Es ist eines der ambitioniertesten Projekte im aktuellen Streaming-Universum: Netflix hat Eiichiro Odas Kult-Manga One Piece als Live-Action-Serie adaptiert – eine Vorlage, die seit über 25 Jahren Generationen von Fans begeistert und die als quasi unverfilmbar galt. Die Serie folgt Monkey D. Ruffy und seinen Strohhut-Piraten auf ihrer Suche nach dem legendären Schatz „One Piece” und dem Titel des Piratenkönigs. Was dabei herausgekommen ist, lässt sich nicht ohne eine ehrliche Bestandsaufnahme der Besetzung bewerten – und die ist, wie so oft bei großen Netflix-Produktionen, ein gemischtes Bild aus klugen Entscheidungen, kalkulierten Kompromissen und vereinzelten echten Überraschungen.
Zwischen Anspruch und Konvention
Wer sich die Besetzung von One Piece genauer anschaut, erkennt schnell, dass Netflix hier bewusst auf Diversität gesetzt hat – und das ist grundsätzlich zu begrüßen. Das Ensemble ist international, vielsprachig und spiegelt eine Bandbreite wider, die dem globalen Anspruch der Serie gerecht wird. Iñaki Godoy als Ruffy, Emily Rudd als Nami, Mackenyu als Zoro – das sind keine zufälligen Besetzungen, sondern Entscheidungen, die sowohl auf Marktüberlegungen als auch auf echtem Casting-Gespür basieren.
Und doch: Wer genauer hinschaut, bemerkt, dass einige dieser Entscheidungen eher strategisch wirken als künstlerisch mutig. Die Besetzung folgt in Teilen dem bekannten Netflix-Muster – attraktive, junge Gesichter, eine gut durchdachte Repräsentationsformel, aber nicht immer die tiefste charakterliche Passung. Das bedeutet nicht, dass das Cast schlecht ist. Im Gegenteil: Es gibt Momente, in denen das Ensemble wirklich aufleuchtet. Es bedeutet nur, dass man zwischen dem, was die Serie verspricht, und dem, was sie tatsächlich liefert, unterscheiden sollte.
Positiv hervorzuheben ist, dass Eiichiro Oda selbst in die Produktion eingebunden war – was zumindest strukturell dafür sorgte, dass die Charaktere nicht vollständig aus ihrem Anime-Kontext gerissen wurden. Ob das auch schauspielerisch umgesetzt wurde, ist eine andere Frage.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Iñaki Godoy | Monkey D. Ruffy | 7/10 | Energetisch und sympathisch, manchmal zu eindimensional fröhlich |
| Mackenyu | Roronoa Zoro | 7/10 | Physisch überzeugend, emotional noch ausbaufähig |
| Emily Rudd | Nami | 6/10 | Kompetent, aber die Rolle bleibt in stereotypen Bahnen |
| Jacob Romero Gibson | Usopp | 6/10 | Komödiantisch solide, wirkt selten wirklich verletzlich |
| Taz Skylar | Sanji | 7/10 | Charismatisch, trägt seine Szenen gut – die Frauendarstellung der Rolle bleibt jedoch problematisch |
| Morgan Davies | Koby | 6/10 | Sympathische Entwicklungsfigur, bleibt aber zu brav |
| Ilia Isorelýs Paulino | Alvida | 6/10 | Selbstbewusstes Auftreten, zu wenig Screentime für echte Tiefe |
| Jeff Ward | Buggy | 8/10 | Die eigentliche Überraschung – theatralisch, witzig, mit echter Präsenz |
| McKinley Belcher III | Arlong | 7/10 | Bedrohlich und nuanciert, eine der stärksten Nebenrollen |
| Peter Gadiot | Shanks | 6/10 | Wenig Screentime, karismatische Präsenz, aber kaum Raum zur Entfaltung |
| Vincent Regan | Garp | 7/10 | Routiniert und solide, bringt die nötige Autorität mit |
| Langley Kirkwood | Captain Morgan | 5/10 | Funktional, aber wenig subtil in der Anlage |
| Celeste Loots | Kaya | 5/10 | Blasse Nebenrolle mit wenig Entwicklungspotenzial |
| Steven Ward | Mihawk | 7/10 | Kurz, aber eindrücklich – genau die richtige Dosierung |
Die Hauptdarsteller im Fokus
Iñaki Godoy als Monkey D. Ruffy
Ruffy ist die Seele von One Piece – und damit auch die größte Herausforderung für jeden Darsteller. Iñaki Godoy, der mexikanische Schauspieler, bekannt aus der Netflix-Serie Who Killed Sara?, bringt eine natürliche, fast kindliche Energie mit, die dem Charakter grundsätzlich gutsteht. Ruffy ist impulsiv, loyal und naiv im besten Sinne – und Godoy verkörpert diese Qualitäten mit echtem Körpereinsatz und einer ansteckenden Begeisterung.
Was manchmal fehlt, ist die Tiefe. Ruffy ist kein eindimensionaler Charakter: Er trägt Verlust, Loyalität und einen unbedingten Willen in sich, der im Manga und Anime weit über bloße Verspieltheit hinausgeht. Godoy zeigt diese Schichten – aber nicht immer gleichzeitig. In ruhigen Momenten, wenn die Serie ihm Raum lässt, wirkt er echter. In den lauten Szenen bleibt er gelegentlich an der Oberfläche.
Dennoch: Er ist eine der glücklichsten Casting-Entscheidungen der Serie. Man glaubt ihm Ruffy – und das ist in diesem Genre keine Selbstverständlichkeit.
Bewertung: 7/10
Mackenyu als Roronoa Zoro
Mackenyu – Sohn von Sonny Chiba – ist physisch eine Idealbesetzung für Zoro. Der japanische Schauspieler bringt die martialische Präsenz, die Zoro braucht, und seine Kampfszenen gehören zu den handwerklich überzeugendsten der Staffel. Aber Zoro ist mehr als ein Schwertmann: Er ist stoisch, komplex, mit einer eigenen Ehrenvorstellung, die ihn von anderen Shōnen-Helden unterscheidet.
Hier zeigt die Darstellung Grenzen. Mackenyu spielt Zoros Kühle überzeugend, aber seine emotionalen Szenen – und davon gibt es in Staffel 1 durchaus einige – wirken gelegentlich verschlossen statt kontrolliert. Das ist ein feiner Unterschied, aber ein bedeutsamer. Es ist die Frage, ob Zoro aus innerer Stärke schweigt oder weil das Drehbuch ihm wenig gibt.
Bewertung: 7/10
Emily Rudd als Nami
Nami ist die intellektuell interessanteste Figur im Kern-Cast der Strohhut-Piraten – eine Frau, die überlebt hat, indem sie andere belogen und manipuliert hat, und die dahinter eine tiefe Wunde trägt. Emily Rudd ist eine solide Besetzung, und sie hat Momente echter emotionaler Präsenz. Der Arlong-Park-Arc, der Namis Hintergrundgeschichte offenbart, gehört zu den stärkeren Sequenzen der Serie – und Rudd trägt diese Szenen gut.
Was störend bleibt: Die Serie neigt dazu, Nami in ihren klischeehafteren Aspekten zu zeigen – die schlaue, kühle Frau, die Männern immer einen Schritt voraus ist, aber emotional erst zugänglich wird, wenn sie es darf. Das ist weniger ein Problem Rudds als ein Drehbuch- und Produktionsproblem. Aber es zeigt, wie schwer es ist, weibliche Charaktere im Action-Adventure-Genre aus dem Muster zu lösen.
Bewertung: 6/10
Taz Skylar als Sanji
Sanji ist, ehrlich gesagt, die Rolle, bei der die Bewertung am zwiespältigsten ausfällt. Taz Skylar spielt ihn mit echtem Charme und einer lässigen Coolness, die funktioniert. Die Szenen in der Baratie zeigen, dass er ein Gespür für Timing und Komik hat. Und der Schauspieler bringt eine Wärme mit, die Sanji braucht – er ist kein bloßer Frauenheld, er ist ein Mensch, der durch Küche und Loyalität definiert ist.
Das Problem ist nicht Skylar. Das Problem ist Sanji selbst: Sein Umgang mit Frauen – unkritisch aus dem Anime übernommen – ist 2023 schwer zu verteidigen. Die Serie entschärft das leicht, aber nicht konsequent. Als Beobachterin fragt man sich, ob eine mutigere Produktion diesen Charakterzug nicht hätte neu denken können.
Bewertung: 7/10
Jacob Romero Gibson als Usopp
Usopp ist die Figur, die am meisten Raum für komödiantische und emotionale Nuancen bietet – ein chronischer Lügner mit echter Herzenstiefe. Jacob Romero Gibson bringt die komischen Qualitäten glaubwürdig rüber, und seine Energie ist angenehm. Was fehlt, ist die Verletzlichkeit: Usopp ist auch ein Feigling mit Trauma, und diese Seite bleibt in der Serie unterbelichtet.
Bewertung: 6/10
Nebenrollen und ihre Bedeutung für die Dynamik
Die eigentliche Entdeckung der Besetzung ist Jeff Ward als Buggy. In einer Serie, die manchmal zu sehr darum bemüht ist, ernst genommen zu werden, ist Buggy das befreiende Chaos. Ward spielt ihn mit theatralischer Grandiosität und einem Augenzwinkern, das nie in bloße Parodie kippt. Er versteht, dass Buggy auch tragisch ist – ein ewiger Zweiter, der sich für außergewöhnlich hält – und das macht die Figur zu weit mehr als einem komischen Relief.
McKinley Belcher III als Arlong ist ebenfalls hervorzuheben. Er spielt den Antagonisten des ersten Staffelfinales mit einer kontrollierten Bedrohlichkeit, die über das typische Schurken-Template hinausgeht. Arlong hat eine Ideologie – und Belcher zeigt, dass er sie wirklich glaubt. Das macht ihn interessanter als viele Netflix-Antagonisten.
Vincent Regan als Garp bringt die nötige väterlich-autoritäre Präsenz mit, ohne in Klischees zu verfallen. Er ist einer der Routinierten im Cast – erfahren genug, um auch in kurzen Szenen Eindruck zu hinterlassen.
Weniger überzeugend sind Charaktere wie Kaya (Celeste Loots) oder Captain Morgan (Langley Kirkwood), die funktional bleiben und kaum Raum für Entwicklung bekommen. Das ist weniger eine Frage der schauspielerischen Leistung als der Erzählentscheidungen der Serie.
Filmografie – Entwicklung oder Wiederholung?
Betrachtet man die Filmografien der Hauptdarsteller, fällt auf: Viele von ihnen befinden sich am Beginn ihrer Karriere oder haben sich bislang in einem Genre bewegt.
Iñaki Godoy
- Who Killed Sara? (Netflix-Serie) – bisherige Streaming-Erfahrung vor One Piece
- One Piece (Netflix, 2023) – deutlicher Schritt in Richtung physisch und emotional anspruchsvollerer Darstellung
Mackenyu
- Mehrere Manga-Adaptionen, darunter Rurouni Kenshin – solider japanischer Filmhintergrund
- One Piece (Netflix, 2023) – Prädestiniert, aber auch mit Typecasting-Risiko behaftet
Emily Rudd
- Kleinere US-Produktionen vor One Piece
- One Piece (Netflix, 2023) – bislang größtes Projekt
Taz Skylar
- Britische Theatererfahrung – in einigen Sanji-Szenen spürbar
- One Piece (Netflix, 2023)
Jeff Ward
- Agents of S.H.I.E.L.D. und weitere US-Serien
- One Piece (Netflix, 2023) – in Buggy findet er seine bisher faszinierendste Rolle
Insgesamt zeigt die Besetzung weniger eine Aneinanderreihung von Stars als eine bewusste Wahl für frische Gesichter – was ein Risiko ist, das sich teilweise ausgezahlt hat.
Funktioniert die Besetzung als Ensemble?
Die Frage nach der Chemie ist vielleicht die entscheidendste für eine Serie wie One Piece – denn die Strohhut-Piraten sind keine Gruppe zufälliger Helden. Sie sind eine Familie, die sich gesucht und gefunden hat. Und genau das muss man glauben.
Die gute Nachricht: Es funktioniert. Nicht immer, nicht in jeder Szene, aber in den Momenten, die zählen – wenn Ruffy Zoro auf dem Kreuz findet, wenn Nami endlich ihr Herz öffnet, wenn Usopp und Ruffy zum ersten Mal gemeinsam lachen – dann spürt man, dass diese Menschen miteinander agieren und nicht nur nebeneinander. Die Dynamik zwischen Godoy und Mackenyu trägt die Serie über weite Strecken, und die schrittweise Erweiterung des Ensembles fühlt sich organisch an.
Was weniger funktioniert, ist die romantische oder zumindest emotionale Tiefe zwischen den Figuren. Die Freundschaften werden behauptet, aber selten wirklich entwickelt. Das ist ein strukturelles Problem, das über einzelne Schauspielerleistungen hinausgeht – und das Staffel 2 adressieren müsste, um die Serie aus der angenehmen Gefälligkeit in echte emotionale Wirkung zu führen.
Zwischen Anspruch und Realität – Was diese Besetzung über aktuelle Produktionen verrät
Die Besetzung von One Piece ist symptomatisch für den aktuellen Zustand großer Streaming-Produktionen: Man investiert in Diversität, man wählt mit Bedacht, man zeigt, dass man die Vorlage respektiert – und doch bleibt ein Geschmack von Kalkül. Netflix hat hier eine Serie produziert, die funktioniert, die Fans begeistert und die international gut ankommt. Das ist keine Kleinigkeit. Aber es ist auch kein Zufall.
Repräsentation ist wichtig – und die Besetzung macht vieles richtig: ein internationales, diverses Cast, das nicht nach dem alten Hollywood-Schema zusammengestellt wurde. Aber Repräsentation allein ist kein Inhalt. Die eigentliche Frage ist, ob die Charaktere, die diese Schauspieler spielen, wirklich die Möglichkeit bekommen, komplex zu sein. Und da zeigt die Serie ihre Grenzen: Nami darf stark sein, aber nicht wirklich gebrochen. Zoro darf schweigsam sein, aber nicht wirklich verloren. Ruffy darf lachen, aber sein innerer Schmerz wird selten ausgehalten.
Das ist kein Versagen des Casts. Das ist das Ergebnis eines Produktionssystems, das auf Zugänglichkeit und breite Akzeptanz optimiert – und dabei manchmal vergisst, dass die tiefsten Momente im Manga und Anime genau dann entstehen, wenn es unbequem wird.
Staffel 2 – für die bereits Casting-Entscheidungen für Figuren wie Smoker, Tashigi und Wapol bekannt geworden sind – wird zeigen, ob die Produktion den Mut findet, tiefer zu gehen.
Häufig gestellte Fragen zur Besetzung von One Piece
Wer spielt Monkey D. Ruffy in der Netflix-Serie One Piece?
Ruffy wird von dem mexikanischen Schauspieler Iñaki Godoy gespielt, der zuvor durch die Netflix-Serie Who Killed Sara? bekannt wurde. Er überzeugt vor allem durch seine natürliche Energie, hat aber gelegentlich Mühe, die tieferen Schichten der Figur vollständig zu entfalten.
Wer spielt Zoro, Nami und Sanji in der One Piece Besetzung?
Roronoa Zoro wird von Mackenyu gespielt, einem japanischen Schauspieler mit Martial-Arts-Hintergrund. Nami wird von Emily Rudd verkörpert, Sanji von Taz Skylar. Alle drei sind solide Besetzungen mit unterschiedlichen Stärken – Mackenyu und Skylar heben sich dabei leicht ab.
Welcher Schauspieler in der Besetzung von One Piece sticht besonders hervor?
Jeff Ward als Buggy ist die eigentliche Überraschung des Casts. Er spielt die Figur mit theatralischer Grandiosität und echter komödiantischer Tiefe – und ist damit eine der faszinierendsten Darbietungen der gesamten ersten Staffel.
Lohnt es sich, die One Piece Serie auf Netflix anzuschauen?
Ja – mit realistischen Erwartungen. Die Serie ist gut produziert, das Ensemble funktioniert als Ganzes, und die Adaption behandelt die Vorlage respektvoll. Wer den Manga oder Anime kennt, wird Abweichungen bemerken; wer neu einsteigt, bekommt ein solides Abenteuer-Streaming-Erlebnis.
Wie wurde die Besetzung von One Piece von Fans aufgenommen?
Überwiegend positiv, was für eine Live-Action-Adaption eines so geliebten Mangas bemerkenswert ist. Insbesondere Iñaki Godoy als Ruffy und Jeff Ward als Buggy wurden von der Community gelobt. Kritischer wurden einzelne Charakterdarstellungen diskutiert, darunter die Reduktion einiger Figuren auf ihre offensichtlichsten Eigenschaften.
Gibt es bereits Informationen zur Besetzung von Staffel 2?
Ja. Laut verschiedenen Berichten wurde die Besetzung für Figuren wie Smoker, Tashigi und Wapol für die zweite Staffel gefunden. Details zu den Darstellern dieser Rollen wurden sukzessive bekannt – Staffel 2 befindet sich in Produktion.



