffeln spürbar. |
| Robin Lord Taylor | Oswald Cobblepot / Penguin | 8/10 | Die stärkste Casting-Entscheidung der Serie. Nuanciert und beunruhigend. |
| Cory Michael Smith | Edward Nygma / Riddler | 7/10 | Charmant neurotisch. Hätte noch mehr Tiefe vertragen. |
| Camren Bicondova | Selina Kyle / Catwoman | 6/10 | Physisch überzeugend, charakterlich manchmal zu eindimensional. |
| Jada Pinkett Smith | Fish Mooney | 6/10 | Maximale Präsenz, manchmal auf Kosten der Glaubwürdigkeit. |
| Morena Baccarin | Leslie Thompkins | 5/10 | Wird zu oft auf die Funktion des Liebesinteresses reduziert. |
| Sean Pertwee | Alfred Pennyworth | 7/10 | Ungewöhnliche Interpretation – körperlicher, rauer. Erfrischend. |
| Erin Richards | Barbara Kean | 5/10 | Durchläuft extreme Charakterwandlungen, die nicht immer überzeugen. |
| Zabryna Guevara | Sarah Essen | 5/10 | Kompetent, aber deutlich unterentwickelt. |
| BD Wong | Hugo Strange | 6/10 | Angenehm theatralisch – passt zur Ästhetik der Serie. |
| Michael Chiklis | Nathaniel Barnes | 6/10 | Bringt Gewicht und Erfahrung mit, bleibt aber im Klischee des harten Cops. |
| Cameron Monaghan | Jerome / Jeremiah Valeska | 8/10 | Eine der faszinierendsten Leistungen. Komplex, unberechenbar, vollständig in der Rolle. |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Ben McKenzie als James Gordon
Ben McKenzie trägt die Last eines zukünftigen Commissioner und tut das mit einem stoischen Ernst, der der Figur durchaus steht. James Gordon ist der moralische Anker der Serie – ein Detective in einer Stadt, die ihn täglich widerlegt. McKenzie spielt das mit solider Handwerkskunst: den Kiefer zusammengebissen, den Blick gerade, die Haltung aufrecht.
Doch genau darin liegt die Einschränkung. McKenzies Gordon ist eine Funktion mehr als ein Mensch. Die inneren Widersprüche der Figur – ein Cop, der mit Verbrechern paktiert, um die Stadt zu retten – werden angedeutet, aber selten wirklich ausgelebt. Man hätte sich gewünscht, dass die Serie und der Schauspieler gemeinsam tiefer graben.
Bewertung: 6/10
Donal Logue als Harvey Bullock
Hier ist ein Darsteller, der offensichtlich weiß, was er tut. Donal Logue spielt Harvey Bullock – Gordons Partner, korrupt, sarkastisch, zutiefst pragmatisch – mit einer Lässigkeit, die nichts mit Desinteresse zu tun hat. Im Gegenteil: In jeder Szene, in der Bullock auftaucht, ist etwas Lebendiges da.
Logue bringt Körperlichkeit, Timing und eine Form von trauriger Komik mit, die der Serie gut tut. Bullock könnte ein Klischee sein – der faule, korrupte Cop als Gegenpol zum rechtschaffenen Helden. Logue macht daraus einen Menschen mit Geschichte.
Bewertung: 7/10
David Mazouz als Bruce Wayne
Die Besetzung eines jungen Bruce Wayne ist eine heikle Angelegenheit. David Mazouz war bei Serienstart vierzehn Jahre alt – und was er über fünf Staffeln leistet, ist beachtlich. Er wächst sichtbar in die Rolle hinein, ohne dass man das Gefühl hat, einer Schulaufführung beizuwohnen.
Besonders in den späteren Staffeln zeigt Mazouz eine Reife, die über das Alter hinausgeht. Die Entwicklung vom traumatisierten Kind zum nascent Vigilanten wirkt nicht aufgesetzt – und das ist keineswegs selbstverständlich. Ein junger Schauspieler, dem man beim Wachsen zusehen kann.
Bewertung: 7/10
Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von The Penguin – einer Serie, die direkt an den Batman-Kosmos von Gotham anknüpft.
Robin Lord Taylor als Penguin
Die stärkste Casting-Entscheidung der gesamten Gotham Besetzung. Robin Lord Taylor spielt Oswald Cobblepot mit einer Präzision, die beunruhigt und fasziniert. Dieser Penguin ist kein cartoonhafter Bösewicht – er ist ein Mensch, der sich durch Demütigung, Gier und eine schräge Loyalität in eine Machtposition arbeitet.
Taylor spielt die Ambivalenz der Figur mit einer Ehrlichkeit, die man selten in einem Serien-Antagonisten findet. Die Szenen zwischen Cobblepot und Nygma gehören zu den stärksten der gesamten Serie – nicht wegen des Drehbuchs, sondern wegen zweier Darsteller, die echte Chemie und echtes Handwerk mitbringen.
Bewertung: 8/10
Cory Michael Smith als Edward Nygma / Riddler
Cory Michael Smith hat eine undankbare Aufgabe: den Riddler zu spielen, bevor er der Riddler ist. Die Figur des Edward Nygma beginnt als sozialer Außenseiter mit obsessivem Verhalten und entwickelt sich langsam zum Bösewicht. Smith navigiert diese Transformation mit einem nervösen Charme, der gelegentlich überzeugend ist.
Die Schwäche liegt im Drehbuch: Nygmas psychologische Entwicklung wirkt manchmal zu sprunghaft, zu sehr auf dramatische Wendungen ausgerichtet. Smith tut, was er kann – und das ist mehr als genug für eine 7.
Bewertung: 7/10
Cameron Monaghan als Jerome / Jeremiah Valeska
Ohne eine fixierte Joker-Figur zu sein – die Serie bleibt bewusst vage – verkörpert Cameron Monaghan eine Energie, die elektrisiert. Seine Darstellung der Valeska-Zwillinge ist physisch, präzise und völlig unberechenbar. Monaghan versteht, was es bedeutet, eine Szene zu besitzen.
Es ist ein Schauspieler, dem man nicht ansieht, wie viel Arbeit dahintersteckt – und das ist das höchste Kompliment.
Bewertung: 8/10
Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
Die Nebenrollen in Gotham sind das, was einer Serie entweder Textur verleiht oder sie glatt und vorhersehbar macht. In diesem Fall: es ist gemischt.
Sean Pertwee als Alfred Pennyworth ist eine der ungewöhnlichsten Interpretationen der Figur in der jüngeren Mediengeschichte. Dieser Alfred ist kein distinguierter Butler – er ist ein ehemaliger Soldat, körperlich präsent, direkt, manchmal ruppig. Pertwee spielt das mit großer Überzeugung und gibt der Figur eine Würde, die nichts mit Konvention zu tun hat. Eine erfrischende Entscheidung.
Jada Pinkett Smith als Fish Mooney – eine original für die Serie geschaffene Figur, also nicht aus den DC Comics stammend – bringt maximale Bühnenenergie mit. Das funktioniert in manchen Momenten hervorragend, in anderen kippt es ins Theatralische. Pinkett Smith ist eine Darstellerin, die volle Aufmerksamkeit einfordert; ob die Figur diese Aufmerksamkeit verdient, ist eine andere Frage.
Morena Baccarin als Leslie Thompkins leidet am stärksten unter dem, was man als strukturelle Unterbewertung weiblicher Charaktere bezeichnen könnte. Die Figur beginnt mit Potential – klug, eigenständig, moralisch komplex – wird aber zunehmend durch ihre Beziehung zu Gordon definiert. Das ist ein Drehbuchproblem mehr als ein Schauspielerproblem, und Baccarin macht aus dem, was ihr gegeben wird, das Beste.
Zabryna Guevara als Sarah Essen und BD Wong als Hugo Strange sind zwei Darsteller, die kompetente Arbeit leisten, aber vom Drehbuch zu wenig Raum bekommen. Besonders Guevara hätte mehr verdient.
Einen ähnlich ambivalenten Umgang mit weiblichen Charakteren und Ensembledynamik findet man auch in der Besetzung von The Suicide Squad, einem weiteren DC-Projekt mit breitem Ensemble.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
Eine kurze Betrachtung ausgewählter Karrieren:
Ben McKenzie
- The O.C. – jugendlichere, weniger gewichtige Rolle, vor Gotham
- Southland – moralische Rigidität bereits erprobt
- Gotham – Reifung und zugleich Einschränkung; die Frage nach dem Typecasting stellt sich durchaus
Robin Lord Taylor
- Gotham – Entdeckungsrolle als Oswald Cobblepot / Penguin; keine vergleichbare Hauptrolle zuvor
- Das Risiko des Typecastings nach dieser Rolle ist real
Donal Logue
- Grounded for Life – langjährige Serienerfahrung als Charakterdarsteller
- Sons of Anarchy – bewährtes Terrain für raue, vielschichtige Figuren
- Gotham – in seinem Element; nie schlechter als das Material, das ihm gegeben wird
Cameron Monaghan
- Shameless – parallel zu Gotham entstanden, etabliert ihn als vielseitigen Charakterdarsteller
- Gotham – Beleg dafür, dass Fernsehen echte Entdeckungen ermöglicht
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Die ehrliche Antwort: teilweise. Die Gotham Besetzung funktioniert am besten in den Momenten, in denen das Ensemble quer zur Erwartung interagiert – wenn Gordon und Bullock sich reiben, wenn Penguin und Riddler ihre bizarre Allianz pflegen, wenn Bruce Wayne und Alfred in ihrem gegenseitigen Unverständnis zueinander finden.
Was weniger funktioniert, ist die romantische Dramaturgie. Die Beziehung zwischen Gordon und Barbara Kean (Erin Richards) ist eine der konstruiertesten in der Serie – man spürt die Mechanik, nicht die Emotion. Erin Richards selbst ist keine schwache Darstellerin; sie arbeitet mit dem, was ihr gegeben wird, aber das Material ist hier besonders dankbar wenig.
Die stärkste Ensemblechemie entwickelt sich in den späteren Staffeln, wenn die Charaktere sich in ihrer moralischen Grauzone eingerichtet haben. Gotham ist interessanter als Ensemble von Kompromissen als als Geschichte von Helden und Schurken.
Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
Die Besetzung von Gotham ist ein Spiegel eines bestimmten Produktionsmoments: die Ära der prestige-angehauchten Network-Serie, die mit Streaming-Qualität konkurrieren will, aber nach Network-Logik produziert wird. Das hinterlässt Spuren.
Man sieht, wie strategisch einige Besetzungsentscheidungen sind. Jada Pinkett Smith als Aushängeschild einer „starken schwarzen Frau”-Erzählung – was an sich nichts Falsches wäre, wenn die Figur nicht so rasch zur Funktion degradiert würde. Morena Baccarin als Romantikinteresse mit angedeutetem Tiefgang. Es gibt durchaus diverse Gesichter in diesem Ensemble – aber Diversität in der Besetzung ist nicht dasselbe wie Diversität in der Charakterentwicklung.
Die Serie stellt sich als komplexes Prequel zum Batman-Mythos vor. Das Casting unterstützt diese Ambition punktuell – Robin Lord Taylor und Cameron Monaghan sind echte Belege dafür, dass die Produktion Talent erkennt und nutzt. Aber die strukturellen Entscheidungen, die weibliche Charaktere betreffen, die ökonomische Verwendung von Nebendarstellern wie Guevara, die Tendenz, moralische Komplexität anzudeuten statt auszuarbeiten – das sind Muster, die man in vielen Produktionen dieser Zeit wiederfindet.
Gotham ist eine Serie, die mehr wollte als sie konnte. Und das Cast spiegelt genau das.
Ähnliche Muster zwischen kalkuliertem Casting und tatsächlicher Charaktertiefe lassen sich auch in der Besetzung von Venom beobachten – einem weiteren Comic-Universum-Projekt mit großem Ensemble-Anspruch.
Häufig gestellte Fragen zur Besetzung von Gotham
Wer spielt in Gotham die Hauptrolle?
Ben McKenzie spielt James Gordon, den jungen Detective und späteren Commissioner von Gotham City. Er ist der zentrale Charakter der Serie, auch wenn er nicht immer der interessanteste ist.
Wer spielt den Penguin in Gotham?
Robin Lord Taylor übernimmt die Rolle des Oswald Cobblepot, auch bekannt als der Penguin. Seine Darstellung gilt weithin als eine der stärksten in der gesamten Gotham Besetzung – nuanciert, beunruhigend und überzeugend entwickelt.
Wer spielt Bruce Wayne in der Serie Gotham?
David Mazouz spielt Bruce Wayne von Kindesbeinen an bis zur Schwelle zum Vigilanten. Eine bemerkenswerte Leistung über fünf Staffeln, die zeigt, wie sich ein junger Schauspieler in eine ikonische Rolle hineinwächst.
Lohnt sich Gotham wegen des Casts?
Für Fans von Ensemble-Serien mit charaktergetriebenen Momenten: Ja, besonders wegen Robin Lord Taylor, Cameron Monaghan und Donal Logue. Wer auf konsistente Charakterentwicklung bei allen Rollen hofft, wird manchmal enttäuscht werden.
Welche Synchronsprecher sind in der deutschen Fassung zu hören?
Die deutsche Synchronbearbeitung ist über die Synchronkartei dokumentiert. Die Serie wurde vollständig synchronisiert; die Synchronsprecher folgen der etablierten deutschen Synchro-Tradition für US-amerikanische Fernsehserien.
Warum wirken manche Charaktere in Gotham flach?
Das ist weniger ein Casting- als ein Drehbuchproblem. Besonders weibliche Charaktere und einige Nebendarsteller werden strukturell unterentwickelt. Das Cast selbst zeigt in vielen Momenten deutlich mehr Potential als die Skripte erlauben.



