Guy Ritchies King Arthur: Legend of the Sword aus dem Jahr 2017 ist kein ehrfürchtiger Historienfilm und auch keine ernsthafte Artus-Interpretation. Es ist ein greller, schnittintensiver Actionfilm mit Fantasyelementen – ein Spektakel, das die Legende um Excalibur und Arthur Pendragon mit dem ästhetischen Vokabular eines Musikvideos neu erzählt. Das Ergebnis polarisierte Kritik und Publikum gleichermaßen. Was mich aber interessiert, ist weniger die Frage nach dem Filmplot als nach dem, was das Ensemble dieser Produktion über aktuelle Casting-Strategien und die Darstellung von Figuren im Mainstream-Kino verrät.
Denn die Besetzung von King Arthur: Legend of the Sword ist symptomatisch für eine Art von Hollywoodproduktion, die zwar mutig genug ist, eine Ikone des britischen Mythos zu entstauben – aber nicht mutig genug, dabei wirklich neue Wege zu gehen. Es gibt durchaus interessante Valenzen im Cast, aber auch Vorhersehbares, das schwer zu ignorieren ist.
Die Besetzung von King Arthur: Legend of the Sword – zwischen Anspruch und Konvention
Wenn man die Besetzung von King Arthur: Legend of the Sword als Ganzes betrachtet, fällt zunächst auf, dass Warner Bros. und Regisseur Guy Ritchie auf ein Ensemble gesetzt haben, das einerseits Glaubwürdigkeit durch Schauspielgewicht aufbauen soll – Jude Law, Eric Bana, Djimon Hounsou –, andererseits mit Charlie Hunnam auf einen Hauptdarsteller setzt, der zwar physisch überzeugend ist, aber in seiner darstellerischen Bandbreite Fragen offenlässt.
Was frisch wirkt: die Mischung aus britischen Charakterdarstellern wie Aidan Gillen und einem breiteren, international besetzten Ensemble. Was weniger frisch wirkt: die weitgehend marginalisierte weibliche Hauptrolle, die unzureichende Charaktertiefe bei mehreren Nebenfiguren und das Gefühl, dass manche Casting-Entscheidungen eher auf Markenkalkulation als auf dramaturgische Notwendigkeit zurückzuführen sind.
Es gibt positive Überraschungen – insbesondere Jude Law, der eine selten genutzte Qualität als Antagonist entfaltet. Aber insgesamt fühlt sich der Cast wie ein sorgfältig zusammengestelltes Ensemble an, das nicht ganz so weit geht, wie es könnte.
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Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Charlie Hunnam | Arthur Pendragon | 6/10 | Körperlich präsent, emotional eher eindimensional |
| Jude Law | Vortigern | 8/10 | Der eigentliche Ruhepunkt des Films – nuanciert und bedrohlich |
| Astrid Bergès-Frisbey | Mage | 5/10 | Interessante Figur, aber unterentwickelt und instrumentalisiert |
| Djimon Hounsou | Bedivere | 6/10 | Solide, aber unter seinen Möglichkeiten eingesetzt |
| Aidan Gillen | Goosefat Bill | 7/10 | Wiry und präzise – eine der überzeugendsten Nebenrollen |
| Eric Bana | Uther Pendragon | 6/10 | Wenig Screentime, aber würdevoll besetzt |
| Kingsley Ben-Adir | Wet Stick | 5/10 | Sympathisch, aber kaum Raum zur Entfaltung |
| Neil Maskell | Rubio | 5/10 | Typecasting, aber funktional |
| Freddie Fox | George | 5/10 | Kaum profiliert |
| Tom Wu | George | 5/10 | Etwas mehr Charakterkontur wäre wünschenswert gewesen |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Charlie Hunnam als Arthur Pendragon
Charlie Hunnam übernimmt die Rolle des Arthur Pendragon – eines Mannes, der als Waisenkind in einem Bordell aufwächst und erst spät seine königliche Bestimmung erkennt. Guy Ritchie gibt der Figur eine streetwise-Energie, die dem Mythos eine neue Textur verleiht. Hunnam trägt diesen Ansatz körperlich glaubwürdig: Er ist charismatisch, athletisch und hat eine gewisse lakonische Lässigkeit, die zur Ritchie-Ästhetik passt.
Das Problem liegt in der emotionalen Tiefe. Hunnam pendelt zwischen zwei Ausdrucksregistern: entschlossener Blick und sarkastisches Grinsen. Wenn Arthur mit dem Erbe von Excalibur konfrontiert wird, mit dem Trauma des ermordeten Vaters Uther Pendragon oder mit dem politischen Gewicht seiner Rolle, bleibt die Darstellung seltsam oberflächlich. Die Figur hat das Potential, eine komplexe Zerrissenheit zwischen Pflicht und Freiheit zu zeigen – diese Chance wird nur bedingt genutzt.
Hunnam ist als Schauspieler nicht talentlos, aber er wird hier in einer Zone eingesetzt, die ihn wenig herausfordert. Arthur Pendragon bleibt eine Heldenfigur, die eher funktiert als leuchtet.
Bewertung: 6/10
Jude Law als Vortigern
Jude Law ist der Hauptgrund, warum die Besetzung von King Arthur: Legend of the Sword nicht vollständig konventionell wirkt. Als Vortigern – der Onkel, der den König ermordet und die Herrschaft usurpiert – bringt Law eine Qualität mit, die man bei Blockbuster-Antagonisten selten findet: psychologische Ambivalenz.
Law spielt Vortigern nicht als eindimensionales Monster, sondern als Mann, der an seiner eigenen Machtgier zerbricht. Es gibt Momente, in denen seine Erschöpfung, sein Selbstzweifel und seine kühle Grausamkeit gleichzeitig spürbar sind. Das ist Schauspielkunst, keine Kulisse. Seine Szenen haben eine Stille, die im restlichen Actionfilm-Lärm fast anachronistisch wirkt – und gerade dadurch umso wirkungsvoller.
Law zeigt hier, was ein erfahrener Charakterdarsteller mit einer gut angelegten Antagonistenrolle anfangen kann. Vortigern ist keine Karikatur des Bösen. Er ist ein Mann, der glaubt, er habe keine Wahl gehabt – und genau das macht ihn unheimlich.
Bewertung: 8/10
Astrid Bergès-Frisbey als Mage
Die Rolle der Mage ist konzeptionell interessant: eine geheimnisvolle Magierin, die Arthur auf seinem Weg begleitet und ihm den Zugang zu seinen eigenen Kräften ermöglicht. Astrid Bergès-Frisbey bringt eine ätherische Präsenz mit, die der Figur eine eigenartige Fremdheit verleiht.
Aber – und das ist ein strukturelles, kein darstellerisches Problem – die Mage existiert fast ausschließlich in Relation zu Arthur. Sie erklärt, sie führt, sie erscheint und verschwindet. Wer sie ist, was sie bewegt, welche innere Logik ihre Entscheidungen trägt: Das bleibt weitgehend unbeantwortet. Bergès-Frisbey arbeitet mit dem, was das Drehbuch ihr gibt. Das ist leider nicht genug.
Es ist bezeichnend, dass der Film eine weibliche Hauptfigur mit magischen Fähigkeiten einführt – also explizit Stärke und Autonomie signalisiert –, ihr dann aber kaum narrative Eigenständigkeit zugesteht. Repräsentation als Oberfläche, nicht als Inhalt.
Bewertung: 5/10
Djimon Hounsou als Bedivere
Djimon Hounsou ist ein Schauspieler, dem man gerne mehr Raum wünscht. Als Bedivere – loyaler Krieger und Vertrauensmann aus dem alten Lager – ist er eine stabilisierende Präsenz, aber keine, die das Drehbuch wirklich auslotet. Hounsou gibt Bedivere Würde und physische Autorität, doch die Figur selbst bleibt eine Funktion: der treue Gefährte, der selten eigene Konturen entwickelt.
Hounsou hat in anderen Projekten gezeigt, dass er emotionale Komplexität transportieren kann. Hier wird das nicht abgerufen. Das ist weniger sein Fehler als der des Drehbuchs, das Bedivere als Requisit behandelt.
Bewertung: 6/10
Eric Bana als Uther Pendragon
Eric Bana taucht als Uther Pendragon nur im Prolog auf – der rechtmäßige König, dessen Ermordung die gesamte Handlung in Gang setzt. Bana bringt eine natürliche Autorität mit, die der Figur Glaubwürdigkeit verleiht. Leider ist die Screentime zu begrenzt, um wirklich etwas aufzubauen. Er ist präsent genug, um den tragischen Hintergrund Arthurs zu verankern, aber zu kurz auf der Leinwand, um eine eigenständige Figur zu werden.
Bewertung: 6/10
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Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
Die Stärke von King Arthur: Legend of the Sword liegt, dramaturgisch gesehen, nicht in den Hauptrollen, sondern in dem dichten Geflecht von Nebenfiguren, das die Welt um Arthur herum bevölkert. Figuren wie Goosefat Bill, Wet Stick und Rubio bilden Arthurs Straßenbande – und hier entfaltet Guy Ritchie seine stärkste kreative Energie.
Aidan Gillen als Goosefat Bill ist dabei die auffälligste Nebenpräsenz. Gillen hat ein feines Gespür für Timing und Ambiguität – er ist weder Held noch Antiheld, sondern ein pragmatischer Überlebenskünstler, der dem Film eine scharfe, leicht zynische Note verleiht. Das wirkt organisch.
Kingsley Ben-Adir als Wet Stick und Neil Maskell als Rubio sind solide in ihren Rollen, aber kaum mehr als Typen. Sie geben der Truppe Kontur und Humor, bleiben aber in der dramatischen Hierarchie klar untergeordnet. Für einen Film, der so sehr auf Gruppenenergie setzt, ist das eine verschenkte Gelegenheit.
Die Nebenrollen funktionieren als atmosphärisches Ensemble besser als als individuelle Charakterstudien. Das reicht für den Rhythmus des Films – aber nicht für Tiefe.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
Betrachtet man die Filmografien der zentralen Darsteller, zeigen sich interessante Muster.
Charlie Hunnam
- Sons of Anarchy – der raue Außenseiter mit moralischem Kern, ein Typus, dem Hunnam auch in King Arthur wenig Neues hinzufügt
- The Lost City of Z (2016) – Hunnam wirkt am stärksten, wenn die Regie ihn physisch fordert und emotional entlastet
Jude Law
- Vom romantischen Hauptdarsteller zum komplexen Charakterdarsteller – eine bemerkenswerte künstlerische Wandlung
- Vortigern passt in eine Phase seines Schaffens, in der er bewusst mit seinem Imagerepertoire spielt
Djimon Hounsou
- Gladiator – noble Stärke ohne eigenständigen Erzählbogen
- Guardians of the Galaxy – dasselbe Muster setzt sich fort
- King Arthur: Legend of the Sword – keine Ausnahme von diesem ernüchternd konstanten Muster
Aidan Gillen
- Hat sich eine Nische erarbeitet, in der er glänzt: ambivalente Figuren mit kleinem Schuss Ironie
- In King Arthur wiederholt er ein bekanntes Muster – aber er wiederholt es gut
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Teilweise – und das ist ehrlich gesagt mehr, als man von einem Blockbuster dieser Art erwarten könnte.
Die Szenen, in denen Arthurs Straßenbande gemeinsam agiert, haben eine echte Energie. Man glaubt diesen Männern ihre gemeinsame Geschichte, ihre beiläufige Loyalität, ihren schwarzen Humor. Hunnam, Gillen, Ben-Adir und Maskell zusammen in einem Raum – das hat Rhythmus.
Problematischer ist die Chemie zwischen den Polen des Films. Die Beziehung zwischen Arthur und der Mage entwickelt keine wirkliche Spannung oder Tiefe – sie ist mehr Plot-Instrument als menschliche Verbindung. Und die Konfrontationen zwischen Hunnam und Law funktionieren narrativ, aber nicht emotional – weil Law so viel präziser spielt als der Raum, den Hunnam ihm lässt.
Als Ensemble ist der Cast eine gemischte Bilanz: stärker in der Gruppe, schwächer in den intimen Momenten.
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Zwischen Anspruch und Realität – was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
Die Besetzung von King Arthur: Legend of the Sword ist ein gutes Fallbeispiel für eine bestimmte Art von Studioentscheidung: die kalkulierte Risikovermeidung unter dem Deckmantel von Kühnheit.
Warner Bros. und Produzenten wie Lionel Wigram und Akiva Goldsman haben hier auf ein Ensemble gesetzt, das auf dem Papier vielversprechend klingt. Und das Drehbuch von Joby Harold gibt durchaus interessante Impulse. Aber letztlich dominiert der Produktionsapparat das kreative Urteil. Die Figuren – insbesondere die weiblichen – werden nach Notwendigkeit besetzt, nicht nach Möglichkeit. Repräsentation wird als Checkbox behandelt, nicht als dramaturgische Kategorie.
In einer Zeit, in der die Streamingkultur zunehmend Druck auf klassische Kinonarrative ausübt, ist King Arthur ein Film, der zeigt, was passiert, wenn ein Studio Avantgarde-Ästhetik – Ritchies Regie, Daniel Pembertons Filmmusik – mit konventioneller Heldenmythologie koppelt, ohne bereit zu sein, die Konventionen wirklich zu subvertieren. Das Ergebnis ist ein Spektakel, das beeindruckt und gleichzeitig etwas unbefriedigt zurücklässt.
Das ist keine Katastrophe. Aber es ist eine Frage wert: Wozu das alles, wenn man am Ende doch denselben weißen Helden mit Schwert und Bestimmung auf den Thron setzt?
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt Arthur Pendragon in King Arthur: Legend of the Sword?
Die Hauptrolle des Arthur Pendragon wird von Charlie Hunnam übernommen. Er spielt einen Straßenjungen, der seine königliche Herkunft zunächst nicht kennt und erst durch Excalibur zu seiner Bestimmung findet.
Wer spielt den Antagonisten Vortigern?
Jude Law spielt Vortigern, den Onkel Arthurs, der den rechtmäßigen König ermordet und die Herrschaft usurpiert. Law ist die stärkste darstellerische Leistung des gesamten Films.
Welche Rolle hat Djimon Hounsou in King Arthur: Legend of the Sword?
Djimon Hounsou spielt Bedivere, einen loyalen Krieger und Verbündeten Arthurs. Die Rolle ist solide besetzt, bleibt aber dramaturgisch unterentwickelt.
Wer spielt die Mage und wie bedeutend ist die Rolle?
Astrid Bergès-Frisbey spielt die mysteriöse Mage. Die Figur ist konzeptionell interessant, existiert im Film jedoch fast ausschließlich als Hilfsfigur für Arthur – eine verpasste Chance zur wirklichen Charakterentwicklung.
Lohnt sich King Arthur: Legend of the Sword trotz der Schwächen in der Besetzung?
Für Fans von Guy Ritchies visuellem Stil und einem energetischen Actionfilm durchaus. Wer tiefgründige Charakterdarstellung und authentische Repräsentation sucht, wird mit gemischten Gefühlen aus dem Film herausgehen. Jude Law allein macht das Schauen allerdings lohnenswert.
Wer hat die Musik zu King Arthur: Legend of the Sword komponiert?
Die Filmmusik stammt von Daniel Pemberton, der dem Film eine eigenständige, elektrisierende Klangidentität verleiht – eine der ungezwungen stärksten Seiten der Produktion.



